Warum eine Hebamme bei der Geburt nicht dabeisein möchte

Romina Krauße hat in Großwaltersdorf eine eigene Praxis eröffnet. Dort unterstützt sie werdende Mütter und junge Familien. Kindern hilft sie allerdings nicht auf die Welt - aus mehreren Gründen.

Großwaltersdorf.

Es klingt zunächst etwas paradox: Eine Hebamme mit allen nötigen Voraussetzungen und Ausbildungen eröffnet eine eigene Praxis, will aber auf unbestimmte Zeit keine Geburten durchführen. Auf Romina Krauße trifft das zu. Und sie führt verschiedene Gründe dafür an, warum sie darauf verzichtet, das "Wunder der Natur" immer wieder miterleben zu dürfen. "Da sind zum einen meine eigenen zwei Kinder", sagt die 28-Jährige. "Die sind drei Jahre und ein Jahr alt und halten mich auf Trab. Damit ist eine 24-Stunden-Rufbereitschaft, wie ich sie bei der Geburtshilfe leisten müsste, nicht möglich."

Dazu kommt, dass Hebammen noch immer mit immensen Kosten für Versicherungen zu kämpfen haben. 7000 Euro jährlich kostet es die Geburtshelferinnen und -helfer, dass sie im Schadensfall versichert sind. Viele Hebammen haben deshalb in den vergangenen Jahren die Geburtshilfe aufgegeben. "Auch ich bin nicht bereit, diese hohe Summe zu zahlen", sagt Romina Krauße. Vor und nach einer Geburt ist die gebürtige Gränitzerin aber mit einem Rundum-Paket für ihre Kunden da.


So bietet sie in ihren neuen Praxisräumen Vorsorgeuntersuchung, Beratung und Hilfeleistung bei Schwangerschaftsbeschwerden ab positivem Schwangerschaftstest an. "Im Wochenbett besuche ich die jungen Familien nach der Geburt dann zu Hause und berate sie umfassend", sagt Romina Krauße. Vervollständigt wird ihr Angebot durch verschiedene Kurse wie Geburtsvorbereitung, Rückbildung und Babymassage sowie Massagen, Akupunktur oder Stoffwindelberatungen.

Auf die Idee, Hebamme zu werden, kam Romina Krauße in ihrer Schulzeit. "Für das Abitur habe ich über Anästhesieverfahren beim Kaiserschnitt geschrieben", erzählt die 28-Jährige. "Der Arzt, der mich damals betreute, hat mir ermöglicht, bei einem Kaiserschnitt dabei zu sein. Danach wollte ich auch die anderen Arbeitsbereiche von Hebammen kennenlernen - und mein Berufswunsch war klar." Nach dem bestandenen Abitur absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus in Freiberg, bevor sie drei Jahre lang den Beruf der Hebamme an der Uniklinik in Dresden erlernte und ab 2013 als selbstständig arbeitende Hebamme, die vertraglich an Krankenhäuser gebunden ist, weiter Erfahrung sammelte.

Durch das Hobby ihres Mannes, der beim TSV Großwaltersdorf Fußball spielt, entdeckte die junge Familie den Eppendorfer Ortsteil als neues Zuhause, baute sich dort ein Haus, in dessen Anbau Platz für die Praxis "Mina" - benannt nach dem Spitznamen der Hebamme - ist. Viele Schwangere haben sich bereits angemeldet und werden durch "Mina" Krauße betreut. "Es sind schon so viele, dass ich mir eine Hebamme zur Unterstützung gesucht habe", sagt sie. Ab August kommt mit Lisa Vizal Verstärkung. Die 24-jährige gebürtige Zwickauerin hat 2017 ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und ist vor zwei Jahren zu ihrem Freund nach Augustusburg gezogen. Sie arbeitet im Krankenhaus Chemnitz Rabenstein und seit einem Jahr auch freiberuflich.

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