Von der Spinnerei zum Seminargebäude

Ein Denkmal - da denken viele an Kirchen oder Schlösser. Nicht immer, denn auch Wohnhäuser können das sein. In Hennersdorf gibt es eins mit langer Geschichte.

Hennersdorf.

Fotos sortieren, die Chronik des Hauses herrichten und die Schautafeln für die Besucher aufbauen. Jürgen Benz hat alle Hände mit den Vorbereitungen für den Tag des offenen Denkmals am Sonntag zu tun. Denn die Besucher sollen sich ein genaues Bild über die Veränderungen der ehemaligen Baumwollspinnerei in Hennersdorf machen können.

Als Jürgen Benz Anfang der Neunziger von der Schwäbischen Alb ins Zschopautal kam, glich das heutige Wohnhaus neben der Tischlerei Roßkopf und Partner einer Ruine, mehr war vom ehemaligen VEB Kleinmöbel nach der Wende nicht übrig geblieben. Aber so sollte der Zustand nicht bleiben, der Plan des umfangreichen Umbaus stand schon, als die Firma die Immobilien an der Bahnhofstraße von der Treuhand kaufte. Allein nutzen sie diese heute aber nicht.

"Für die Tischlerei war das Gelände viel zu groß. Da der Chef aber Kontakte zur Jesus-Bruderschaft Gnadenthal hatte, bot die an, mit einzusteigen. Wir gründeten die Werk- und Studiengemeinschaft und wollten auch Seminarräume im Haus schaffen", erinnert sich Benz, der Werkstattchef bei Roßkopf und Partner.

Da das Gebäude schon seit März 1977 ein Denkmal ist, konnten über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) Fördergelder für den Umbau beantragt werden. "Wir haben damals von der Stiftung 300.000 DM bekommen. Damit konnten wir das Dach sanieren", erzählt er. Dieses Vorhaben war aber an genaue Vorgaben gebunden: "Dachdeckung mit Naturschiefer in altdeutscher Deckung. Fallrohre und Dachrinnen müssen aus Kupfer sein. Fenster- und Türgewände müssen saniert und fehlender Sandstein gegebenenfalls ergänzt werden", ist in den Unterlagen zum Umbau zu lesen.

1994 begannen die umfangreichen Arbeiten am gesamten Gebäude, die gut anderthalb Jahre dauerten. Dafür flossen auch andere Gelder. "Sicher hat es noch weitere Förderungen gegeben und der Chef von Roßkopf und Partner hat selbst investiert. Allerdings lässt sich das aus den alten Unterlagen nicht mehr genau klären", fügt Benz hinzu. Am Umbau des Gebäudes des ehemaligen sozialistischen Betriebs waren auch hiesige Unternehmen wie die Drechslerei Jens Bergelt, die Zimmerei Arnold und Meinhold oder das Baugeschäft Mathias Walter beteiligt. Am 1. Oktober 1995 wurde die große Eröffnung der Alten Spinnerei gefeiert. Mittlerweile waren auch drei Mitglieder der Bruderschaft nach Hennersdorf gezogen.

Neben dem großen Seminarraum im Erdgeschoss wurden auch acht Wohnung und sieben Gästezimmer geschaffen. "Seither soll das Gebäude nicht nur zum Wohnen und für Seminare da sein. Hier ist auch Platz für Begegnungen", sagt Benz, der mit seiner Familie selbst eine Wohnung im Haus hat. Das Café im Erdgeschoss steht immer offen und Kuchen täglich bereit. Die Jesus-Bruderschaft kommt jeden Herbst zusammen, über das Jahr finden Seminare und kirchliche Veranstaltungen statt. Am Tag des offenen Denkmals sollen alle Gäste auf ihre Kosten kommen. Kinder sollen sich beim Gestalten und Bemalen von Brettern ausprobieren. Für die Erwachsenen hat Benz eine Führung über das Gelände und zum alten Wasserwerk vorbereitet.

"Es ist schön zu sehen, dass aus der alten Fabrik heute ein offenes Haus für alle Leute im Dorf entstanden ist und der Umbau ein solcher Erfolg war", sagt er weiter. Doch nicht allen der 12.000 Kulturdenkmale im Landkreis Mittelsachsen geht es so gut wie der Alten Spinnerei. "Wir haben in Mittelsachsen auch Denkmale, die schlecht saniert sind ", teilt Jörg Liebig von der Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes mit. "Oft ist der Grund für den Verfall ein unklares Besitzverhältnis, Leerstand oder eine Nichtnutzung", wie Sabine Webersinke vom Landesamt für Denkmalpflege erklärt.

Seit 1991 hält auch der Freistaat Denkmal-Förderprogramme bereit. 2019 stehen insgesamt 20 Millionen Euro für die Unterstützung von Denkmälern zur Verfügung. Auch der Bund steuert Gelder bei, die aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien stammen. "Mit diesen Geldern konnten bereits mehr als die Hälfte aller 12.000 Denkmale in einen guten Zustand gebracht werden", sagt Webersinke.

Mit dem Aktionstag der DSD, der seit 1993 jährlich stattfindet, sollen die Leute die Denkmale in ihrer Heimat erleben und kennenlernen. Für Jürgen Benz ist der Aktionstag ein Höhepunkt und er freut sich darauf, den Gästen das Denkmal zu zeigen. "Vielleicht können wir auch Leute animieren, immer mal im Café vorbeizuschauen, an Veranstaltungen teilzunehmen oder eine große Feier bei uns auszurichten", sagt er.


Weitere Förderprojekte

Petrikirche Freiberg: 50.000 Euro

Ehemaliges Zisterzienserkloster Leisnig: 61.000 Euro

Historische Schauweberei Braunsdorf: 4000 Euro

Rothschönberger Stolln Reinsberg: 50.000 Euro (scso)

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