Scharfmacher und Sensenmann

Sonntags den Rasenmäher starten? Keine schlaue Idee. Da greift man besser zur Sense. Den Umgang damit kann man in Gahlenz lernen.

Gahlenz.

Blecherne Hämmerschläge und mechanisches Reiben erfüllten am Sonnabend akustisch den Hof des Dorfmuseums Gahlenz. Der war Schauplatz eines nichtalltäglichen Lernkurses auf dem Lande: Sense dengeln und wetzen hieß die dreistündige unterhaltsame Lektion für Neugierige. "Mit bissel mehr Schmatze" ermutigte Fachmann Matthias Merkel die drei teilnehmenden Wissbegierigen der praktischen Unterweisung im Grünen, kräftiger auf das Material zu schlagen. Die, allesamt Laien, versuchten erstmals die Schneide ihrer Arbeitsgeräte zu schärfen und näherten sich zunächst mit vorsichtigen Hieben der Aufgabe. "Um eine dünne scharfe Schneide zu erhalten, bedarf es zielgerichteten Hämmerns, der Stahl muss ausgetrieben werden, er wird verdünnt und somit geschärft", demonstrierte der Fachmann das Handwerk, bei dem die erzeugte Schneide als Dengel bezeichnet wird. "Der Stahl will etwas sehen, also richtig drauf. Je schärfer, umso stabiler ist der Schnitt", lautete die scherzhafte Unterweisung des Eppendorfer Kursleiters. Seit Jahren beschäftigt sich der 58-Jährige mit der Thematik Gras und Sense und ist als Fachmann geschätzt..

"Aber sorgfältig arbeiten und nicht zu schnell", hieß einer seiner weiteren Tipps. Den beherzigte der Zschopauer Sven Kegel. "Es ist gar nicht so einfach, mit dem Hammer immer wieder auf die selben Stellen des Blattes zu treffen, welches wiederum auf dem nur zwei Millimeter großen gewölbten Amboss liegt", zeigte der 51-Jährige ordentliches Geschick. Der gehört zu einem Kleingartenteam, welches Wiesenstücke demnächst selbst per Sense mähen will. Matthias Merkel zeigte ihm, wie die Werkzeuge dafür verwendet werden. "Das auf den Amboss liegende Blatt wird mit dem Hammer so bearbeitet, dass man einen zwischen drei und sieben Millimeter breiten Dengel erhält." Ein Dengelamboss ist dabei längst nicht mit jenem in einer Schmiede vergleichbar, er passt sogar in eine Hosentasche. "Ich bevorzuge flache gewölbte, mit einem Dorn an der Unterseite für den hölzernen Dengelstock." Als Dengelhammer benutzt Matthias Merkel zwei, unterschiedlich schwere Exemplare, je nach Zustand des Blattes. Diese Hämmer haben eine spezielle Form samt Finnen. "Mit Einsatz von Dengelamboss und Dengelhammer ist immer eine Seite flach und eine Seite spitz. Es ist aber variabel, wie diese Kombination der beiden Seiten erfolgt. Die Unterseite des Sensenblattes zeigt jeweils zur flachen Seite. Die spitze Seite treibt auf der Oberseite des Sensenblattes den Dengel aus."

Auch Fred Kjak näherte sich der Aufgabe mit viel Geschick. "Einst sah ich meinem Vater beim Sensen zu, später wurde in der Familie ein Rasenmäher benutzt. Jetzt habe ich diese Aufgabe für mich wiederentdeckt und Gefallen daran gefunden", so der 81-Jährige. "Ich möchte es richtig machen, denn die Arbeit schmerzt, daher suche ich in Gahlenz Rat", so der Niederwiesaer, der demnächst dem Gras in seinem Garten mit scharfer Sense und richtiger Körperhaltung zu Leibe rücken will. Der dritte in der Lernrunde, Jens Clausnitzer, nannte ein weiteres Argument für die Sensentechnik. "Zum Gras schneiden kommt man meist, wenn Nachbarn Ruhe haben wollen. Mit einer Sense kann ich meinen Garten auch Sonntag mittags mitten im Wohngebiet bearbeiten", so der 48-Jährige aus Zschopau.

Merkel bescheinigte den Akteuren Talent und gab Tipps. "Nicht in der Sonne dengeln, die Hitze beeinflusst die Gitterstruktur des Metalls und macht das Blatt unscharf", so der Fachmann. Ein weiterer: Die Bodenbeschaffenheit des Gartens in Angriff nehmen. "Ebene Flächen erleichtern das Arbeiten mit der Sense und vermeiden, dass man in den Boden schlägt." Und: Das Sensenblatt ruhig im Freien lassen und auch dem Regen aussetzen. "Die Nässe bearbeitet das Material, es bildet sich Rost, der, abgetragen, verdünnt das Blatt. Daher haben Bauern früher ihr Werkzeug, ohne den Sensenbaum, in eine Astgabel gehangen."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...