Schon wieder knicken die Bäume um

Nach dem Schneebruch im Januar war es diesmal ein Sturm, der Feuerwehren und Straßenmeister auf Trab hielt. Erneut mussten am Montag Straßen und Wälder gesperrt werden.

Flöha.

"Eberhard" ließ Bäume brechen, deckte Häuser ab, war Unfallursache - und sorgte für unpassierbare Straßen. Mit starken Böen zog das Sturmtief am Sonntagabend über Sachsen, verschonte auch nicht die Orte im Altkreis Flöha.

Die Feuerwehren: Die Anzahl der Einsätze hatte Augustusburgs Stadtwehrleiter René Gläser nicht gezählt: "Ich habe heute Nacht nur vier Stunden geschlafen", sagte er am Montag. Schwer traf es das Gebiet zwischen Grünberg und Hohenfichte. Dort hatte der Sturm eine Schneise durch den Wald gegraben - unzählige Bäume waren umgefallen, entwurzelt oder umgeknickt. Am Abend war die Sperrscheibe in Grünberg wieder beseitigt.

"Ich musste unseren Einsatz in der Nacht abbrechen. Es stürzten immer wieder Bäume auf die Straße. Es krachte die ganze Zeit", schilderte René Gläser die teils lebensgefährliche Situation zuvor. Am Montag früh nahmen dann Bauhofmitarbeiter aus Augustusburg und die Straßenmeisterei die Schäden in Augenschein und begannen mit Aufräumarbeiten. In Flöha waren am Sonntagabend gegen 21.30 Uhr die ersten Einsatzmeldungen eingegangen. Die Freiwillige Feuerwehr Flöha bildete bis gegen 1 Uhr eine eigene Einsatzleitung und entlastete die Leitstelle in Chemnitz. Etwa 25Brandschützer waren im Einsatz. Schwerpunkte waren laut Stadtwehrleiter Matthias Richter das Lärchental und die Lessingstraße in Flöha sowie das Finkenmühlengebiet zwischen Flöha und Niederwiesa. Dort hatten Sturmböen ebenfalls eine Schneise geschlagen. Vor allem am Amselsteig und Drosselweg stürzten zahlreiche Bäume um. Noch am Sonntagabend musste die Feuerwehr die Sperrung der B 180 zwischen Altenhain und B 173 veranlassen. Erst am Montagnachmittag war die Bundesstraße wieder befahrbar.

Großen Schaden genommen hat beispielsweise die alte Linde vor der St. Petrikirche. Große Äste des Baumes, die durch den Sturm abgebrochen waren, beschädigten die Spitze des Kriegerdenkmals.

Die Bahn: Weil Äste und Bäume auf den Gleisen lagen oder in den Oberleitungen hingen, kam es im Bahnverkehr ab Sonntagabend zwischen Dresden und Chemnitz zu Störungen. Am Montagmorgen fielen Regionalzüge aus. Wie ein Mitarbeiter der Pressestelle der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) sagte, wurde ein Notverkehr mit Bussen eingerichtet, "was aber nicht so einfach ist, weil es bundesweit Sturmschäden gab".

"Alle verfügbaren Kräfte sind seit den Nachtstunden im Einsatz", hieß es von der Deutschen Bahn AG. Mangels Bussen wurden Fahrgäste am Montagmorgen sogar in Taxis von Dresden nach Freiberg oder Chemnitz gebracht - auf Kosten der Eisenbahn. Ab etwa 9.20 Uhr seien die Züge wieder normal verkehrt, es habe keine größeren Verspätungen mehr gegeben, sagte der MRB-Sprecher. Fahrgäste hingegen berichteten, ab Dresden Hauptbahnhof sei auch noch gegen 10Uhr kein Zug Richtung Freiberg und Chemnitz gefahren.

Die Straßenmeister: Die Mitarbeiter aller sechs Meistereien Mittelsachsens waren den gesamten Montag im Sturm-Einsatz. Mehrere Straßen, die gesperrt wurden, sollten im Laufe des Tages wieder freigegeben werden. So lautete die Auskunft von Dirk Schlimper vom Referat Straßenbetriebsdienst und Bauwerksverwaltung. Dazu zählte unter anderem die Bundesstraße 180 von Altenhain in Richtung Flöha. Kurzzeitige Sperrungen erfolgten beispielsweise auf der Strecke zwischen Eppendorf und Gahlenz. Geräumt worden war die B 173 in Oederan und Memmendorf.

Der Stromversorger: Im Flöhaer Finkenmühlengebiet kam es als Folge der Sturmschäden zu Stromausfällen, weil Bäume in die Freileitungen gefallen sind und die Leitungen abgeschaltet werden mussten, während die Bäume entfernt wurden. Etwa 30 Kunden waren nach Angaben von Evelyn Zaruba zeitweise betroffen. Die Monteure seien bereits am Montagvormittag vor Ort gewesen, so die Sprecherin der Mitteldeutschen Netzgesellschaft (Mitnetz) Strom. Insgesamt waren im Versorgungsgebiet des Envia-M-Netzbetreibers in der Nacht zum Montag rund 40.000 Kunden zeitgleich von Stromausfällen betroffen, weil umstürzende Bäume oder herabfallende Äste Stromleitungen herunter-und Strommasten umgerissen hatten. Betroffen waren im Landkreis Mittelsachsen vor allem Anwohner in Oberschöna, Großschirma, Berthelsdorf, Großvoigtsberg, Reichenbach, Kirchbach und Oederan. Am Montagvormittag waren noch 300 Haushalte ohne Strom, beispielsweise in Breitenau.

Der Stadtwald: Nicht mal eine Woche ist es her, da wurde die Sperrung des Oederaner Stadtwaldes aufgehoben. Nun darf er wieder nicht betreten werden. "Ersten Meldungen unserer Bauhofmitarbeiter zufolge, die das Ausmaß der Zerstörung wieder im selben Umfang wie beim Schneebruch", sagte Bürgermeister Steffen Schneider auf Anfrage der "Freien Presse". Weil die Gefahr bestand, dass Äste herabstürzen könnten, war das Gebiet Anfang Januar gesperrt worden.

Die Polizei: Zahlreiche Notrufe gingen seit Sonntagabend bei der Polizeidirektion Chemnitz ein, die in Verbindung mit dem Sturmtief standen. So war kurz vor 21 Uhr ein Baum auf die B 173 bei Niederwiesa gestürzt. Ein 21-Jähriger, unterwegs in Richtung Chemnitz, konnte dem fallenden Baum nicht mehr ausweichen. Es entstand Sachschaden in Höhe von etwa 10.000 Euro. Verletzt wurde niemand. (mit cdo, ar, cor)

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