Voith-Belegschaft kämpft um ihre Zukunft

Die geplante Schließung des Standortes Zschopau sorgt für Protest. Bei einer Kundgebung fielen jetzt deutliche Worte.

Zschopau/Chemnitz.

Rund 130 Beschäftigte von Voith Turbo, Vertreter von Gewerkschaften sowie Politiker haben am Samstag ein starkes Zeichen gegen die geplante Schließung des Zschopauer Produktionsstandortes gesetzt. Sie forderten die Geschäftsführung des Technologiekonzerns auf, die Entscheidung zu überdenken. Der Standort im MZ-Altwerk sei profitabel, die Mitarbeiter seien sehr motiviert, so Betriebsratsvorsitzender Mario Schubert. Er könne in keiner Weise nachvollziehen, dass die Produktion bis Ende 2020 verlagert werden soll.

85 Festangestellte müssen derzeit um ihre Arbeit bangen. Hinzu kommen 23 Leiharbeiter. Unter den Angestellten: Melanie Neubert (39). Sie kam mit ihrem Mann, der ebenfalls im Unternehmen tätig ist, und ihrer Tochter Lilly zur Versammlung ins Chemnitzer Gewerkschaftshaus der IG Metall und zur anschließenden Kundgebung am Produktionsstandort. "Keine Standortschließung! Meine Mama und alle anderen sollen ihren Job behalten!", hatte die Elfjährige auf das Protestschild geschrieben. Es werde nicht einfach, eine neue Beschäftigung zu finden, bei der es so familiär zugehe, so Melanie Neubert. In Zschopau sei der Zusammenhalt sehr gut. Tom Pötzschner (24), im Unternehmen zuständig für den Warenausgang, sieht das ähnlich. "Ich habe meine Zukunft hier bei Voith gesehen." Nun sei ungewiss, wie es weitergeht.

Mario Schubert sagt: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren." Er wolle keinesfalls aufgeben und fordert: Die Geschäftsführung müsse exakte Zahlen zum Standort Zschopau vorlegen. Dass es einen langen Atem braucht, weiß der Chemnitzer IG-Metall-Chef Mario John. Der Beschluss müsse zurückgenommen werden, forderte er. Unterstützung gibt es von der Politik. So nahmen der Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß sowie der Landtagsabgeordnete Jörg Markert (beide CDU) teil. Auch Vertreter der SPD und der Linken beteiligten sich. "Wir geben die Hoffnung nicht auf", sagte Zschopaus Oberbürgermeister Arne Siegmund (parteilos). "Für die Stadt wäre der Wegfall ein großer Verlust. Nicht nur weil Voith ein Wirtschaftsfaktor ist, sondern auch weil viele Familien betroffen wären."

Voith hatte im Oktober das Aus verkündet. Künftig solle es größere, leistungsstärkere Standorte geben, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, begründet der Konzern den Umbau der Antriebstechnik-Sparte. Nicht nur Zschopau ist betroffen. Rund 230 der insgesamt 5600 Arbeitsplätze sollen gestrichen, weitere 370 verlagert werden. (hd/mik)

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