Schönheitskur für Körnerkreuz

Der Zustand ist ärgerlich. Doch 2020 soll es saniert werden: das Denkmal auf dem Harrasfelsen. Der Weg wird steinig.

Altenhain.

Wer von Matthias Bergks Heimatort Altenhain zum Harrasfelsen unterwegs ist, für den wird der Weg zum Gleichnis: Es geht auf und ab. Man muss Ausdauer an den Tag legen, will man zum Ziel gelangen. Dies ist das Körnerdenkmal in dem Frankenberger Ortsteil. Der Ortschaftsrat peilt dessen Instandsetzung an. "Im Grunde rede ich mir schon seit Jahren den Mund fusselig", sagt Bergk. Doch Aufgeben ist für den Unternehmensberater keine Option. So setzt er aufs Netzwerken, auf Gespräche und alles daran, dass das Körnerdenkmal in einen gepflegten Zustand versetzt wird. Dafür brachte er zunächst in Erfahrung, dass es der Stadt Frankenberg gehört, das dazugehörige Grundstück aber dem Sachsenforst. "Die Stadt stellt einen Fördermittelantrag beim Denkmalschutz und hat bereits einen Finanzzuschuss zugesagt", erklärt der Ortschaftsrat.

Der Felsen, von dem der Besucher einen herrlichen Blick auf die Zschopau hat, war früher als Großer Haustein bekannt. Seinen heutigen Namen trägt er wegen der Legende vom Ritter Dietrich von Harras. Dieser soll im Jahr 1449 seinen Verfolgern um den verfeindeten Ritter Götz auf seinem Pferd mit einem kühnen Sprung hinab in den Fluss entfleucht sein. Theodor Körner, der in seiner Freiberger Akademiezeit nicht nur die Burg Gnandstein, das Riesen- und das Elbsandsteingebirge, sondern auch die Steinbrüche in der Region besuchte, erfuhr von der Legende und hielt diese 1810 in seiner Ballade "Harras, der kühne Springer" fest. Das wiederum bewegte die Frankenberger so, dass sie zu Ehren des Freiheitskämpfers am Schauplatz des Harrassprungs am 20. Juni 1864 das eiserne Körnerkreuz errichteten. Dessen Inschrift lautet: "Dem Sänger und Helden Theodor Körner. Die Bewohner von Frankenberg/Sa. zur Erinnerung an den 26. August 1863." Dies war Körners 50. Todestag.


Gefertigt hat das Kreuz die Eisengießerei Kertzscher in Chemnitz. "Zuletzt wurde das Denkmal in den 1970er-Jahren saniert", erzählt Matthias Bergk. "Wir müssen es jetzt unbedingt vor dem Verfall retten." Schon fehlt eine Ecke vom Metall. "Der Sockel ist in einem kritischen Zustand", so Bergk. Die Oberfläche ist beschmiert und an vielen Stellen von Kerben angenagt. Um das Denkmal vor dem Verfall zu retten, ruft der Ortschaftsrat Altenhain zu Spenden für die Instandhaltung auf. Zudem bäckt die Bäckerei Meseg ein spezielles Harrasbrot. Ein Teil des Verkaufserlöses kommt dem Denkmal zugute. Auch Camillo Fischer treibt das Denkmal um: Erstmals zeigte der Puppenspieler am Sonntag vor der historischen Bühne der Holzoper Frankenberg den von ihm gebauten "springfähigen" Ritter Harras mit Pferd. Auch eine Harrasmarionette sensibilisiert für das Thema. Auf der Landesgartenschau ist ein verkleinerter Nachbau des Denkmals zu sehen, mit Verweis auf die Spendenaktion. "Wir wollen das Denkmal für die nächsten 50 Jahre fitmachen", sagt Matthias Bergk entschlossen.

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