Tod einer 88-Jährigen gibt weiter Rätsel auf

Der Unfall, bei dem die Seniorin in Oederan ums Leben kam, konnte nicht rekonstruiert werden. Dennoch hat das Gericht den Lkw-Fahrer verurteilt.

Oederan.

Es bleiben Fragen offen. Der Unfall, bei dem am 24. Januar 2018, einem Mittwochnachmittag, in Oederan eine 88-jährige Frau starb, sei nicht rekonstruierbar. Niemand wisse, von wo die Fußgängerin gekommen und wie sie unter den Sattelzug geraten sei. Das hat ein Sachverständiger der Dekra zur Gerichtsverhandlung am Freiberger Amtsgericht nun erklärt, bei der sich der Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung verantworten musste. Der 62-Jährige wurde vom Gericht schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je 56 Euro - also 1400 Euro - verurteilt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Wenn in Oederan etwas heftig diskutiert wird, dann ist es die Verkehrssicherheit entlang der B 173. Besonders die Kreuzung B 173/Gerichtsstraße, die als Unfallschwerpunkt gilt, sorgt immer wieder für Zündstoff. Der Bereich ist schlecht einsehbar. Die Einmündung liegt an einer Kurve in einer Senke. Das war offenbar auch der Seniorin, die noch an der Unfallstelle starb, zum Verhängnis geworden. Erst vor gut einem Monat war ein Rollerfahrer an eben dieser Stelle schwer verletzt worden. Ein von der Gerichtsstraße kommender Pkw hatte ihn auf der Hauptstraße gerammt.

Die Kreuzung ist gefährlicher als andere: Um den Unfallschwerpunkt zu entschärfen, verhandelt die Stadt seit Jahren mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Der Stadtrat hatte jüngst für den Bau eines Kreisverkehrs votiert. Wann genau dieser kommt, ist offen. Oederans Bürgermeister Steffen Schneider hofft auf das kommende Jahr.

Auch der Lkw-Fahrer war mit seinem Sattelzug von der Gerichtsstraße nach rechts auf die Bundesstraße gefahren. Warum er beim Abbiegen die Seniorin überfuhr, könne er sich nicht erklären. Das sagte der Angeklagte vor dem Amtsgericht. Es tue ihm außerordentlich leid, doch einer Schuld sei er sich nicht bewusst. In der Verhandlung hatte das Gericht mehrere Zeugen gehört: alles Kraftfahrer, die sich zum Zeitpunkt des Unfalls in der Nähe aufhielten. Keiner von ihnen hatte jedoch gesehen, was genau passiert war. Die Frau war vorher niemandem aufgefallen. Erst als der Sattelzug schon auf der Bundesstraße war, hätten sie die Seniorin, dazu deren Gehhilfen und eine Einkaufstasche auf der Straße liegen sehen. Laut Gutachten des Gerichtsmediziners habe sie keine Überlebenschance gehabt. Zu schwer seien ihre Verletzungen gewesen.

Staatsanwältin und Verteidiger sahen ein schuldhaftes Verhalten des Angeklagten nicht als erwiesen an. Sie hatten deshalb für dessen Freispruch plädiert. Das Gericht folgte dem nicht und hielt eine geringe Strafe für erforderlich: Ein Mitverschulden der 88-Jährigen sei zwar nicht auszuschließen; der Lkw-Fahrer hätte sie aber sehen können und entsprechend reagieren müssen, hieß es in der Urteilsbegründung. (mit jher)

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