Warum die Baywa Getreide mit Elektronen beschießt

2,4 Millionen Euro investiert der Handels- und Dienstleistungskonzern in Hainichen. Die neue elektronische Anlage zur Saatgutbehandlung ist die Antwort auf den steigenden Bedarf nach alternativem Pflanzenschutz.

Hainichen.

Keine gesundheitliche Gefährdung für die Anwender, keine Gefahr für Tiere, auch in Trinkwasserschutzgebieten einsetzbar, Reste können an Tiere verfüttert werden - für Baywa-Verkaufsleiter Gunter Frohs liegen die Vorteile der elektronischen gegenüber einer chemischen Saatgutbehandlung klar auf der Hand. Seit 2002 werden deshalb in Hainichen vor allem die Samen von Getreide, versuchsweise auch Mais, Raps und Ackerbohnen, mit Elektronen beschossen, um sie von Pilzen, Viren und Bakterien zu befreien, bevor sie ausgesät werden.

Und da es auch keine Preisunterschiede zum chemischen Verfahren gebe, steige laut Frohs die Nachfrage bei den Landwirten. Die Baywa hat deshalb jetzt 2,4 Millionen Euro in eine neue elektronische Saatgutbehandlungsanlage am Standort Hainichen investiert.

"Seit 2002 haben wir 45.000 Tonnen Saatgut elektronisch behandelt", berichtet Frohs. Doch die alte Anlage, Baujahr 1997, ist nicht mehr auf dem neusten Stand. Hohe Reparaturkosten und eine längst überholte Steuerungstechnik machten die Neuinvestition notwendig. 15 bis 20 Tonnen Getreide pro Stunde könne der neue Elektronen-Generator laut Baywa-Produktmanager Stefan Hesse behandeln. Damit sei die Kapazität zwar nicht höher als bei der alten Anlage. Aber: "Für die Steuerung ist kein Fremdpersonal mehr nötig. Das können wir jetzt selbst über das Tablet machen." Die neue Anlage könne so effizienter eingesetzt werden und in der Hoch-Zeit auch rund um die Uhr laufen. Laut Baywa wurden vergangenes Jahr rund 16.000 Tonnen Saatgut in Deutschland mit Elektronen behandelt. Dieses Jahr soll diese Zahl erstmals auf 25.000 Tonnen steigen - auch dank der neuen Anlage in Hainichen.

Entwickelt hat die umweltfreundliche Technologie das Fraunhofer Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP) in Dresden. André Weidauer vom FEP kennt deshalb den Trend in der Landwirtschaft. "Nachhaltigkeit und weniger Einsatz von Chemie nehmen immer mehr an Bedeutung zu", erklärt er. 98 Prozent der Bauern, die einmal elektronenbehandeltes Saatgut eingesetzt haben, würden das erneut anbauen. "Die Technologie wird sehr gut angenommen", bestätigt Gunter Frohs. Die neue mobile Anlage soll deshalb künftig an mehreren Baywa-Standorten in Sachsen und eventuell Thüringen eingesetzt werden.

Bei der Produktion von Saatgut arbeitet der Hainichener Baywa-Standort mit etwa 24 Mitarbeitern eng mit regionalen Landwirten zusammen. "Diese produzieren das Saatgut, wir behandeln und verpacken es und liefern es wieder an die Landwirte", erklärt Stefan Hesse. Verkauft wird es vorrangig in den neuen Bundesländern.

Da laut Frohs Umweltaspekte aufgrund gesetzlicher Beschränkungen und hoher gesellschaftlicher Erwartungen an die Landwirtschaft immer relevanter werden, wolle die Baywa in Hainichen ab diesem Jahr verstärkt in die Ökoproduktion bei Getreide und Gräsern einsteigen. "Wir planen 2019/2020 eine eigene Strecke für die ökologische Saatgutproduktion", so Frohs. "Der Bedarf wächst, viele Betriebe stellen von konventionellem auf ökologischen Landbau um", begründet er.


Fünf Standorte in Mittelsachsen

Die Baywa AG ist ein deutsches Groß- und Einzelhandelsunternehmen mit Sitz in München. Der international tätige Handels- und Dienstleistungskonzern ist in den Unternehmenssegmenten Agrar, Energie und Bau tätig. An mehr als 500 Standorten weltweit sind etwa 17.000 Mitarbeiter beschäftigt.

In Mittelsachsen hat die Baywa Standorte in Mochau, Hainichen, Großschirma, Oberschöna und im Großweitzschener Ortsteil Mockritz.

Die Baywa in Hainichen am Standort Gewerbegebiet Crumbach-Nord bereitet Saatgut für Gras, Getreide und Mais auf und stellt Grassaatmischungen her. Erst 2014 wurden hier 3,5 Millionen Euro in eine neue Gräsermischanlage mit einer Leistung von zehn Tonnen die Stunde investiert. "Wir haben jetzt eine Zertifizierung für Grassaatmischungen und stellen auch Ökomischungen her", berichtet Baywa-Produktmanager Stefan Hesse.

Die Bedeutung von Gräsermischungen haben laut Hesse in den vergangenen vier Jahren stark zugenommen, da der Anbau von Zwischenfrüchten staatlich gefördert würde. Zwischenfrüchte sind laut Stefan Hesse Pflanzen, wie zum Beispiel Senf, die zwischen dem Hauptnutzungsanbau gepflanzt werden. Sie binden die Nährstoffe im Boden und dienen so als eine Art natürlicher Dünger. (ug)

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