"Viele Pflanzen stammen aus meinem Garten"

Wildfremde Menschen ansprechen und fragen, was sie da tun, das gehört sich eigentlich nicht. Die "Freie Presse" macht es trotzdem. Heute: Waltraud Göpfert, Wanderwegewart in der Gemeinde Eppendorf an einer Wildblumenwiese.

Was machen Sie denn da?

Waltraud Göpfert: Ich gehe regelmäßig in diesen kleinen Kräutergarten, der am Liederweg und Naturlehrpfad in Eppendorf liegt und bringe dort alles in Ordnung. Hier wachsen viele Wildblumen, Kräuter und Obstgehölze. Momentan beschrifte ich kleine Schieferplatten mit den Namen der Kräuter. Ich betrachte es nicht als Arbeit sondern als Freizeitbeschäftigung. Diese Wiese wird gerne von Urlaubern besucht, die eine Wanderung durch den Gerstberger Wald machen. Auf Gehwegplatten kann man den Garten erkunden. Auf mehreren Bänken können sich die Besucher ausruhen und die Blütenpracht genießen.


Warum machen Sie das?

Ich erinnere mich, dass dieses Stück Erde zu DDR-Zeiten als Wiese diente, auf der auch die Schlüsselblume blühte. Nach der Wende lag diese Wiese brach und überall wucherten Brennnesseln. Keiner hat sich mehr gekümmert. 2012 haben wir angefangen, diesen viertel Hektar wieder in Ordnung zu bringen. Mein Mann hat sich um die Brennnesseln gekümmert. Thomas Blaschke hat mit Pferd und Flug den Boden beackert und anschließend geeggt. Nachdem wir die Wurzeln im Frühjahr 2013 ausgegraben hatten, habe ich angefangen, Wildobstbäumchen, Kräuter und Blumen zu pflanzen und auch auszusäen.

Woher stammen die Pflanzen?

Viele aus meinem eigenen Garten. Anwohner und Nachbarn, die von meinem Vorhaben gehört haben, brachten ebenfalls verschiedene Pflanzen vorbei. Im Moment blüht es überall im Garten. Der Muskatellersalbei leuchtet lila, der rote Mohn blüht zum ersten Mal. Der Garten ist voll mit Schmetterlingen und Insekten, für die es ein Insektenhotel gibt. Wir haben viele alte Kräuter hier stehen. Eine besondere Pflanze ist beispielsweise die Wilde Karde oder Weberkarde, deren stacheligen Blütenköpfe früher von Webern zum Aufrauen der Wolle genutzt wurde.

Nutzen auch junge Menschen diesen Garten?

Kindergartenkinder waren schon zu Besuch. Wir haben frischen Pfefferminztee aus verschiedenen Minzsorten zubereitet. Schüler der Oberschule waren hier und haben Wasserproben entnommen und diese auf pH-Wert und Nitratgehalt untersucht. Man könnte Unterrichtsfächer wie Biologie, Chemie, Musik, Sach- oder Erdkunde mit einem Spaziergang über den Liederweg und den Kräutergarten verbinden. Für die Zukunft könnte ich mir Projekttage vorstellen.

Wo genau findet man die Wiese?

Der Kräutergarten mit Wildblumenwiese ist über den Liederweg in Eppendorf erreichbar. Von der alten Schule aus sind es etwa 1,2 Kilometer Gehweg bis zum Garten.

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