Unterwegs mit der Nicht-Autolobby

WAHLEN 2019: Die vierte Etappe der Wahlwanderung führt in die Region Flöha. Dort scheint es viele Wanderbegeisterte zu geben. Wer viel zu Fuß unterwegs ist, sieht auch, wo Wege ausgebessert werden müssen. Nur wer kümmert sich?

Flöha/Breitenau/Oederan.

Ich gebe es zu - ich habe abgekürzt. Zur Halbzeit meiner Wahlwanderung durch Mittelsachsen bin ich morgens mit dem Zug statt nach Braunsdorf direkt nach Flöha gefahren. Meine Füße haben mir nach 55 Kilometern deutlich zu verstehen gegeben: Wenn ich bis Sonntag Neuhausen erreichen will, muss ich sie schonen. Menschen, die meine Wan- derleidenschaft teilen, habe ich dafür in dieser Region besonders viele getroffen.

Schon am Dienstag hat mich Susie Benz aus Hennersdorf von Mittweida bis Braunsdorf begleitet - einfach aus Lust am Wandern. Gestern ist dann der Wanderlatsch-Verein Schellenberg bis zum Hetzdorfer Viadukt mitgelaufen, wo wir zufällig auf die Flöhaer Wanderfreunde gestoßen sind. Was viele Aktive sagen: Als Fußgänger und auch Radfahrer fühlen sie sich mitunter vergessen. Dabei ist Laufen und Radfahren auf dem Land nicht nur ein Hobby. "Man darf nicht immer nur an die Autolobby denken", sagt Wanderfreundin Hiltrud Blasig aus Flöha. Laufen halte die Menschen fit, und Wege, die Orte verbinden, seien wichtig, nicht nur für Kinder.


So nutzen Uwe Friedrich aus Frankenberg und Jörg Weißbach aus Lichtenwalde den Zschopautalweg auch für Besuche. Der offizielle Radweg führt aber über die B169 und den Kirschberg - er ist gefährlich und für Familien ungeeignet, sagt Weißbach. Der Weg am Zschopauufer indes wird bei Regen schlammig und ist wegen eines Felssturzes vor 19 Jahren auf halbem Weg gesperrt, was mit Treppen umgangen werden kann. "Der Weg müsste nur instand gesetzt werden", sagt der 67-Jährige. Doch weder Frankenberg noch Niederwiesa, die je für 1,25 Kilometer zuständig wären, wollen oder können dafür Geld ausgeben. Dass es eine kommunale Angelegenheit ist, stört Weißbach, aber beim Sachsengespräch mit Landesvertretern wurde ihm vermittelt: Ohne zehn Prozent Eigenanteil geht es nicht. Auch Simone Berthold, Vorsitzende des Wanderlatsch-Vereins, fragt sich, ob eine extra Institution für die Ausbesserung von Wegen gegründet werden könnte. Dass die Bauhöfe das nicht schaffen, versteht sie. "Statt Geld in die Digitalisierung der Wege zu stecken, wäre es dort besser angelegt", sagt sie.

Ein weiteres Thema, das viele Wanderfreunde ansprechen: dass so viele Gaststätten geschlossen sind. Am Flöhatalweg hätten mittlerweile alle zu, die Höllmühle in Leubsdorf nur an einzelnen Tagen auf. Dass es funktionieren kann, zeigt Benz' Beispiel aus dem Zschopautal: Sie hat sich auf die Ausrichtung von Feiern spezialisiert, aber wenn Wandergruppen vorher anrufen, kann sie ihnen ein Mittagessen in der Alten Spinnerei in Hennersdorf servieren, so die Köchin.

"Vielleicht könnten die Gemeinden Leute finanziell unterstützen, die ein Geschäft öffnen", sagt Andreas Sieber, denn diese seien auch als Treffpunkt wichtig. Oder man mache es wie der Dorfladen in Falkenau, verlangt einen Mitgliedsbeitrag und beteiligt die Mitglieder am Gewinn. Dort, in Falkenau treffe ich Antje Herbrich. Ihre einzige Sorge: ob das Freibad erhalten werden kann. "Wir sind gut angebunden mit Bus und Bahn", sagt sie.

Die Anbindung am Abend wiederum fehlt in Augustusburg: Wer dann zum Bahnhof oder zurück will, sei aufs Taxi angewiesen, schildert Einwohnerin Regina Holeczek, Mitglied im Wanderlatsch-Verein. Dafür sei ständig etwas los, viele Bürger seien sehr engagiert. Der Bürgermeister wisse, wie er etwas bewegen kann. "Es müssen mehr junge Leute mit modernen Ideen ran", so die 67-Jährige.

Kontakt Sie erreichen Laura Kaiser unter Telefon 0151 14817299. Die Tour können Sie im Internet unter www.facebook.com/stockundstein2 verfolgen.

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