Vom Bike-Marathon zum Wangenabstrich

Im Start- und Zielbereich des Wettkampfes in Seiffen fiel am Samstag ein orangefarbenes Zelt auf. Dort ging es um einen Kampf, bei dem viel mehr auf dem Spiel steht.

So einfach funktioniert ein Wangenabstrich für die Typisierung. Michael Wald aus Halle startete beim Erzgebirgs-Bike-Marathon und beteiligte sich an der Typisierungsaktion.
Foto: Dirk Trautmann
Foto: Dirk Trautmann

Von Sven Wagner

Am Rande des Erzgebirgs-Bike-Marathon sind am Sonnabend 73 Sportler und Besucher einem Aufruf gefolgt, der zugunsten von Christina Wolfgruber aus dem Gornauer Ortsteil Dittmannsdorf gestartet wurde. Die 34-Jährige ist Mutter eines einjährigen Mädchens und hat vor wenigen Wochen die Diagnose Blutkrebs erhalten. Seitdem wird sie im Chemnitzer Küchwald-Klinikum mit einer Chemotherapie behandelt. Die junge Frau benötigt dringend eine Stammzellenspende. Dafür muss ein passender Spender gefunden werden.

Ihre Familie hat sich für eine rasche Typisierungsaktion in der Region eingesetzt und wird vom Verein "Erzgebirge gegen Blutkrebs" unterstützt. Der hat die Veranstaltung in Seiffen im Namen von Christina Wolfgruber initiiert - in der Hoffnung auf eine rege Beteiligung, um so vielleicht einen Spender für die Dittmannsdorferin, aber auch für andere Patienten zu finden.

Im Start- und Zielbereich des Bike-Marathons fiel ein orangefarbenes Zelt auf. Vier Vereinsmitglieder sowie Bekannte und Verwandte von Christina Wolfgruber sprachen dort Menschen an, schilderten den Fall und überzeugten sie, an der Typisierung teilzunehmen. Mit dabei war Christina Wolfgrubers Vater, Matthias Wolfgruber. "Ich würde ja selbst spenden, bin aber leider zu alt dafür", sagte er. In der weltweiten Datenbank seien schon zwei potenzielle Spender gefunden worden, die für seine Tochter infrage kämen. Beide würden aber in den USA wohnen. "Einer ist schon abgesprungen, von dem anderen haben wir noch nichts gehört. Darum wäre es ein großer Glücksfall, wenn in Seiffen ein Treffer gelandet werden könnte", so der Dittmannsdorfer.

Der Verein "Erzgebirge gegen Blutkrebs" wurde vor drei Jahren gegründet und organisiert seitdem regelmäßig Typisierungsaktionen, erklärt Vorsitzende Jana Lorenz: "Wir fragen an, ob wir bei Großveranstaltungen einen Stand aufbauen können. Manchmal kommen auch Veranstalter auf uns zu." Zu Hochzeiten hat der Verein 46 Aktionen in einem Jahr gestartet. Die Resonanz sei unterschiedlich: Mitunter kamen in einem Jahr rund 5000 Menschen; bei mancher Einzelaktion seien es sehr wenige, aber es habe auch schon ein einziges Wochenende gegeben, an dem 3000 Leute da waren. In Seiffen beim Erzgebirgs-Bike-Marathon war der Verein schon vergangenes Jahr zu Gast. Für den Initiator des Marathons, Albrecht Dietze, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die Aktivisten dabei sein können: "Das ist Ehrensache."

Der Verein arbeitet ehrenamtlich. Bei den Typisierungsaktionen kooperiert er mit der Stefan-Morsch- Stiftung im rheinland-pfälzischen Birkenfeld. Diese stellt Material für die Wangenabstriche zur Verfügung und nimmt diese anschließend entgegen. Die Morsch-Stiftung ist eine von 26 Datenbanken in Deutschland, die die Typisierungsinformationen sammeln und die Daten an das Zentrale Knochenmarksspenderregister Deutschland (ZKRD) in Ulm weitergeben.

Zwei von 73

Claudia Kluge hat beim Erzgebirgs-Bike-Marathon als Betreuerin viel zu tun. "Meine Kinder gehen an den Start, und ich kann hoffentlich nicht nur ihnen helfen", sagt die Olbernhauerin. Während der zehnjährige Niels und die achtjährige Anouk auf ihren Mountainbikes schwitzen, lässt Mutter Claudia den Wangenabstrich vornehmen. "Ich möchte helfen. Es ist mir bekannt, dass eine Stammzellenspende mehr ist, als ein Wangenabstrich. Aber ich möchte im Falle eines Falles auch Hilfe bekommen. Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich bei meinen Kindern sein darf und hoffe, dass Christina die entscheidende Hilfe bekommt."

Jan Rudolph und seine Frau Christin wohnen in Seiffen und haben eigentlich alle Hände voll zu tun. "Wir bauen gerade unser Haus, sind aber extra wegen der Typisierung hergekommen", erzählt Jan Rudolph. "Man darf nicht nur an sich selbst denken. Wenn wir anderen Menschen damit helfen können, machen wir das gern", sagte der 30-Jährige. Jan und Christin Rudolph sind Eltern von zwei Töchtern. "Wir waren sofort bereit, uns typisieren zu lassen. Dazu gehört für uns aber auch, bei einem Treffer keinen Rückzieher zu machen und auch wirklich Stammzellen zu spenden", bekräftigte der Familienvater. (dit)

0Kommentare Kommentar schreiben