Stille Heilige Nacht

Vielerorts wird die Kirche statt für gemeinsame Gottesdienste für das stille Gebet geöffnet. Wo Veranstaltungen stattfinden, sind die Plätze begrenzt. Lieder und Krippenspiele erfordern Kreativität.

Freiberg/Flöha.

Die Weihnachtsgottesdienste stellen für viele Menschen eine lieb gewonnene Tradition dar. So, wie man ihn vielleicht schon seit der Kindheit kennt, wird der Kirchenbesuch in diesem Jahr nicht sein. Die Sicherheitsvorkehrungen, die es zu beachten gilt, erfordern Kreativität und ständiges Umdenken von Pfarrern und Gemeinden.

Der Abstand zwischen Personen, die nicht zum eigenen Hausstand gehören, muss zwei Meter betragen. "Die Besucherzahl ist dadurch sehr stark begrenzt. Dies ist vor allem zu den Christvespern am Heiligen Abend zu beachten", sagt der Eppendorfer Pfarrer Tom Seidel. Um daran teilnehmen zu können, sei deshalb vorher eine kostenlose Eintrittskarte unter www.kirche-eppendorf.de zu bestellen. "Für alle, die persönlich keine Kirche besuchen wollen oder können soll ab dem 24. Dezember ein kurzes Video mit Musik, Krippenspiel und Andacht auf unserer Internetseite veröffentlicht werden", so Seidel weiter.

Schweren Herzens, betont Superintendentin Hiltrud Anacker, haben die Freiberger Kirchengemeinde Petri-Johannis und die Gemeinde am Freiberger Dom bekannt gegeben, dass die geplanten Freiluftgottesdienste auf dem Untermarkt Heiligabend nicht stattfinden. Auch auf die beliebte Orgelvesper im Dom zu später Stunde muss die Gemeinde in diesem Jahr verzichten. "Gerade am Heiligen Abend hätten wir in schwierigen Zeiten gern die Menschen durch die Weihnachtsbotschaft ermutigt, aber wir können unsere Verantwortung gegenüber ihnen nicht anders wahrnehmen", erklärt Anacker.

Die Gemeinden stellen nun stattdessen Filmaufnahmen einer Andacht und eines Krippenspiels auf den Youtube-Kanal des Doms. Gemeindemitglieder, die Zugang zum Internet haben, können sich so - vorbildlich kontaktbeschränkt - die Kirche ins Wohnzimmer holen. Der Link dazu werde sich ab Donnerstagvormittag auf den Internetseiten des Doms und der Kirchgemeinde Petri-Johannis finden, so Anacker.

Das Krippenspiel, sonst eine schöne Weihnachtstradition, erscheint in der Pandemie bedrohlich - Kinder aus verschiedenen Familien, die laut sprechen, dicht gedrängt für Proben und Aufführungen? Aktuell haben sogar Schulen und Kindergärten geschlossen, um genau das zu verhindern.

Um an Heiligabend trotzdem ein Krippenspiel sehen zu können, hat die Gemeinde in Brand-Erbisdorf alle Register gezogen. Zum einen habe man die Darstellenden auf die wirklich allernötigsten Rollen reduziert, erklärt Pfarrer Ehrenfried Krüger. Nur drei Kinder werden nun die Weihnachtsgeschichte präsentieren, alle aus demselben Haushalt. Wenn alle Stricke reißen - etwa falls eines der Kinder krank wird - soll die Gemeinde trotzdem in den Genuss eines Krippenspiels 2020 kommen. Denn zur Sicherheit, erzählt Krüger, ist bei einer Probe eine Aufnahme gemacht worden. Die könnte in der Kirche gezeigt werden.

Die größte Herausforderung für die Gemeinden ist aber, dass viel weniger Menschen als sonst in die Kirche dürfen - wo doch gerade an Heiligabend besonders viele an einem Gottesdienst teilnehmen wollen. Viele Kirchen öffnen im Verlaufe des Heiligabends, sodass Gemeindemitglieder beten oder eine Kerze entzünden können. Durch die Kirchen der Domgemeinde wird das Friedenslicht von Bethlehem wandern, kündigt Anacker an. Wer eine Laterne mitbringt, könne sich so das Friedenslicht nach Hause holen.

Wo an Heiligabend Veranstaltungen stattfinden, wird der Besuch in vielen Gemeinden nur mit Voranmeldung möglich sein. So soll verhindert werden, dass Gläubige vor verschlossener Tür stehen. Dies ist aber ein bürokratischer Aufwand, den nicht jede Gemeinde bewältigen kann, erklärt Maria-Theresia Kaiser, Pfarrerin der Gemeinde Oberschöna-Langhennersdorf. Sie könne nur hoffen, dass allen in ihrer Gemeinde klar ist, dass die Anzahl der Plätze begrenzt ist und irgendwann die Türen geschlossen werden müssen. "Es ist mir sehr wichtig, die Kirche für die zu öffnen, für die das Wort der Hoffnung und die Gemeinschaft auf Distanz existenziell sind, um wieder Kraft zu schöpfen", sagt Kaiser. Damit besonders einsame Menschen die Gelegenheit haben, Heiligabend in die Kirche zu gehen, hofft sie, dass andere bereit sind, stattdessen eine Andacht im Internet oder Fernsehen zu verfolgen oder mit der Familie gemeinsam Weihnachtsgeschichten zu lesen.

