Telefon 112: Sogar für die Kuh auf dem Dach

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Tag des Notrufs: Der Leiter der Regionalleitstelle in Chemnitz über Herausforderungen und Falschmeldungen

Flöha/Chemnitz.

Mit einem symbolischen Aktionstag wird am heutigen 11. Februar an den Europäischen Tag des Notrufs 112 erinnert. Der Kreisfeuerwehrverband Mittelsachsen klärt zum Beispiel auf seiner Internetseite die Öffentlichkeit über diese spezielle Nummer auf. "Freie Presse" sprach mit Sven Reuter, dem auch für den Landkreis Mittelsachsen zuständigen Leiter der Integrierten Regionalleitstelle in Chemnitz (IRLS), über die drei Zahlen, die Leben retten können.

"Freie Presse": Wie groß ist das Team der Mitarbeiter und für welches Gebiet ist die IRLS zuständig?

Sven Reuter: Das Team der Integrierten Regionalleitstelle Chemnitz-Erzgebirge-Mittelsachsen besteht aktuell aus 81 operativen Mitarbeitern, zu denen Disponenten und Lagedienstführer zählen. Zudem sind weitere 14 Mitarbeiter in administrativen Bereichen, wie etwa IT-Systemadministration und Datenpflege beschäftigt. Zuständig sind wir für Chemnitz mit 246.334, den Landkreis Mittelsachsen mit 304.099 und den Erzgebirgskreis mit 334.948 Einwohnern.

Wie oft täglich wird die Notrufnummer in ihrer Leitstelle gewählt?

Im Durchschnitt gehen etwa 411 direkte Notrufe innerhalb von 24 Stunden ein. Davon erreichen uns im Durchschnitt etwa 119 Anrufe aus dem Gebiet der kreisfreien Stadt Chemnitz, 121 Anrufe aus dem Landkreis Erzgebirge und 111 Anrufe aus dem Landkreis Mittelsachsen. Weitere 61 Notrufe erhalten wir über eine weitere, dem Notruf 112 gleichgestellte Rufnummer von beispielsweise dem Führungs- und Lagezentrum der Polizei oder anderen Leitstellen. Über die Notrufnummer 112 kommen neben Sprachanrufen auch Notruf-Faxe zum Beispiel von sprach- und hörbeeinträchtigten Hilfesuchenden an.

Gehen neben der 112 weitere Notrufe, wie etwa 116-117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst ein?

Die Rufnummer 116-117 wird nicht von der IRLS bearbeitet. Allerdings erhalten wir auch von den Kollegen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes regelmäßig Fälle. Wenn nach Rücksprache mit deren Leitstelle eine rettungsdienstliche Versorgung benötigt wird, leiten die Mitarbeiter der IRLS diese in die Wege. Wir erhalten auch über die Krankentransport-Rufnummer 19222 etwa 269 Anrufe pro Tag. Davon stellen sich im Gesprächsverlauf immer auch einige Anrufe als Notrufe heraus, die daraufhin entsprechend behandelt werden. Darüber hinaus nehmen wir weitere 120 Telefonate pro Tag beispielsweise von Brandmeldeanlagen, Nachfragen zu Krankentransporten und Feuerwehr und allgemeine Anfragen entgegen. Eine besondere Form des Alarms sind die Meldungen mittels Übertragungsanlage von Brandmeldern. Täglich werden im Durchschnitt 58 solcher Signale übermittelt. In jüngster Zeit erreichen uns auch automatisierte Notrufe durch eCall, das automatisierte Notrufsystem von Kraftfahrzeugen.

Welche sind die häufigsten Fälle, in denen um Hilfe gebeten wird?

94 Prozent der Anrufer melden sich bei uns aufgrund von akuten gesundheitlichen Problemen.

Gibt es auch Anrufe, über die sich die Notfallhelfer ärgern, etwa bewusste Falschmeldungen? Und gibt es auch kuriose Fälle?

Bewusste Falschmeldungen stellen uns vor besondere Herausforderungen. Dazu zählen Bagatellverletzungen, aber auch bewusste Übertreibungen von Krankheitsbildern. Wir bekommen aber auch schöne Anrufe. Zum Beispiel wenn ein Disponent die Geburt eines Kindes am Telefon begleitet, bis der Rettungsdienst eintrifft. Besonders kurios war ein Notruf, in dem geschildert wurde, dass sich eine Kuh auf dem Dach befindet. Nach anfänglicher Skepsis wurden die Einsatzkräfte der Feuerwehr alarmiert und fanden vor Ort tatsächlich eine Kuh auf dem Dach eines landwirtschaftlichen Betriebes vor, der an einem Hang gebaut ist.

Gibt es "Daueranrufer", die sich wegen jedem "Wehwehchen" melden?

Wir nehmen grundsätzlich jeden Notruf sehr ernst, dass heißt, ob es ein "Wehwehchen" ist, stellt sich immer erst im Nachhinein durch das Rettungsdienstpersonal vor Ort heraus.

Wie facettenreich ist die Einsatztätigkeit der Leitstellenmitarbeiter? Da geht es doch sicher nicht nur um den einfachen Krankentransport?

Die Mitarbeiter in der IRLS bearbeiten die Bereiche Notfallrettung, Krankentransport, Feuerwehr und Katastrophenschutz. In jedem der Teilbereiche kommt es zu besonderen Herausforderungen, zum Beispiel durch Großbrände, Starkregen, Sturmereignisse, großes Schneeaufkommen mit umgestürzten Bäumen, Blitzeis mit Verkehrsunfällen, aber auch Großveranstaltungen und neuen Technologien. Eine ebenso fordernde Situation stellt für uns die aktuelle Corona-Pandemielage dar.

Mit welchen Vereinen und Hilfsorganisationen arbeiten Sie zusammen?

Wir arbeiten regelmäßig mit dem Arbeiter-Samariter-Bund, dem Deutschen Roten Kreuz, der Johanniter-Unfallhilfe, dem Malteser Hilfsdienst, den Rettungstransporthubschraubern von ADAC und DRF, Bergwachten, Wasserwachten, Grubenwehren, freiwilligen Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, Kriseninterventionsteams und vielen weiteren Organisationen zusammen. hy

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