Spukgeschichte wird verfilmt

1809 soll Christian Ernst Wunnerlich den Zolleintreiber Hesse erschossen haben. Ein Ereignis mit Folgen, vor allem für die Seele des vermeintlichen Mörders. 1998 sorgte die Legende erneut für Aufsehen und brachte jetzt sogar ein Fernsehteam ins Erzgebirge.

Schlettau/München.

Will man anfangen zu erzählen, warum im Schloss Schlettau in dieser Woche ein Filmteam von Odeon-Entertainment aus München da war, um für die Fernsehsendung "Haunted - Seelen ohne Frieden" zu drehen, hat man gleich mehrere Möglichkeiten -1809, 1998, 2018. Die mittlere Jahreszahl ist für den Dreh die entscheidende, also fangen wir damit an:

Es ist Sommer, und das Schlettauer Schloss ist soeben aus dem Jahrzehnte währenden Dornröschenschlaf erwacht. Mit einer Mitternachtsschlossführung sollen Besucher auf das historische Gebäude aufmerksam gemacht werden. Und zu einer Führung in der Nacht gehört natürlich auch ein Gespenst. Diesen Part übernahm in jener Sommernacht Sven Ziller.

Um die Besucher auch ordentlich erschrecken zu können, versteckte er sich bei völliger Dunkelheit im Rittersaal. "So ein Gebäude fängt bei Dunkelheit an zu leben", sagt der 47-Jährige. Und da passiert es ... Der Geist von Christian Ernst Wunnerlich macht auf sich aufmerksam. Als eine Art Medium nutzte er eine Puppe im Rittersaal, die ihn selbst in Mönchsrobe darstellt. Diese Puppe ist nicht irgendeine neumodische Interpretation der Saga um einen Mord - dazu gleich mehr. Vielmehr soll sie bereits seit dem 19. Jahrhundert an die mysteriöse Geschichte im Jahr 1809 erinnern.

Die Ursprungsgeschichte reicht nämlich genau in jenes Jahr zurück. Am 8. November kehrte der Acciseeinnehmer - also so eine Art Zoll- beziehungsweise Steuereintreiber - von seinem Kontrollgang durch die Stadt nicht mehr zurück. Später fand man ihn auf dem Schlossgelände - tot, erschossen. Sein Mörder soll der damalige Schlossherr, Christian Ernst Wunnerlich, gewesen sein. Denn dieser hatte es Schlettauern und anderen erlaubt, durch ein Loch in der Mauer, an der Zollabgabe vorbeizukommen.

Zur Rechenschaft wurde der vermeintliche Mörder aber nie gezogen. "Im Schlettauer Schloss gab es angeblich undurchdringliche Schlupfwinkel und Geheimgänge, die jederzeit eine Flucht möglich machten", berichtet der aktuelle Schlossherr Conny Göckeritz. Auf jeden Fall blieb Wunnerlich verschwunden. Unter dem Namen Christian Wendler taucht Wunnerlich später in Österreich wieder auf, wo er im Jahr 1836 stirbt. "Es geht seither die Legende um, dass Wunnerlich als Strafe für den ungesühnten Mord im Mönchsgewand in Vollmondnächten im Schloss umgehen muss", so Göckeritz. Und eben jener Geist scheint es nun gewesen zu sein, der Sven Ziller 1998 im Rittersaal erschien. Und genau diese Begebenheit ist es, die nun das "Haunted - Seelen ohne Frieden"-Team ins erzgebirgische Schlettau lockte.

Die Crew rund um Regisseur Kirim Schiller, der seit der 1. Staffel von "Haunted" für die Umsetzung der Gruselgeschichten zuständig ist, drehte zwei Tage - vor allem in den Nachtstunden - im und um das Schloss. "Es ist immer etwas Besonderes, wenn wir an Originalschauplätzen drehen", sagt Schiller. Die Sendung beschreibt er als eine Mischung zwischen Dokumentation und Unterhaltung. "Nach der ersten Staffel dachten wir, uns würden schnell die Geschichten ausgehen." Doch je mehr Folgen gezeigt wurden, die Begebenheiten sollen sich alle genauso zugetragen haben, meldeten sich immer mehr Leute, die von ihren Begegnungen mit Geistern und Co berichteten. Die Geschichte aus Schlettau wird Teil der 4. Staffel sein, die beim Fernsehsender TLC ausgestrahlt wird. Moderiert wird die Sendung von Sky du Mont. Bei den Dreharbeiten in dieser Woche war der bekannte Schauspieler noch nicht dabei. Doch vielleicht kommt das noch. Wie Conny Göckeritz erklärt, habe man sich auch dafür beworben.

Im Dezember wird die Folge ausgestrahlt. Neben den Darstellern der Hauptfiguren werden auch einige Erzgebirger zu sehen sein. Sie waren als Komparsen für eine Szene im Rittersaal dabei. Denn nach der Geisterbegegnung hört die Geschichte rund um das Schlettauer Schlossgespenst nicht auf. Fast wie in Hollywood darf das Happy End nicht fehlen. Kurz nachdem Sven Ziller der Geist von Wunnerlich erschienen war, heiratete er als erster in dem historischen Saal. "Für mich war das eher ein gutes Omen", sagt Ziller. Ein Ja-Wort unter den wachsamen Augen einer Geisterpuppe.

Öffnungszeiten von Schloss Schlettau: Von Dienstag bis Freitag sowie am Wochenende und an Feiertagen ist das Schloss von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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