Verschmierte Blitzer: Verdächtige schweigt

Auf frischer Tat hat die Polizei eine 20-Jährige erwischt. Ob sie für die gesamte Serie verantwortlich ist, steht noch nicht fest. Doch das Rathaus prüft bereits Schadensersatzforderungen.

Chemnitz.

Die seit Wochen anhaltende Serie von Farbattacken auf Tempo- und Rotlicht-Überwachungsanlagen im Chemnitzer Stadtgebiet steht möglicherweise vor der Aufklärung. Polizeibeamte haben in der Nacht zu Donnerstag eine junge Frau auf frischer Tat ertappt, als sie gerade den Blitzer an der Kreuzung Zwickauer/Barbarossastraße mit weißer Farbe besprühte. Es gibt Hinweise darauf, dass die 20 Jahre alte Deutsche für mehrere weitere Taten dieser Art verantwortlich sein könnte.

Seit Anfang April waren im Stadtgebiet immer wieder Blitzeranlagen über Nacht außer Gefecht gesetzt worden. Ob vergleichsweise altmodischer Starenkasten oder Superblitzer der neuesten Generation - jedes Mal waren die Geräte über Nacht an den entscheidenden Stellen mit Farbe versehen worden. In der Regel aufgesprüht, aber in sehr verschiedenen Farben. Das Spektrum reicht vom dezenten Weiß über ein knalliges Pink bis zum kräftigen Türkiston.

Die Polizei geht von insgesamt 18 Straftaten aus, die der Serie zuzurechnen sind. Allein in der Nacht zu Donnerstag traf es noch einmal drei Anlagen - neben dem Blitzer an der Zwickauer Straße auch noch die Anlagen an der Neefe- und der Clausstraße, letztgenannte in Gelbgrün.

Gegen 3.45 Uhr schließlich fiel laut einer Polizeisprecherin Beamten in einem Zivilfahrzeug eine junge Frau auf, die mit einem Fahrrad unterwegs war. Nachdem sie mehrfach zu Fuß im Umfeld des Blitzers an der Zwickauer Straße hin und her gelaufen sei, habe sie schließlich die Anlage mit weißer Farbe besprüht. Als sie sich davon machen wollte, stellten sie die Beamten an der Goethestraße. Die kurz zuvor genutzte Farbspraydose hatte sie noch dabei, auch ein Beutel mit weiteren Spraydosen verschiedener Farben fand sich. "Augenscheinlich handelt es sich dabei um eben solche Farbtöne, mit denen in den zurückliegenden Fällen Messanlagen beschmiert wurden", heißt es.

Was die junge Frau, die zuvor bei der Polizei noch nicht aktenkundig geworden war, zu den Taten getrieben hat, ist noch unklar. In einer ersten Befragung habe sie sich nicht zu den Vorwürfen geäußert, so die Ermittler. "Die Motivlage ist offen", sagte eine Sprecherin. Hinweise auf mögliche Mittäter gebe es bislang nicht. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft sei die 20-jährige Chemnitzerin nach Abschluss erster polizeilicher Maßnahmen aus dem Polizeirevier entlassen worden. Gründe, sie länger in Gewahrsam zu nehmen oder gar Untersuchungshaft zu beantragen, gebe es nicht. Die Ermittlungen werden wegen "gemeinschädlicher Sachbeschädigung" geführt. Das Strafgesetzbuch sieht dafür Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder aber Geldstrafen vor.

Unterdessen prüft das Rathaus, das die Blitzer betreibt und über sie Jahr für Jahr mehrer Millionen Euro einnimmt, Schadensersatzansprüche geltend zu machen. "Wir behalten uns rechtliche Schritte vor", sagte ein Sprecher. Die Kosten der Reinigung würden pro Anlage mit rund 150 Euro angesetzt. Gegebenenfalls kämen noch weitere Kosten für den Austausch von Scheiben an den Geräten hinzu. "Die gesamte Schadenshöhe wird noch ermittelt."

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