Warum ein Oederaner Denkmal nur teilweise saniert wurde

Mit der 1923 eingeweihten Stätte wird den Gefallenen des Ersten Weltkriegs gedacht. Der Standort, der damals gewählt wurde, ist heute aber nicht mehr so einfach zu erreichen. Auch die Namen auf den Tafeln sind nicht mehr gut zu lesen.

Oederan.

Der Erste Weltkrieg war noch lange nicht beendet, als man in Oederan bereits an ein Mahnmal für die Gefallenen dachte. Es war Ende Januar 1917, also noch weit vor dem offiziellen Waffenstillstand im November 1918, als der damalige Bürgermeister Walter Zwingenberger zu einer Beratung zum Thema Mahnmal einlud. Nicht alle Stadtverordneten konnten erscheinen - einer war noch bei der Truppe. Dem Protokoll der damaligen Sitzung ist zu entnehmen, dass Amtsgerichtsrat Dr. Jacob die Errichtung einer Gedenkstätte für unbedingt erforderlich hielt. Zustimmung erhielt er von Pfarrer Jermis, der die Errichtung "für selbstverständlich und an der Zeit" hielt. Auch alle anderen Anwesenden stimmten dafür. Also wurde beschlossen, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die sich der Sache annehme.

Am 5. August 1923 schließlich wurde das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs feierlich eingeweiht. Als Standort hatte man das alte Stadtbad am Ehrenzug ausgewählt. Nachdem nämlich 1920 beschlossen wurde, an der Hainichener Straße ein neues und moderneres Bad zu errichten, wurde die Anlage am Ehrenzug frei. Am Denkmal wurden Tafeln angebracht, auf denen die Namen der Gefallenen zu lesen waren. Dazu trug die mittlere Tafel die Aufschrift: "Den Helden des Weltkriegs 1914-1918. Die dankbare Vaterstadt."


Die Inschriften sind bis heute erhalten, nur ist ein Teil davon - der Spruch in der Mitte nämlich - jetzt besser zu erkennen. Denn das Mahnmal wurde restauriert. "Insbesondere die ältere Bevölkerung hat eine Erhaltung des Ehrenmals angemahnt, damit der jungen Generation die Schrecken von Krieg und Hass immer vor Augen geführt werden können", teilte die Stadtverwaltung auf ihrer Homepage mit. Die Kosten für die Sanierung beliefen sich auf 35.000 Euro. Ein Anteil von 21.000 Euro floß aus dem Leader-Förderprogramm zur Entwicklung des ländlichen Raums.

Doch nicht alle Teile des großen Mahnmals wurden aufgefrischt. Die Namen der Gefallenen wurden nicht so hergerichtet, dass man sie wieder besser lesen kann. "Das hat zum einen den Grund, dass die ganze Sanierung sehr viel teurer geworden wäre, hätten wir auch die kleineren Schriftzüge sanieren lassen", sagt Lothar Hofmeister aus der Stadtverwaltung Oederan. "Zudem ist es möglich, alle Namen in der Stadtkirche zu finden. Denn auch dort hängen Tafeln mit den im Ersten Weltkrieg Gefallenen."

Wer das jetzt restaurierte Mahnmal im Oederaner Stadtgebiet sucht, wird nicht leicht fündig. Denn der Standort, den sich die Verantwortlichen vor 100 Jahren ausgesucht haben, ist mittlerweile eingezäunt. Nebenan entstand nämlich der Miniaturpark Klein-Erzgebirge, der in den Jahrzehnten stetig wuchs. Mit der Folge, dass auch der Zaun um die wertvollen Ausstellungsstücke weiter gezogen werden musste - und das Denkmal stand plötzlich mittendrin.

"Solange es nicht saniert war, hat das Denkmal nicht so viele Besucher angelockt, dass es Probleme gab", sagt Hofmeister. "Jetzt aber denken wir doch, dass einige Leute mehr kommen werden. Deshalb sind wir froh, dass wir gemeinsam mit dem Miniaturpark eine Lösung gefunden haben. Wer nur das Denkmal besuchen will, kann das, ohne Eintritt zu zahlen."

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