Warum in Lichtenwalde kopierte Pläne kursieren

Sollte es zur Sprache kommen, wird ein Projekt in Lichtenwalde heute bei der Sitzung des Gemeinderates Niederwiesa die Gemüter erregen. Dabei steht der Bau nicht einmal auf der Tagesordnung.

Lichtenwalde.

"Als ich gesehen habe, was da hinter dem ,Best Western'-Hotel gebaut werden soll, war ich fassungslos", sagt Jens Bossard (Bürgergemeinschaft Lichtenwalde/ Braunsdorf). Der Lichtenwalder Ortsvorsteher zeigt auf den in der Gemeinde vorliegenden Plan des "Wohnquartiers Lichtenwalde", erstellt für den Bauherrn Property Pool Spreewald GmbH Cottbus. Auf der Grünfläche sollen sieben Häuser entstehen, drei davon mit drei Geschossen und einem Untergeschoss. Vier weitere verfügen über Untergeschoss plus vier Geschosse. Das Vorhaben umfasst 50 Wohneinheiten. Anonym verteilte Kopien dieses Lageplans mit dem Aufruf "Lichtenwalder wehrt euch!" landeten in Briefkästen in der Gemeinde. Bürger werden zum Besuch der heutigen Gemeinderatssitzung aufgerufen.

Laut Vorhaben- und Erschließungsplan von 1998 ist das Areal "die Ausgleichsfläche für das im Jahr 2000 eröffnete ,Best Western'-Hotel in Lichtenwalde", erzählt Bossard. Das 2,7 Hektar große Grün sei nicht nur Lebensraum vieler Tiere, sondern diene auch als Versickerungsfläche für Oberflächenwasser. Vorhabenträger war seinerzeit der Ostdeutsche Sparkassenverband. Errichtet wurde der Gebäudekomplex als Sparkassenakademie, Außenstelle Lichtenwalde. Die Nutzung erfolgte jedoch als Hotel. 2017 kaufte es die Property-Pool GmbH.

Laut Bossard lehnt der Ortschaftsrat das neue Vorhaben ab. Darüber will der Ortsvorsteher bei der Ratssitzung informieren. Anwohner kritisieren nicht nur die Höhe der Häuser, sondern auch die Zahl der Wohnungen. "Richtig ist, dass wir in Lichtenwalde größere Wohnungen mit 80 bis 120 Quadratmetern Fläche brauchen könnten", so Bossard. "Vielleicht 20, aber nicht 50." Geht man von deren Belegung mit je drei Personen aus, bekäme der Ortsteil mit circa 845 auf einen Schlag 150 neue Einwohner hinzu. Das steht im Widerspruch zu den Zahlen des aktuellen Entwurfs zum Flächennutzungsplan: Dort ist passend zur Bevölkerungsentwicklung von einem Neubaubedarf zwischen 81 und 84 Wohneinheiten bis 2035 die Rede - für die gesamte Gemeinde.

Bürgermeisterin Ilona Meier (parteilos) weiß um die Aufregung in Lichtenwalde. "Es wurde eine erste Konzeptskizze durch den beauftragten Architekten eingereicht", sagt sie auf "Freie Presse"-Anfrage. "Der Plan, dass auf dieser Wiese sieben mehrgeschossige Häuser entstehen sollen, ist völlig inakzeptabel. Die Diskussionen im Hauptausschuss und im Ortschaftsrat verliefen in die gleiche Richtung. Ich bin mir fast sicher, dass sich der Gemeinderat dieser Meinung anschließt und ein derart großes Baugebiet unterhalb vom ,Best Western' ablehnt."

Rene Bloem, Gesellschafter der Property-Pool-Muttergesellschaft Immo-Pool Spreewald GmbH, erfuhr gestern durch die "Freie Presse" von der Ablehnung des Plans durch den Lichtenwalder Ortschaftsrat. "Wir haben nur eine erste Studie eingereicht", sagt er. "Der Gemeinderat bestimmt, was dort passieren soll. Wir sind flexibel", so Bloem. "Es ist richtig: Wir wollen dort bauen, aber in Harmonie mit der Umgebung, nicht unbedingt Viergeschosser."

Die Gemeinderatssitzung in Niederwiesa beginnt heute, 19 Uhr im Schlossgasthaus Lichtenwalde.

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