Von der Theke bis zum Designerstück

Bei Rosskopf & Partner in Hennersdorf haben zur "Woche der offenen Unternehmen" die Azubis durch das Werk geführt. Sie erklärten, was die "Plastetischler", wie die Spezialisten im Dorf genannt werden, alles herstellen.

Hennersdorf.

Praxisluft haben am Donnerstagnachmittag zwölf Jugendliche in der Firma Rosskopf & Partner in Hennersdorf geschnuppert. Die Flöhaer Oberschüler der achten bis zehnten Klasse nutzten die "Woche der offenen Unternehmen", um sich in der weltweit agierenden Firma umzuschauen. Innerhalb der Veranstaltungsreihe, die am Samstag endet, haben 247 mittelsächsische Firmen und Verwaltungen ihre Türen für Schüler geöffnet und rund 250 Berufe vorgestellt.

In Hennersdorf waren alle Sinne gefragt: Ob der Hauch von Materialien, das optische Reizangebot an Formen, das Surren der Maschinen oder der Tastsinn der Hände - so mancher Eindruck dürfte die jungen Leute samt ihrer Mütter und Väter, die als nachfragetüchtige Begleiter an der Seite ihrer Schützlinge dabei waren, auf dem Nachhauseweg beschäftigt haben.

Im Blickpunkt des Informationstages hatten die Hennersdorfer den Tischlerberuf sowie den des Indus-triekaufmanns und der Industriekauffrau gestellt. Zum zweiten Mal an dieser Aktionswoche beteiligt, luden die Gastgeber um Produktionschef Jürgen Benz die Gäste ein, die Werkhallen zu besuchen, sich an der Herstellung eines Werkstücks zu versuchen und in individuellen Gesprächen Ausbildungsmöglichkeiten zu beraten.

Aktuell sind bei Rosskopf & Partner zehn Lehrlinge in drei Ausbildungsjahren beschäftigt. Das Unternehmen, mit Hauptsitz im thüringischen Obermehler, hat 200 Mitarbeiter. Der Betrieb zählt nach eigenen Aussagen zu den europaweit führenden Verarbeitern von Premium-Materialien und verstehe die individuellen Herstellungswünsche renommierter Kunden aus den Bereichen Architektur, Design, Verarbeitung, dem Fachhandel für Küche und Bad sowie der Möbelindustrie zu bedienen. Zugeliefert wird auch verarbeitenden Betrieben, Laden- und Messebauern sowie dem Handel. "Ob Theken für ein Hotel in der Schweiz, Badewannen für Inneneinrichter in Österreich, Verkleidungen für Bahnhofsunterführungen in Deutschland oder Fassadengestaltungen für Bürokomplexe in London - wir sind breit und international aufgestellt", so Jürgen Benz. Ausrüstungsgegenstände für Wohnanlagen oder Designerstücke für Nobelherbergen aus Hennersdorf stehen auch in Saudi-Arabien und den USA. Und dank der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" wurden Objekte wie der Leonardo-Glass-Cube in Bad Driburg ob seiner architektonischen Eleganz dem Fernsehpublikum präsentiert.

An der Seite des gestandenen Fachmanns gaben die Azubis den jungen Gästen einen Einblick in ihre Tätigkeitsfelder. So gestalteten Tony Schröder und Simon Langhof mit den Mädchen und Jungen eine dekorative Tafel aus dem im Hause verarbeiteten Mineralwerkstoff, der quasi das Markenzeichen des Betriebes darstellt. Das war schon eine andere Aufgabe, als im Klassenzimmer den Schreibstift zu halten. Kaum einer der Besucher hatte vordem schon einmal an einer Fräse gestanden oder eine Schleifmaschine bedient, geschweige denn millimetergenau etwas abschneiden oder eine Oberfläche auf Hochglanz bringen müssen.

Vivienne Mai und Annika Schmiedel wissen als angehende Industriekauffrauen von der Mitarbeit im Unternehmen zu berichten. "Sicher, Hennersdorf ist ein Ort, der weniger im öffentlichen Blickpunkt steht und an dem es sich als günstig erweist, bereits die Fahrerlaubnis zu besitzen, um ihn zu erreichen, aber uns gefällt die Ausbildung", so Annika Schmiedel aus dem ersten Lehrjahr. "Das Team ist überschaubar, man kennt sich. Das schafft ein gutes Klima. Andererseits: Wo kann man die Pause im Grünen an einem Fluss verbringen? Der kleine Ort hat schon Reize." Und berufliche Herausforderungen gebe es hinsichtlich der breiten Auftragspalette allemal.

Darüber hinaus bietet die Rosskopf & Partner AG die Ausbildungsgänge Naturwerksteinmechaniker/in an. Auch (Fach-)Abiturienten können in einem dualen Studium Theorie und Praxis erleben. In Kooperation mit der Staatlichen Berufsakademie Dresden werden zudem die Studiengänge Holztechnik und Rechnungswesen angeboten. Jürgen Benz warb mit Emotionen für den bodenständigen Beruf des Tischlers: "Wir brauchen Praktiker, Leute, die geschickte Hände haben. Ohne die, die etwas zusammenbauen können, fällt die Welt zusammen", so sein Credo.

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