Tag des Handwerks: Ran an die Nudel und das Spinnrad

Etwa 100 Einrichtungen öffneten ihre Werkstätten zum Tag des traditionellen Handwerks. Trotz Corona-Regeln wagten sieben Neulinge den Start.

Oederan/Memmendorf.

Traditionell am dritten Sonntag im Oktober haben zahlreiche Werkstätten ihre Tore geöffnet, um Einblicke in ihre Gewerke zu geben. Die 21. Auflage fand unter coronabedingten Hygieneverordnungen statt. Die Gastgeber waren gewappnet, stellten Desinfektionsmittel bereit, achteten auf Abstandsregeln und Mund-Nasenschutz. Nach Veranstalterinformationen hatten sich 100 Firmen, Gewerke und Museen zwischen Annaberg und Seiffen angemeldet, darunter sieben Neulinge.

"Rand an die Nudel" hieß die Devise für Helena Kästner und Mutter Jaqueline im Webmuseum Oederan. Die Kleinschirmaerinnen interessierten sich für die alte Drucktechnik. Und so machte sich die Achtjährige daran, Schmuckkarten mit einem Gruß zu fertigen. "Erstaunlich, wie schwer die Tätigkeit früher war, welche Arbeitsgänge erforderlich sind, um ein Druckerzeugnis herzustellen", so die Schülerin. "Und Nudel heißt die große schwere Rolle, mit der das Papier auf die in einer Halterung gesetzten und mit Druckerschwärze bestrichenen Lettern gedrückt wird", hatte sie gelernt. Christine Schulze arbeitete einst im Druckhaus Chemnitz, bemüht sich heute, die nachrückende Generation für die Leistungen der Vorgänger zu interessieren. "Dabei höre ich leider viel zu oft, das ist doch nur altes Zeug. Unsere Aufgabe ist es, die jungen Leute viel mehr für die geschaffenen Dinge der Vorgänger zu sensibilisieren. Gerade unsere schwere frühere Drucktechnik hat mit den technologischen Weg bereitet, dass es heute kinderleicht ist, den heimischen Drucker zu bedienen."

In Memmendorf rückten die Brand-Erbisdorfer Regina und Jens Kuttig das Verspinnen von Alpaka-Wolle in den Blickpunkt. Im zum Gasthof "Stern" gehörenden Alpaka-Hof weckten die Inhaber einer eigenen Zucht das Interesse für die artgerechte Haltung der südamerikanischen Vierbeiner. "Wir zeigen, wie die von den Tieren gewonnene Wolle weiterverarbeitet wird und welch hervorragende Qualitätsmerkmale dieses Produkt mitbringt", so die gelernte Schäferin. Sie legt Wert auf regionale Kreisläufe und Tierwohl. "Seit 2004 züchten wir, zudem geben wir unsere Erfahrungen landesweit an andere weiter." Selbst Seife wissen die Fachleute aus der Wolle der Fellträger herzustellen.

Neben Holzkunsthandwerk, textilen Techniken wie Klöppeln, Sticken, Spinnen, Weben waren weitere seltene Gewerke zu erleben. Dazu zählten Strumpfherstellung, Senfproduktion und das Restaurieren alter Polstermöbel. Selbst das Papierschöpfen und Baumkuchenschaubacken standen auf dem Programm.

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