Seit mehr als fünf Jahrzehnten am Ball

Wenn Niederwiesa eines Tages seine neue Turnhalle bekommt, wollen sie als erste dort spielen: die Handballsenioren.

Niederwiesa.

Über den Bau einer neuen Sporthalle wird in Niederwiesa schon lange geredet. Im Gemeinderat bildet die Idee die Grundlage für scheinbar endlose und nicht immer zielführende Diskussionen. Immerhin haben Planer ihre Ideen längst zu Papier gebracht, doch der Baustart scheint in weiter Ferne. Viele Fragen sind also noch offen. Doch schon jetzt hat sich eine Mannschaft gemeldet, die beim Eröffnungsspiel des Bauwerks dabei sein will.

"Männer, wenn die Halle aufmacht, machen wir das erste Spiel", sagt Dieter Schubert. Da er seine Aussage mit einem breiten Lächeln verbindet, scheint offen, wie ernst er seinen Plan meint. Immerhin hat er dieses Vorhaben seinen Kumpels unterbreitet, die allesamt gerade 70 geworden oder kurz davor sind. Seit rund 55 Jahren verbindet die Truppe der Handballsport.

Zu Beginn der 60er-Jahre begannen die Herren, in der Jugend der BSG Traktor Niederwiesa gemeinsam Handball zu spielen, gingen geschlossen in den Männerbereich und zogen sich auch die Trikots als Team über, als sie als Senioren an Turnieren teilnahmen. Heute verabreden sie sich nicht mehr zum Training, sondern treffen sich an jedem letzten Donnerstag im Monat in einer Niederwiesaer Gaststätte.

"Das machen wir seit nunmehr sieben Jahren. Die Resonanz auf unseren Treff ist immer sehr gut", sagt Dieter Kahle. Dabei kann die Truppe auf eine ordentliche sportliche Bilanz zurückblicken, auch wenn die Bedingungen alles andere als optimal waren. "Wir hatten keine Sporthalle, die über die erforderlichen Maße verfügte, und gingen nur einmal pro Woche zum Training. Die Heimspiele fanden in Oederan statt", erinnert sich Steffen Funke. Das hielt die damaligen "Traktoristen" aber nicht davon ab, 1962 die A- Jugend von Wismut Aue auf dem heimischen Hartplatz 12:8 zu schlagen und in der Oederaner Sporthalle 1963 Jugend-Vizebezirksmeister zu werden. "Nachdem wir uns während des Turniers vom späteren Meister Aue unentschieden getrennt hatten, verloren wir das Entscheidungsspiel nur knapp. Aue wurde später auch DDR-Meister", blickt Michael Künzel zurück.

Auch im Männerbereich machte das Team Nägel mit Köpfen und spielte einige Jahre in der Bezirksliga, damals die dritthöchste Spielklasse des Landes. "Dort trafen wir unter anderem auf Aue II, wo oft ehemalige Oberligaspieler zum Einsatz kamen", sagt Dieter Schubert. Zudem hießen die Gegner etwa Grubenlampe Zwickau oder Motor Fraureuth mit dem legendären Heinz Sesselmann, der 1959 als Torwart einer gesamtdeutschen Mannschaft in Österreich Weltmeister im Feldhandball wurde.

Die Niederwiesaer hielten nicht nur als Team zusammen, sondern hatten mit Manfred Sacher von der Jugend bis zu den Männern auch nur einen Trainer. "Wir waren mit Manfred als junge Kerle bestimmt nicht immer einer Meinung. Aber er hat uns zusammengehalten und immer wieder auf Kurs gebracht und viel organisiert", sagt Kahle.

Was aus heutiger Sicht keine große Sache ist, sorgte vor vielen Jahren für Festtagsstimmung unter den Handballern. Sacher organisierte verschiedene Trainingslager in Börnichen bei Zschopau oder in Oberwiesenthal. "Unser Trainer hat es damals sogar geschafft, den Koch aus der Texturseide Flöha nach Oberwiesenthal mitzunehmen. Der hatte wiederum durch Beziehungen viel frisches Obst mitgenommen, das es in den Trainingspausen gab. Das war in dieser Zeit schon eine kleine Sensation", sagt Elmar Aurich. Mangelwirtschaft und Ideenreichtum der Bürger machten auch um Niederwiesas Handballer keinen Bogen.

"Uns hat es an allem gefehlt, aber am Ende war alles da", bringt es Schubert auf den Punkt. Dieter Kahle arbeitete in einem Trikotagen-Betrieb und schaffte es, die Mannschaft jede Saison mit einem neuen Trikotsatz auszustatten. "Spielerisch waren wir in der Bezirksliga nie die Besten, dafür aber stets die am besten angezogene Mannschaft", sagt Kahle und lacht.

Dass die Sportfreundschaft so lange gehalten hat, sei auch den Ehefrauen der Handballer zu verdanken. "Sie haben uns stets für den Sport den Rücken freigehalten und Verständnis gezeigt. Sie treffen sich auch in einer Runde, wenn auch bei weitem nicht so oft wie wir", sagt Werner Schmidt. Zur jüngsten Zusammenkunft der Mannschaft herrschte einmal mehr gute Stimmung und Zuversicht. Doch bei aller Achtung vor der Gesundheit und Verfassung der reifen Herren sollten sich die Verantwortlichen des Sporthallenneubaus merken: Das Eröffnungsspiel will der Vize-Bezirksmeister von 1963 bestreiten.


Pläne für eine Sporthalle

Seit 2008 gibt es Bestrebungen, eine neue Sporthalle in Niederwiesa zu bauen. 2016 wurde im Dezember der Beschluss gefasst, eine Zweifeldersporthalle auf dem Hartplatz an der Schule zu errichten. Dieses Jahr im März erteilte der Kreis die Baugenehmigung. Im September erhielt die Gemeinde einen Zuwendungsbescheid der Sächsischen Aufbaubank über 1,4Millionen Euro. Im Oktober folgte die Ausschreibung der Planungen. Im Sommer ist laut Bürgermeisterin Ilona Meier mit dem ersten Spatenstich zu rechnen. Kostenpunkt nach Schätzungen: 3,6 Millionen Euro. (kbe)

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