Statt Pilze und Beeren: Ein Wald voll Müll

Die Mädchen und Jungen der Kita "Entdeckerland" beschäftigen sich mit dem Naturschutz und stellen verblüffende Fragen.

Schellenberg.

Vielleicht müssen ja doch die Kinder die Welt retten. Die Mädchen und Jungen in der Kindertagesstätte "Entdeckerland" in Schellenberg haben damit schon einmal angefangen. An zwei Vormittagen sind die Kinder in den angrenzenden Wald ausgeschwärmt, haben Müll eingesammelt und waren danach stolz und erschrocken. Erschrocken über Plasteabfall, Kanister, halbvolle Farbeimer, Dosen, Schuhe und Autoräder, über zwei Bollerwagen voller Müll, den Menschen im Wald abgekippt haben und der sich zu einem großen Haufen vor der Kita an der Schellenberger Waldstraße türmte.

Kita-Leiterin Susan Ranfeld war ebenso erschrocken und fragte sich zunächst, wie man den Müll wieder loswerden könne. Der Entsorgungsbetrieb des Landkreises EKM holte den Abfall am Dienstagfrüh ab und ließ für die fleißigen Müllsammler sogar noch kleine Geschenke da.


Solche Entsorgungsaufträge kommen nicht so häufig vor, sagt EKM-Geschäftsführer Jens Irmer. "Wir gehen eher in die Einrichtungen und informieren über Mülltrennung oder Müllvermeidung." Grundsätzlich ist die Entsorgung illegal abgeladenen Mülls eine Aufgabe des Landkreises, der im Vorjahr rund 22.000 Euro aufgewendet hat, um unter anderem 35 Tonnen Sperrmüll, ein Autowrack und 350 Reifen und Räder zu entsorgen.

Die Müllsammelaktion der elf Vorschulkinder in Schellenberg, an der sich auch andere Kinder der Einrichtung beteiligten, war keine Idee der Erzieherinnen. Im "Entdeckerland" überlegen sich die Vorschulkinder alljährlich selbst ein Projekt. Diesmal sollte es um Weltall, Planeten und um die Erde gehen, und schnell waren die Kinder beim Thema Umweltschutz gelandet - bei der Frage also, wie die Welt gerettet werden kann, sagt Annett Krumbiegel.

Für die Erzieherin war es faszinierend zu beobachten, wie sich die Kinder am Thema Umwelt- und Naturschutz festgebissen haben. "Es ist beeindruckend, mit welcher Energie die Kinder das verfolgen, wie sie das nicht mehr loslässt", sagt Annett Krumbiegel. Bei der ersten Sammelrunde in dem etwa Fußballfeld großem Waldstück neben der Kita entdeckten die Kinder auch ein Autorad, das sie aber auf Anraten der Erzieherin liegenließen. "Als wir zurück waren, ging es immer wieder um das Autorad und was wir nun damit machen", sagt Annett Krumbiegel. Also holten es die Kinder bei der nächsten Tour und fanden sogar noch ein zweites.

Von den Eltern gab es viele positive Reaktionen auf das Projekt und die Aktion. Auch wenn manche Eltern jetzt plötzlich in Erklärungsnot geraten, wenn die Sprösslinge für den Weg zur Kita nicht mehr ins Auto einsteigen wollen. Für Kita-Leiterin Susan Ranfeld sind die Denkanstöße der Kinder selbst eine Offenbarung. "Das geht weit über das Müllsammeln hinaus", sagt sie. Beim Einkaufen habe ihr Sohn diese Woche gefragt, warum der Papa denn wieder die kleinen Joghurtbecher aus Plaste gekauft habe. "Da müssen wir wohl nochmal reden", sagt die Diplom-Sozialpädagogin, die selbst drei Kinder hat. "Wir sind gespannt, was aus diesem Projekt noch wächst", sagt Ranfeld.

Nach dem Müllsammeln haben sich die Kinder mit der Frage beschäftigt, wie man den Müll vermeiden kann. Diese Woche waren sie mit den Erzieherinnen im Netto-Markt in Augustusburg einkaufen. Das Motto hieß: Verpackungsmüll weglassen. "Wir haben gemerkt, wie schwierig das ist", sagt Annett Krumbiegel. Und sie erzählt, wie die Gruppe an der Jahnkampfbahn in Augustusburg vorbei kam, die gerade umgebaut wird und für das Aufbringen des Kunstrasens vorbereitet ist. Ein Kind fragte, wo denn das Gras hin ist, das früher auf dem Sportplatz wuchs. Als sie hörte, dass an Stelle von Gras jetzt Kunstrasen verlegt wird, fragte das Mädchen: "Und was sagen die Bienen dazu?"


Kommentar: Aktiv für die Umwelt

Mein Sohn ist zweieinhalb Jahre alt, und er fragt mich derzeit morgens auf dem Weg in den Kindergarten bei jedem Stück Papier oder Plaste am Wegrand, was das denn ist, wer das dorthin geworfen hat und stellt dann fest: "Dasdarf man aber nicht." Ich freue mich jedes mal und bestärke ihn in dieser Ansicht. Ich bin mir sicher, dass Umweltbewusstsein Erziehungssache ist. Ich habe das selbst so erfahren und deshalb landet Müll bei mir immer in der Tonne. Klar, kann man für den Klimaschutz oder die Rettung der Wale demonstrieren. Aber Kinder, die den Wald von Müll befreien, sind für mich die größten Umweltaktivisten.

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