Warum das Bergstadtfest den Freibergern lieb und teuer ist

Das größte Volksfest in Mittelsachsen lockt Jahr für Jahr 100.000 Gäste an. Für die Stadt ist es trotz Einnahmen von Stand- betreibern und Sponsoren ein Minusgeschäft.

Freiberg.

Rund 514.000 Euro - diesen Betrag hat die Stadt Freiberg für das vergangene Bergstadtfest aufbringen müssen. Eine Rekordsumme. 2015 waren es gut 370.000 Euro. Auch das Defizit hat sich seither trotz Gebühren für Standbetreiber und Sponsoren spürbar erhöht. Waren es 2015 nur knapp 100.000 Euro, schlug im Vorjahr ein Minus von rund 250.000 Euro ins Kontor.

Die Kostensteigerung hat nach Angaben der Stadtverwaltung mehrere Gründe: Die Preise sind allgemein in die Höhe geklettert, aber auch die Künstler verlangen höhere Gagen. Allein 2018 musste die Stadt knapp 126.000 Euro für Honorar an die über 50 Bands, Darsteller und Musiker überweisen, die an den vier Tagen aufgetreten waren. "Künstler leben nicht mehr von CD-Verkäufen, sondern von Konzerten", bringt es Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) auf den Punkt.

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Nicht zuletzt fordern die verschärften Sicherheitsvorkehrungen ihren finanziellen Tribut. In diesem Bereich summierten sich die Ausgaben im Vorjahr auf fast 77.000 Euro, davon allein knapp 50.000 Euro für Security. Das geht aus einer Auflistung hervor, die die Stadt nach einer Anfrage des AfD-Politikers Marko Winter jüngst im Stadtrat vorgelegt hat. "In den letzten Jahren sind die Sicherheitskosten deutlich gestiegen", sagt Stadtoberhaupt Krüger gegenüber der "Freien Presse". Zum einen als Folge der tragischen Ereignisse auf der Love-Parade 2010 in Duisburg und zum anderen aufgrund von Anschlägen wie denen zum Weihnachtsmarkt 2016 am Breitscheidplatz in Berlin und den im Nachgang geänderten Vorschriften und Gesetzen. So sind seitdem größere Betonabsperrungen Usus.

Der Umzug des Rummels vom Messeplatz zur Ehernen Schlange wirkt sich ebenfalls aus. Die Fläche ist dort kleiner, weshalb weniger Standgebühren in die Kasse gespült werden.

Zwar will die Kommune gegensteuern und das Defizit 2019 auf gut 215.000 Euro drücken. Für die circa 250 Händler, Schausteller und Gewerbetreibende aus der Stadt erhöhen sich die Gebühren. Der Verkauf des Bergstadt-Pins, der zum Eintritt am Festfreitag in das Bierdorf und am Festsamstag auf den Obermarkt -je von 16 bis 2 Uhr -berechtigt und 3 Euro kostet, trägt zur Deckung der Finanzlücke bei. Hier sind geschätzt 28.000 Euro eingeplant. Darüber hinaus fällt kein Eintritt an. Das Bergstadtfest soll laut Oberbürgermeister aber ein Volksfest für alle bleiben. Das Bergstadtfest sei ein Aushängeschild für Freiberg, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Strahlkraft besitzt.

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