Totschlagsprozess: Elf Jahre Haft gefordert

Die Beweisaufnahme ist abgeschlossen: In seinem Plädoyer wählte gestern der Staatsanwalt deutliche Worte. Eine mit Spannung erwartete Zeugenaussage entpuppte sich derweil als wenig ergiebig.

Breitenau/Chemnitz.

Im Prozess am Chemnitzer Landgericht gegen einen 32-Jährigen aus dem Raum Flöha hat die Staatsanwaltschaft gestern gefordert, ihn wegen Totschlags zu elf Jahren Haft zu verurteilen. Nach Abschluss der Beweisaufnahme sei es erwiesen, dass der Angeklagte am 3. April 2017 seinen Bekannten aus Chemnitz auf einem Feld bei Breitenau mit einem Kleinwagen absichtlich angefahren und überrollt habe. Mildernde Umstände sehe er keine, so der zuständige Staatsanwalt. Das Strafgesetzbuch sieht bei Totschlag mindestens fünf Jahre Freiheitsentzug vor.

Die Begründung stützte sich dabei auf Indizien - so wurde etwa nur die DNA von zwei männlichen Personen im Tatfahrzeug festgestellt, die des Angeklagten und die des Opfers - sowie den Zeugenaussagen, etwa zu den illegalen Geschäften des Angeklagten, der 2014 mehrfach unter anderem wegen Diebstahls- und Betrugsdelikten verurteilt worden war. "Sie sind ein Hochstapler vor dem Herrn", sprach der Staatsanwalt den Verdächtigen direkt an, der dem Plädoyer ruhig zuhörte.

Der Rechtsanwalt der Witwe des Getöteten, die als Nebenklägerin am Verfahren teilnahm, schloss sich dem Strafantrag an. "Was er getan hat, hatte katastrophale Folgen für die Familie", erinnerte er. Ein Befangenheitsantrag gegen die drei Richterinnen, den die Verteidiger am 10. August gestellt hatten, wurde derweil abgelehnt.

Die Vernehmung der letzten Zeugin brachte indes wenig Neues zu Tage. Die 57-Jährige wohnt zeitweise in Breitenau und fährt auf ihrem Arbeitsweg am Tatort vorbei, so auch am Morgen des 4. April 2017, als die Leiche entdeckt worden war. "Ich dachte zuerst, da liegt eine ausgestopfte Puppe", sagte sie. Der Lkw-Fahrer, der bereits als Zeuge ausgesagt hatte, sei bereits vor Ort gewesen, die Polizei gerade eingetroffen. Deshalb habe sie ihre Fahrt fortgesetzt. "Ich wollte nicht gaffen", ergänzte sie.

Diese Zeugin war auf Antrag der Verteidiger geladen worden. Über die Familie des Angeklagten hatten sie gehört, dass die 57-Jährige angeblich zuerst am Tatort gewesen sei, dort ein Moped und ein weiteres Handy gesehen habe. Nichts davon konnte sie bestätigen. Eine offenbar gemeinsame Bekannte hatte sie mehrfach über ihre Beobachtungen ausgefragt. "Das kam mir suspekt vor." Die Plädoyers des zweiten Nebenklägers - der Vater des Opfers - sowie der Verteidigung sollen am 29. August gehalten werden. Auch die Urteilsverkündung ist für diesen Tag angesetzt.

Sämtliche Beiträge zum Prozess finden Sie in einem Special auf der Homepage der "Freien Presse".

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floeha/mordprozess-breitenau

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