Sportler erklären, was sie bewegt

Zum zweiten Mal haben sich Kreissportbund, Vereine und die Politik zum Austausch getroffen. Zwei Probleme stachen dabei besonders hervor.

Frankenberg.

Viel Lob, viele Dialoge, aber auch einige Probleme: Der zweite Vereinsdialog des Kreissportbundes Mittelsachsen (KSB), bei dem Vertreter der Vereine mit Kreisräten und den Verantwortlichen des KSB zusammengekommen sind, hat gezeigt, wo den Ehrenamtlern der mittelsächsischen Sportvereine der Schuh drückt. "Niemand soll die Chance verpassen, Themen zu platzieren", sagte Volker Dietzmann, Präsident des KSB, in seiner Begrüßung. "Wir wollen hier ins Gespräch kommen, es soll aber keine Plauderrunde werden."

Über 100 Ehrenamtler von Vereinen aus allen Ecken des Landkreises folgten der Einladung des Kreissportbundes, ebenso Vertreter von sechs Kreistagsfraktionen. "Die Beteiligung am Dialog ist auch in der Politik sehr hoch", sagte KSB- Geschäftsführer Benjamin Kahlert. "Das zeigt die Wertschätzung, die der Arbeit der Vereine entgegengebracht wird." Und so lobte auch Landrat Matthias Damm (CDU) die Veranstaltung. "Den Dialog muss man unterstützen und weiterführen. Das ist unheimlich wichtig, um nicht im eigenen Trott zu versinken", so der Mittweidaer. "Die Sportlandschaft in Mittelsachsen ist gut aufgestellt, allerdings gibt es auch Verbesserungsbedarf."

Wo genau Verbesserungen notwendig sind, konnten die Teilnehmer an vier verschiedenen Tischen erläutern. Dabei wurde eines schnell klar, so Damm: "Die Problemlagen sind unterschiedlich und vielfältig, je nach Sportart und Verein." Doch zwei Punkte beschäftigten fast alle Vereine, wie Uwe Breslein von der HSG Freiberg betonte. "Die Wertigkeit des Ehrenamtes in unserer Gesellschaft ist einfach zu gering. Die Vereine haben eine soziale Verantwortung und leisten ihren Beitrag zum Gemeinwohl, das wird leider oftmals verkannt", so Breslein. Vor allem die Bürokratie, die ein Ehrenamt mit sich bringt, wurde kritisiert. Es falle vielen Vereinen schwer, Nachwuchs für Funktionsposten zu finden, so Tommy Haeder vom SV Fortschritt Lunzenau. "Wenn man in seiner Freizeit dann auch noch mit Unmengen an Papierkram beschäftigt ist, ist das kein Argument für ein Engagement", sagte der Lunzenauer.

Auch dass Sachsen eines der wenigen Bundesländer sei, in denen der Arbeitgeber keinen Bildungsurlaub gewähren muss, wurde bemängelt. Zudem müsse die Lebensrealität mehr Berücksichtigung finden, so die Forderung. "Ehrenamtler gehen ganz normal arbeiten. Da kann man nicht einfach mal so am frühen Nachmittag irgendwohinfahren, um Anträge abzugeben", so Haeder.

Auch bei den Förderanträgen selbst wurde Verbesserungsbedarf deutlich. "Warum muss man für eine Förderung dreimal exakt denselben Antrag abgeben?", fragte Lutz Herrmann von der SG Vorwärts Frankenberg und kritisierte den zeitlichen und materiellen Aufwand, da Förderungen sowohl vom KSB, als auch vom Landessportbund und der Sächsischen Aufbaubank bearbeitet werden. Eine mögliche Lösung brachte Matthias Damm ins Spiel: "Sinnvoll wäre ein einziger Antrag mit allen Daten, von dem sich die einzelnen Stellen ihren Anteil einfach ausrechnen." Auch ein Koordinator sei eine Möglichkeit, so Benjamin Kahlert. Zudem wurde die teils lange Bearbeitungszeit und Auszahlungsdauer kritisiert. "Wir wollen das Netzwerk noch enger stricken, damit dieses Problem zur Zufriedenheit aller gelöst werden kann", sagte Kahlert. Damm selbst schlug noch eine andere Lösung vor: "Ich bin ein Freund von Pauschalierung. Die Vereine selbst wissen doch am besten, was sie mit dem Geld anstellen können."

Doch auch andere Themen kamen zur Sprache, sei es die Digitalisierung von Sportanlagen oder die Unterstützung der Vereine bei bürokratischen Fragen. "Es ist das eingetreten, was wir uns erhofft hatten", sagte Benjamin Kahlert nach der Schlussrede. Genau wie Matthias Damm lobte er die "konstruktive und gute Atmosphäre der Gespräche", bei der auch kritische Stimmen ihren Platz gefunden hätten.

Die Aufgabe des KSB sei nun, die Anregungen mitzunehmen und Lösungen zu finden, so der Geschäftsführer. "Schließlich sind wir der Dienstleister der Vereine."

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