Warum eine Radioreportage aktuell bleibt

Bürgerengagement wird in Eppendorf gewürdigt. Einer bewies sogar bei der Auszeichnung, dass er es immer noch drauf hat.

Eppendorf.

Es zählt zu den angenehmen Aufgaben des Eppendorfer Bürgermeisters, im Januar zum Neujahrsempfang einzuladen. Dann werden auch die Bürgerpreise an die Personen vergeben, die sich über lange Zeit ehrenamtlich für das Gemeinwohl eingesetzt haben. Und es spricht für die Bewohner Eppendorfs und der Ortsteile, dass es jedes Jahr mehrere Nominierungen für die Preise gibt. Am Dienstag konnte im Sportlerheim Eppendorf die Auszeichnung vier Mal vergeben werden: an Reiner Rechenberger aus Eppendorf, Christian Prokot (Kleinhartmannsdorf), Wolfgang Thomas (Großwaltersdorf) und die Eppendorfer Schnitzer. "Wir können uns als Verwaltung vornehmlich um den Ausbau der Infrastruktur kümmern. Bei der Gestaltung des Gemeindelebens sind die Einwohner gefordert. Das klappt bei uns sehr, sehr gut. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken", sagte Bürgermeister Axel Röthling (SPD).

Die kulturelle Umrahmung hatten die Musiker des Kranich-Blasorchesters übernommen. Einen spontanen Beitrag leistete auch Preisträger Reiner Rechenberger. Für den 79-Jährigen hatte Waltraud Göpfert die Laudatio gehalten. Sie würdigte ihn als umtriebigen Sportmoderator, der sogar für MDR Radio Sachsen Fußballspiele kommentiert hatte. Rechenberger nahm dies zum Anlass, die Reportage über den Zieleinlauf der Rad-Weltmeisterschaft auf dem Sachsenring 1960 vorzutragen. Die beherrscht er im Original-Wortlaut, gab sie schon oft zum Besten - und erntete reichlich Applaus. Unter den vielen Gästen beim Neujahrsempfang waren auch Vertreter von SPD, AfD und Freien Wählern. Doch auf den ganz wenigen freien Stühlen hätte auch noch der eine oder andere weitere Gemeinderat Platz gefunden.


Die zupackenden Pyramiden-Experten

Rico Aurich, Kai Putzschke, Matthias Simmrodt gehören zu einem kleinen ehrenamtlichen Team, das jährlich rund 250 Stunden investiert, um die Eppendorfer Pyramide nicht nur zur Adventszeit aufzubauen, sondern sie auch pflegt. 2019 war in der Historie der Pyramide, die nach Plänen von Hans Günther vom Schnitzzirkel gebaut wurde, ein besonderes Jahr. Das Meisterwerk drehte sich zum 50. Mal. Zum Neujahrsempfang weilte mit Werner Forberger einer der Aktivisten unter den Gästen, die beim Bau mitgewirkt hatten. Matthias Simmrodt hatte jahrelang beim Aufbau mitgeholfen und 2013 die Verantwortung übernommen. Ihm zur Seite stehen Bernd Poller, Tino Hübler, Kai Putzschke und Rico Aurich. Sie prüfen die Figuren, lagern die Einzelteile im ehemaligen Polytechnischen Zentrum, ihrem Domizil, ein.kbe


Der blutspendende Sportfachmann

Wolfgang Thomas sorgt dafür, dass auf dem Großwaltersdorfer Sportplatz der Ball rollen kann. Der 63- Jährige kümmert sich um Pflege und Unterhalt des Rasenplatzes und des angrenzenden Sportplatzgeländes. Seit 15 Jahren zeichnet der Bürgerpreisträger auch dafür verantwortlich, dass die Umkleidekabinen gereinigt werden. Die Tätigkeit beschränkt sich nicht aufs Wochenende, von Montag bis Freitag findet Trainingsbetrieb statt. Für Zuschauer, die die Punktspiele des TSV Großwaltersdorf/Eppendorf verfolgen, stellt Thomas eine wichtige Person dar: Seit 2000 ist er Kioskchef und für Speisen und Getränke zuständig. Wenn es um die Nutzung des Vereinshauses geht, ist er stellvertretender Ansprechpartner. Doch nicht nur im Sport engagiert sich der Rentner - als Blutspender hat er sich bereits 135-mal anzapfen lassen.


Der schmiedende Berichterstatter

Reiner Rechenberger ist seit 60 Jahren Fußballberichterstatter. Er hängt im Schaukasten seine Spielberichte aus, lieferte lange an die "Freie Presse" Informationen. Noch heute versorgt er den Internetauftritt des SV Eppendorf. 1964 trat er der Leitung der Fußballsektion der damaligen BSG Fortschritt bei, wurde technischer Leiter. Rechenbergers Name ist eng mit dem Großwaltersdorfer Radrennen verbunden, dessen Sprecher er seit der Erstauflage 1971 ist. Auch war seine Stimme lange bei Friedensfahrt, Niedersachsen-, Erzgebirgsrundfahrt und Sachsentour zu hören. Auf dem Sportplatz Eppendorf nimmt der 79-Jährige das Mikrofon in die Hand. Eigentlich wollte er Sportreporter werden, arbeitete aber sein Leben lang als Schmied im Ort.


Der umsichtige Vereinsvorsitzende

Christian Prokot ist zur Stelle, wenn sich in Kleinhartmannsdorf etwas bewegt. Er ist Feuerwehrmitglied, des Feuerwehr- und des Sportvereins, den er seit 1992 als Vorsitzender führt. Er bringt sich beim Maifest des Heimatvereins ein, wenn Kampfrichter benötigt oder bei der Sonnenwendfeier ein Einweiser für Holzlieferungen gebraucht werden. Auch wenn der Geehrte wegen eines körperlichen Handicaps nicht an der Brandbekämpfung beteiligt ist, steht er Kameraden immer helfend zur Seite. Viele Jahre koordinierte er die Vermietung des Dorfgemeinschaftshauses, war Ansprechpartner in der Sporthalle, wenn es wo haperte: an einem Heizkörper, einer Tür oder an einem Stuhl. Als der Jugendtreff "Hütte 98" eine Party startete, half er mit.

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