So ein Zirkus!

Bei einem Feriencamp in Flöha studieren Kinder nicht nur kleine Vorführungen ein. Sie üben sich auch im Zusammenhalt.

Flöha.

Konzentrierte Arbeit macht hungrig. Und deshalb saßen gestern Mittag 20 Mädchen und Jungen auf dem Gelände des Kanusportvereins (KSV) Flöha zusammen, um sich eine zünftige Mahlzeit mit Kartoffeln, Quark, Leberwurst und Leinöl schmecken zu lassen. Doch nach einer kurzen Verschnaufpause schnappten sich die Kinder nicht etwa Boote und Paddel, sondern vielmehr Keulen und Bälle, um in einem großen Zelt zu trainieren. Denn noch bis kommenden Mittwoch macht die Kindervereinigung "Verreiser" Chemnitz in Kooperation mit dem Zirkus- und Theaterverein "Pyrocatharsis" in Flöha-Plaue Station, um im Zirkuscamp mit den Schülern zu arbeiten.

Höhepunkt wird am kommenden Montag eine einstündige Vorstellung sein, zu der Zuschauer herzlich willkommen sind. Die Idee des Zirkuscamps ist nicht neu. In den vergangenen drei Jahren fand es stets an der Mecklenburger Seenplatte statt. Doch jetzt hat der Tross seine Zelte erstmals auf dem Grundstück das KSV aufgeschlagen.

Seit vergangenem Wochenende sind die Schüler damit beschäftigt, den Umgang mit Balancekugeln zu lernen, richtig zu jonglieren und akrobatische Elemente einzustudieren. Die jungen Mitwirkenden sind mit so viel Eifer dabei, dass sie solche bedeutungsvollen Bestandteile des zivilisierten Lebens wie Fernseher oder Computer offenbar nicht vermissen. Und die Meinung der Heranwachsenden zählt. "Wir geben in der täglichen Arbeit natürlich die Grundrichtung vor. Aber die Kinder können sich einbringen und Vorschläge machen, welche Nummern einstudiert werden sollen", sagt Claudia Palm.

Die Chemnitzerin ist freischaffende Artistin und während des Camps als Zirkuspädagogin tätig. Selbst bei der Aufstellung des Speiseplans wurde Demokratie großgeschrieben. Die Teilnehmer konnten zu Beginn des Camps ihre Wünsche äußern, welche Speisen auf den Tisch kommen sollten. Eine Köchin, die zum fünfköpfigen Betreuerteam gehört, sorgt dafür, dass die Teller tatsächlich nicht leer bleiben. Doch vor dem Essen steht die tägliche Arbeit. "Wir bieten verschiedene Workshops an, in denen wir mit den Kids arbeiten. Wir trainieren dabei verschiedene Zirkusdisziplinen", erklärt Barbara Schirmer vom Pädagogenteam. Die Mädchen und Jungen sollen dabei erkennen, dass jeder Einzelne gefragt ist. "Nur wenn alle Ideen einbringen und zusammenhalten, kann auch ein sehenswertes Programm einstudiert werden", sagt Claudia Palm. Und was die Ferienkinder gemeinsam mit ihren Betreuern einstudiert haben, wird am Montag ab 18 Uhr gezeigt. Der Clown legte sich gestern schon einmal zur Probe die rote Pappnase an. Und das Balancieren klappte auch schon sehr gut. Und am Abend trafen sich alle wieder unter freiem Himmel zum Essen. Denn Arbeit macht bekanntlich sehr hungrig.


Das Wasser reichen

Maximilian Hermann ist nicht nur mit viel Eifer bei den Zirkus-Workshops dabei. Der Zwölfjährige leistet auch einen wichtigen Beitrag dazu, dass das Leben im Camp funktioniert. Regelmäßig schnappt er sich einen Handwagen, belädt ihn mit Kanistern und holt damit Trinkwasser aus dem Sozialgebäude des Kanusportvereins. "Dass ich hier mit anpacken muss, ist kein Problem. Schließlich helfe ich auch sonst zu Hause mit und habe dort meine täglichen Aufgaben. Natürlich bin ich auch am Montag bei unserer Abschlussvorstellung dabei. Etwas aufgeregt bin ich deshalb aber schon", sagte der Chemnitzer. (kbe)


Auch mal Küchendienst

Laura Krug (l.) und Chelsea Weinbrecht waren schon im vergangenen Jahr dabei, als der Chemnitzer Verein ein entsprechendes Camp anbot. Gestern beschäftigten sich die beiden Mädchen unter anderem damit, Äpfel zu schneiden. "Das ist eine coole Sache. Man kann die Äpfel schälen und nebenbei mit der Freundin quatschen", sagte Laura. Jeden Tag gibt es verschiedene Arbeiten zu erledigen, damit das Essen pünktlich auf den Tisch kommt. "Am Montag geben wir unsere Abschlussvorstellung. Wir würden uns sehr freuen, wenn ein paar Zuschauer kommen würden", sagt Chelsea. (kbe)


Werbung muss sein

Liselotte Vollendorf hat in dieser Woche gemeinsam mit anderen Kindern wichtige Marketing-Aufgaben erledigt. Sie malte eins von mehreren Plakaten, auf denen zur Vorstellung am Montag eingeladen wird. "Beginn 18 Uhr - Eintritt frei", lautete die Kernbotschaft des Plakats. "Ich fühle mich wohl. Hier bekommen wir jeden Tag sehr viel beigebracht. Das gefällt mir", sagte Liselotte, die in ihrer Freizeit sonst gern schwimmen geht. Dass die Tage im Zirkuscamp voll ausgefüllt sind, stört sie nicht. "Wenn ich in die Schule gehe, muss ich ja auch immer zeitig aufstehen", meint die Schülerin. (kbe)

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