Seniorenhaus lockt Pflegefachkräfte mit Gratis-Dienstwagen

Mit dem Mobilitätspaket will die Pflegeeinrichtung Fachkräfte gewinnen. Und für den Anbau zeichnet sich auch eine Lösung ab.

Augustusburg.

Der lange geplante Anbau für das Seniorenhaus in Augustusburg ist näher gerückt. Wie der Augustusburger Bürgermeister Dirk Neubauer zuletzt im Stadtrat sagte, gebe es für die formaljuristischen Probleme einen Lösungsansatz, der auf einer Beratung mit Vertretern von Landes- und Landkreisbehörden in Kürze abgesegnet werden könnte. Der Aufsichtsrat der gemeinnützigen Seniorenhaus-Betreibergesellschaft, einer hundertprozentigen Tochter der Stadt Augustusburg, wird sich nächste Woche über die Finanzierung des Vorhabens verständigen. Natürlich hat die Verzögerung - geplant war der Baubeginn bereits für das Frühjahr 2017 - zu einer erheblichen Kostensteigerung geführt. Welche Auswirkungen die höheren Baukosten auf die künftige Zuzahlung der Bewohner des Neubaus haben wird, darüber wollen die Aufsichtsräte sprechen.

Geplant ist ein Anbau mit 32 Plätzen, der in Richtung Eppendorfer Straße in den Park hineinragen soll. Das ursprüngliche Investitionsvolumen beträgt 2,6 Millionen Euro. Die Kostensteigerung bezifferte Bürgermeister Neubauer, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender ist, zuletzt mit zirka 30 Prozent.

Unterdessen geht das Seniorenhaus bei der Suche nach Fachkräften neue Wege: Pflege-Fachkräfte bekommen wahlweise 100 Euro Mobilitätszuschuss zu ihrem Gehalt oder einen fünftürigen VW Polo als Dienstwagen zur privaten Nutzung. Enthalten sind alle Kosten - für Kraftstoff, Versicherung oder Werkstatt. Drei Fahrzeuge hat Geschäftsführerin Ines Trinks bislang bestellt, die vierte Bestellung wird gerade vorbereitet. Etwa 20 Pflegefachkräfte beschäftigt die Seniorenhaus-Gesellschaft aktuell, insgesamt sind 55Mitarbeiter in der Pflege angestellt. "Der Wettbewerb um Pflegekräfte ist ziemlich intensiv. Wir befinden uns im ländlichen Raum und da spielt Mobilität eine große Rolle", begründet Bürgermeister Neubauer die Initiative. Geplant ist weiterhin eine Krippen-Außenstelle direkt neben dem Seniorenhaus, die sozusagen eine berufsbegleitende Kinderbetreuung ermöglicht. "Das ist noch Zukunftsmusik, wir prüfen gerade, ob und wie so etwas möglich ist", sagt Geschäftsführerin Ines Trinks. "Mit dem Mobilitätspaket und der nahen Kinderbetreuung helfen wir unseren Mitarbeitern bei der Bewältigung von zwei wichtigen alltäglichen Problemen", so die Geschäftsführerin weiter.

Das Seniorenhaus Augustusburg hat aktuell 72 Plätze in 36 Einzel- und 18 Doppelzimmern. Die Einrichtung ist komplett ausgebucht, die Warteliste sehr lang. Zum Aufsichtsrat gehören Matthias Moser, Dirk Neubauer, Bernd Wegert, Silke Kluge und Harald Uhlmann. Aktuell kostet ein Platz unabhängig vom Pflegegrad 1073, 52 Euro Zuzahlung.

Der Grundstein für das heutige Seniorenhaus wurde 1997 gelegt, zwei Jahre später konnten die ersten Bewohner einziehen. Zuvor befand sich an dieser Stelle bereits ein Pflegeheim, das für den Neubau komplett abgerissen wurde. Der Standort hat indes eine weitaus längere Geschichte: 1863 wurde hier ein Bezirksarmenhaus zur Betreuung bedürftiger Kinder und Erwachsener eröffnet. Von 1914 an war das Gebäude Bezirkskrankenanstalt, bis 1945 Lazarett und Geburtsklinik und ab 1946 Pflegeheim.

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