Steigerlied 2.0

Julien Göthel aus Freiberg schreibt Gedichte - über die Liebe, über religiöse Themen und über den Bergbau. Ein neues Werk stellt der 23-Jährige jetzt den Lesern der "Freien Presse" vor.

Freiberg.

Werkstoffwissenschaftler und Poet: Der 23-jährige Freiberger Julien Göthel hat schon drei Gedichtbände veröffentlicht. Jetzt stellt er den Lesern der "Freien Presse" ein neues poetisches Werk vor. Es heißt "Bergmannsspuren" und beginnt mit den Worten "Mein Grubentief, mein dunkler Schacht!" (siehe unten stehender Kasten). Fast könnte es der Text für ein neues Steigerlied sein.

Im Interview erzählt der junge Dichter, dass ihm die Idee für das Gedicht bei einem Fachschaftsabend der Fakultät 3 der TU Bergakademie Freiberg gekommen ist. "Da ging es um den Bergbau und die damit verbundenen gelebten Traditionen", sagt Julien Göthel, der derzeit Diplomand am Helmholtz-Institut in Freiberg ist und als selbstständiger Makler arbeitet.

Natürlich ist der gebürtige Freiberger auch schon in die Reiche Zeche eingefahren. Die "Bergmannsspuren"-Zeilen fielen ihm aber nicht unter Tage, sondern beim Spaziergang durch die historische Altstadt und beim Nachdenken auf der "Alten Elisabeth" ein. "Für den Fall, dass ich von der Muse geküsst werde, habe ich immer Zettel und Stift dabei", sagt Julien Göthel und lächelt verschmitzt. "Und notfalls tippe ich die Verse einfach ins Handy."

Rund 200 Gedichte hat der junge Mann schon geschrieben, auch über die Vielfalt der Liebe, über die Natur und über religiöse Themen. Mit Gedichten könne er gut seine Eindrücke und Gefühle ausdrücken, sagt er. Wenn er eines seiner Gedichte lese, sei ihm das jeweilige Erlebnis wieder vollkommen gegenwärtig.

Übrigens ist sein erstes Gedicht 2014 entstanden. Damals erhielt er als Pennäler des Freiberger Schollgymnasiums die Hausaufgabe, ein Gedicht oder eine Geschichte zu schreiben und dazu ein Bild zu entwickeln. "Da habe ich gemerkt, dass es mir Spaß macht, meine Gedanken in Versen auszudrücken." Als nächstes folgten Liebesgedichte für seine erste Freundin. Derzeit arbeitet der junge Mann an seinem vierten Gedichtband "Der Tanz der Wälder".

Zum ersten Mal trug Julien Göthel sein Gedicht übrigens im Januar zum Poetry Slam im Audimax der Bergakademie vor. Doch schon als "Schollianer" präsentierte er mit Erfolg beim Science-Slam wissenschaftliche Themen - gespickt mit humoristischen Elementen. "Humor ist oft ein guter Zugang zu ab-strakten Themen", sagt Julien Göthel. Diese Erkenntnis habe ihm oder besser seinen Schülern auch schon bei seiner nebenberuflichen Tätigkeit als Nachhilfelehrer geholfen.


Bergmannsspuren

Mein Grubentief, mein dunkler Schacht!

Wirst Jahr für Jahr vorangebracht,

ob Sonn', ob Mond, ob Sternennacht - ich halte meine Bergmannswacht! Mein Kerzenlicht erhellt den Schlund. Komm tue mir dein Silber kund!

Das spitze Eisen fährt hernieder,

ins Herzgestein, treff' immer wieder! Tiefer grabe ich jeden Gang

aus meiner Jugend Tatendrang,

leg Kohle, Salz und Erze frei,

was birgt der Berg schaff' ich herbei!

Lang nach mir wird noch gesungen, wie der Hammer ward geschwungen, wie der Bergmann edler Tracht

die Arbeit tat im dunklen Schacht. Vom Berge her kommt unser Leben, wie wir lieben, uns erheben,

wird stets beherbergt von Gefahr, auch als alles ohne Berge war?

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