Warum sich am Stein die Geister scheiden

In Lichtenwalde gibt es ein neues Denkmal für die Kriegsgefallenen aus dem Ort. Der Initiator hält das für geboten, aber es gab auch kritische Stimmen.

Geschichte und Erinnerung: Initiator Rolf Pönicke vor dem neuen Kriegerdenkmal in Lichtenwalde. Das Denkmal wurde aus Rochlitzer Porphyr gefertigt, die Gestaltung ist an das Harras-Denkmal angelehnt.
Jens Bossard - Ortsvorsteher
Auf den vier Seiten des Denkmals sind die Namen der in den drei großen Kriegen mit deutscher Beteiligung gefallenen oder vermissten Soldaten aus Lichtenwalde genannt.

Für Sie berichtet: Matthias Behrend

Am Ende hat das neue Denkmal den Segen von Pfarrer im Ruhestand Horst Oertel bekommen. Am Anfang hat Rolf Pönicke mit seinem Vorschlag, ein neues Kriegerdenkmal aufzustellen, eine kontroverse Diskussion ausgelöst.

Auf die Frage, ob so ein Denkmal heute noch gebraucht werde, sagt Pönicke, er wisse nicht, ob es gebraucht werde, aber es gehöre sich, an die Kriegsgefallenen zu erinnern. Das gehöre zur Ortsgeschichte. Und die Geschichte von Lichtenwalde liegt Rolf Pönicke am Herzen. Auch deshalb schlüpft er für seine Comedyshows regelmäßig in die Gestalt des Ritter Harras und unterhält das Publikum mit Spiel und Spaß.

Pönicke zufolge hat es in Lichtenwalde zwei Denkmäler gegeben, mit denen an jene Einwohner der Gemeinde erinnert wurde, die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 sowie im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Beide Denkmäler verschwanden vor der Wende. Beide Denkmäler haben Rolf Pönicke nicht gefallen - das eine war ihm zu plump, das andere in seiner Gestaltung nicht zeitgemäß. Sein eigener Entwurf orientiere sich am Harras-Denkmal, sagt Pönicke. Der Stein für den Obelisk, der die Namen der insgesamt knapp 70 Gefallenen und Vermissten in den drei großen Kriegen trägt, kommt aus dem Rochlitzer Porphyrsteinbruch. Die Kosten beziffert Rolf Pönicke mit rund 4500 Euro. Finanziert wurde das Denkmal ausschließlich mit Spenden. Ortsansässige Firmen halfen mit Baumaterial. Errichtet wurde das Denkmal für die Kriegsgefallenen auf einer kleinen Fläche an der August-Bebel-Straße, die der Gemeinde Niederwiesa gehört. Pönicke und seine Mitstreiter kümmern sich auch um die Unterhaltung des Denkmals und übernehmen die Energiekosten für die Beleuchtung.

Die Kriegerdenkmal-Initiative hat indes nicht nur Befürworter. Im Hauptausschuss der Gemeinderates sei sehr kontrovers diskutiert worden, heißt es. Schließlich wurde die Angelegenheit dem Lichtenwalder Ortschaftsrat übertragen, sagt die Bürgermeisterin von Niederwiesa, Ilona Meier, auf Nachfrage. In der Gemeinde Niederwiesa gebe es aktuell fünf Mahnmale für die in Kriegen gefallenen Einwohner - vier auf dem Friedhof in Niederwiesa sowie einen Gedenkstein in Braunsdorf.

Auch der Lichtenwalder Ortsvorsteher Jens Bossard spricht von einer kontroversen Debatte. Es habe mehrere Gesprächsrunden gegeben. Am Ende fiel die Entscheidung des Ortschaftsrates für das neue Kriegerdenkmal einstimmig, sagt Bossard. Ist die Debatte damit beendet? "Allen kann man es nie recht machen, aber jeder kann seine Meinung haben und sagen", so der Ortsvorsteher.

Franz Demmler gehört zu den Denkmal-Kritikern. "Ein solcher Neubau sollte in unserer Zeit schon besondere Beachtung finden, seine Motivation tiefgründiger erforscht werden. Eine breitere Diskussion im Vorfeld wäre deshalb wünschenswert gewesen", sagt Demmler. Er hätte es gut gefunden, das Erinnern nicht mit dem Zweiten Weltkrieg abzuschließen. "Auch heute noch sterben deutsche Soldaten in Kriegen", sagt Demmler. Und: Soldaten sterben nie als Helden, sondern als arme Hunde, für Interessen, die nicht die ihren seien. In der Gestaltung des Denkmals hätte sich Franz Demmler neue Wege gewünscht. "Warum muss es eine Kopie existierender Monumente sein?", fragt er und sieht insgesamt die Chance vertan, eine Erinnerungsstätte zu schaffen, in der sich auch die Kritiker hätten wiederfinden können.

Rolf Pönicke sieht dagegen nach der anfangs kontroversen Debatte inzwischen einen Konsens im Ort. Er möchte eine politische Instrumentalisierung in der aktuell aufgeheizten Stimmung vermeiden. "Deshalb haben wir die Initiative nicht öffentlich gemacht", sagt er. Auch die Einweihung und Segnung vor zwei Wochen erfolgte deshalb im kleinen Kreis. "Wir wollen schließlich kein Wallfahrtsort für irgendjemanden sein", sagt Pönicke.

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