Riesiges dreidimensionales Puzzle wieder zusammengefügt

Bis zum 26. Januar ist die Weihnachtsschau im Depot Pohl-Ströher in Gelenau zu sehen. Sie zeigt einige Schätze - der wohl größte erforderte immensen Aufwand.

Eppendorf/Gelenau.

Die Tränen stehen Ina Uhlig in den Augen, als die Musik zu spielen beginnt und eine Schar Verkündigungsengel herabschwebt. Auch Hirten und Könige begeben sich auf den Weg. "Mit zehn Jahren habe ich ihn zum letzten Mal daheim im Wohnzimmer gesehen", sagt die inzwischen 65-jährige Erzgebirgerin über den Weihnachtsberg, den sie nun wieder bestaunen kann. Sie und Tausende andere Menschen, denn das Werk ihres Vaters hat Ina Uhlig dem Gelenauer Depot Pohl-Ströher als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

2,30 Meter lang und 1,50 Meter breit ist die Fläche, auf der der Weihnachtsberg aufgebaut ist. Was ihn zum größten Neuzugang der diesjährigen Weihnachtsschau macht, ist vor allem seine Höhe. Zahlreiche Figuren tummeln sich um die mit Liebe zum Detail gestalteten Gebäude. Nur zu erahnen ist die aufwendige Mechanik darunter, die die Engel an einem Seil sowie die Könige auf einem Laufband in Bewegung setzt. Die Einzelteile zusammenzusetzen, hat Walter Fischer drei Tage gekostet. Der Vater von Ina Uhlig, der den Berg 1926 baute, hatte also in der Weihnachtszeit stets viel zu tun.

Für Eckart Holler begann die Arbeit schon im vergangenen Sommer. Obwohl er über Erfahrung mit derartigen Werken verfügt, musste er sich aus dem Depot Pohl-Ströher erst einmal einen Überblick verschaffen. Zufällig hatte er in einem Gespräch mit Ina Uhligs Ehemann erfahren, was für ein Schatz auf dem Dachboden in deren Eppendorfer Elternhaus schlummert. Solche Herausforderungen liebt Holler. "Es war ein riesiges dreidimensionales Puzzle", sagt er über das Material, das in vier Autofahrten nach Gelenau gebracht wurde. Nur einige der Teile in den zahlreichen Kartons waren nummeriert. "Es gab nur wenige Fotos", ergänzt Holler. Auch ein digitalisierter Schmalfilm lieferte kaum Aufschluss über den ursprünglichen Zustand. Je weiter Holler mit den Kollegen Mario Franke und Siegfried Seidl beim Wiederaufbau vorankam, desto größer wurde der Respekt für Walter Fischer. Der Sohn von Hermann Fischer, der in Eppendorf einst eine Spielwaren- und Kartonagenfabrik gegründet hatte, wusste Wissen und Können anzuwenden. "Bis 1923 hat mein Vater die Gewerbeschule Grünhainichen besucht. Ich nehme an, dass dies der Anstoß für den Weihnachtsberg war", sagt Ina Uhlig. Seine gestalterischen Fähigkeiten, die sich später in weltweit exportierten Holzerzeugnissen widerspiegeln, kommen bei diesem Weihnachtsberg ebenso zur Geltung wie technische. Als Beispiel nennt Holler den beweglichen Engelchor, der mit einer Spieluhr gekoppelt ist. Eine raffinierte Lösung, findet er: "Die Uhr wird durch Bleigewichte betrieben, die automatisch wieder aufgezogen werden."

Auch wenn der Weihnachtsberg nun mit Moos statt Reißig bedeckt ist, strahlt er in Schönheit. Ina Uhlig, die inzwischen in Grießbach wohnt, ist den Experten des Gelenauer Depots dankbar für ihre Bemühungen. "Je älter ich wurde, desto größer wurde der Wunsch, den Berg wiederaufzubauen", sagt sie und erklärt damit ihre Emotionen. Nach mehr als einem halben Jahrhundert auf dem Dachboden ist das riesige Puzzle nun wieder zusammengefügt.

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