Warum die Falkenauer Chronik neu geschrieben werden muss

Bei Bauarbeiten an der Schwarzen Brücke in Falkenau sind Reste einer mittelalterlichen Schmelzhütte entdeckt worden. Ein Heimatforscher freut sich besonders darüber.

Falkenau.

Immer wenn sich in Falkenau eine Baggerschaufel ins Erdreich frisst, versucht Mike Glöckner zur Stelle zu sein. Dann schaut sich der Falkenauer Heimatforscher an, was da zu Tage kommt. Als er kürzlich die Baustelle an der Schwarzen Brücke in Augenschein nahm, sah er deutliche Spuren von Holzkohle und Metallschlacke im Boden. Und er sah Steine, die darauf schließen lassen, dass hier einmal ein Gebäude gestanden hat.

Holzkohle, Metallschlacke, Mauerreste: Für Mike Glöckner stand rasch fest, dass es sich um die Überreste jener Schmelzhütte handeln muss, die er an dieser Stelle vermutet, seit er vor ein paar Jahren in unmittelbarer Nähe Metallschlacke-Klumpen fand. Von 1562 an wurde in Falkenau Silbererz gefördert. Bis zu 29 Gruben muss es vor dem Dreißigjährigen Krieg im Falkenauer Zechengrund gegeben haben, hat Mike Glöckner recherchiert. Historischen Unterlagen zufolge gab es am Flöha-Ufer eine Schmelzhütte. Es gibt sogar einen Grundriss dieser Hütte. Nur wurde die bislang immer gut vier Kilometer weiter stromaufwärts, in Hetzdorf verortet. So steht es auch in der Falkenauer Ortschronik aus dem Jahr 1938.

Die muss nun umgeschrieben werden. Und Mike Glöckner fühlt sich wie ein Briefmarkensammler, der unverhofft eine Blaue Mauritius unter der Lupe hat. Für einen Heimatforscher wie ihn ist es sensationell, wenn eine These durch einen Fund bestätigt wird. Matthias Schubert vom Landesamt für Archäologie sagt, dass es sich um einen sehr bedeutenden Fund handelt. "Solche Überreste von Schmelzhütten haben wir kaum in Sachsen", sagt der Archäologe. Mit seinem Kollegen hat er in den vergangenen Tagen die Fundstelle freigelegt und geputzt. Die Fundament-Reste lassen auf Ausmaße und Ausrichtung der Schmelzhütte schließen. Es gibt ein nicht so tiefes Fundament, das wahrscheinlich eine Zwischenwand markiert. An der Stelle, wo sich einst ein Schmelzofen befand, sind Ziegelsteine zu erkennen und Spuren der Erzschmelze. Die gefundene Schlacke, Ziegel und Holzkohlereste werden jetzt im Labor analysiert um zu ermitteln, welches Metall hier gewonnen wurde, wobei es sich wohl um Silber handelt. Die Funde werden erfasst, fotografiert und eingemessen. Zusammen mit den historischen Unterlagen lässt sich dann vielleicht genauer rekonstruieren, wie die Schmelzhütte ausgesehen hat.

Mit den Bauarbeiten an der Schwarzen Brücke soll der Hochwasserschutz in diesem Bereich verbessert werden. Die Arbeiten ruhen erst einmal. Archäologe Matthias Schubert schätzt, dass nächste Woche weitergebaut werden kann. Der Fundbereich wird dann mit Geo-Textil abgedeckt und wieder mit Erde verfüllt -gesichert, sagen die Archäologen. Stanimir Enew aus der Flöhaer Bauverwaltung schätzt, dass der Bauverzug etwa zwei Wochen beträgt und das die Arbeiten wegen des zusätzlichen Aufwandes ein bisschen teurer werden.

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