Denn in den Kirchen wird sie tatsächlich stiller, die Heilige Nacht in diesem Jahr. Da auf das Singen mit der Gemeinde wegen Corona verzichtet werden muss, wird vielerorts wohl die Orgel allein spielen. Pfarrer Krüger überlegt, ob man Gesang vom Band einspielen könnte. Ansonsten soll möglichst mitgelesen werden.


Eine Auswahl offener Kirchenangebote in der Region Flöha (Angaben unter Vorbehalt)

Ev.-luth. Kirchen

Augustusburg: Do 14 Uhr Gottesdienst im Seniorenhaus, 15 + 17 Uhr Christvesper in der Stadtkirche, 22 Uhr Orgelmusik zur Christnacht mit Pascal Kaufmann (nur mit Anmeldung), Fr 10 Uhr gemeinsamer Gottesdienst, So 17 Uhr musikalischer Abendgottesdienst;

Börnichen: Do 16 + 17.30 Uhr Christvesper mit Krippenspiel, Fr 10 Uhr Gottesdienst, So 10 Uhr Gottesdienst;

Borstendorf: Do 15-18 Uhr offene

Kirche, Fr 10 Uhr Familiengottesdienst;

Eppendorf: Do 15 + 17 Uhr Christvesper (nur mit Anmeldung), Sa 10 Uhr Gottesdienst, Fr-So 14-16 Uhr offene

Kirche;

Erdmannsdorf: Do 15 + 17 Uhr Christvesper, Sa 10 Uhr Festgottesdienst;

Falkenau: Do 14-18 Uhr offene

Kirche, Fr 9.30 Uhr Weihnachtsgottesdienst, Sa 9.30 Uhr Weihnachtsgottesdienst;

Flöha-Georgen: Do 14-18 Uhr offene Kirche, Fr 6 Uhr Christmette, Sa 10.15 Uhr gemeinsamer Weihnachtsgottesdienst;

Flöha-Plaue: Do 14-18 Uhr offene Kirche, So 8.45 Uhr Gottesdienst;

Frankenstein: Do 15-18 Uhr offene Kirche;

Gahlenz: Do 14.30 + 16.30 Uhr Christvesper (nur mit Anmeldung), Fr 9 Uhr Gottesdienst, Fr-So 14-16 Uhr offene Kirche;

Großwaltersdorf: Do 15 + 17 Uhr Christvesper (nur mit Anmeldung),

So 10 Uhr Gottesdienst, Fr-Do 14-16 Uhr offene Kirche;

Grünhainichen: Do 14.30 Uhr Christvesper mit Krippenspiel, 16 Uhr Christvesper mit Meditation, (nur mit (Teilnehmerkarte: erhältlich am 21.12. von 16-18 Uhr und 22.12. von 9-12 Uhr im Kirchgemeindehaus, Kirchstraße 4), Offene Kirche bis 20 Uhr, Sa 10 Uhr Festgottesdienst;

Hohenfichte: Do 15 + 17 Uhr

Christvesper Sa 10 Uhr Festgottesdienst;

Kirchbach: Do 15-17 Uhr offene

Kirche, So 10 Uhr Gottesdienst;

Kleinhartmannsdorf: Do 15 + 17 Uhr Christvesper (nur mit Anmeldung),

Fr 10 Uhr Gottesdienst, Fr-So 14-16 Uhr offene Kirche;

Leubsdorf: Do 14.30 Uhr + 15.30 Uhr + 16.30 Uhr Kurzchristvesper(nur mit Anmeldung am Wohnort), So 10 Uhr Abendmahls-Gottesdienst;

Niederwiesa: Do 14-18 Uhr offene Kirche, Fr 10.15 Uhr Weihnachtsgottesdienst, So 10.15 Uhr Gottesdienst;

Oederan: 19-21 Uhr offene Kirche

Fr 10 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl, Sa 10 Uhr Gottesdienst;

Schellenberg: Do 14 + 15.30 + 17 Uhr Kurzchristvesper (nur mit Anmeldung am Wohnort), Sa 9.30 Uhr

Gottesdienst;

Waldkirchen: Do 16 + 17.30 Uhr Christvesper mit Krippenspiel,

Sa 10 Uhr Gottesdienst;

Ev.-methodistische Kirchen:

Flöha: Do 16 Uhr Christvesper im Freien (Holzhof Flöha, Waldstraße 9);

Kath. Kirchen

Augustusburg : Do 17 Uhr Christnacht (nur mit Anmeldung),

Sa 9 Uhr Weihnachtsgottesdienst;

Eppendorf: Fr 10 Uhr Weihnachtsgottesdienst;

Flöha: Do 14.30 Uhr Weihnachten für Kinder, 22 Uhr Christnacht (nur mit Anmeldung), Sa 10.30 Uhr

Weihnachtsgottesdienst,

So 10.30 Uhr Gottesdienst;

Oederan: Do 17 Uhr Christnacht (nur mit Anmeldung),

So 9 Uhr Gottesdienst. (laca)

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.