Was Bratwurst besonders macht

In der Wurstmanufaktur Grüner Wald in Marbach kamen die Besucher auf ihre Kosten und durften kosten - ein sehr spezielles Gewürz für die Bratwurst.

Marbach.

Die Wurstmanufaktur Grüner Wald in Marbach war am Wochenende ein Besuchermagnet. Traditionsbewusste Feinschmecker nutzten die Gelegenheit, sich mit ihren Lieblingsleckerbissen zur Weihnachtszeit einzudecken. Unter den rund 80 von Mandy und Ingolf Fischer handgefertigten Erzeugnissen aus Rind- und Schweinefleisch waren Schinkenvariationen und vor allem die Weihnachtsbratwurst die Favoriten. "Die Kunden sind aus Chemnitz und aus der Region, so aus Frankenberg, Zschopau und Eppendorf angereist", bilanzierte der Fleischermeister. Pausenlos arbeitete er mit seinen Gehilfen in der Gourmetwerkstatt, um frische Ware zu produzieren. Ritterpaket und Sachsendreier hießen einige der Wurst-Kombinationen. "Neu im Angebot ist bei uns die Walnuss-Knacker. Auch die basiert auf den vor einiger Zeit mit Ernährungsexperten und Wissenschaftlern kreierten Ur-Knacker aus dem Rezeptbüchlein der früheren sächsischen Kurfürstin Anna. Die verlangte um 1575 nach Wegzehrung auf ihrer Tour aus der Dresdner Residenz nach Augustusburg", berichtete der 56-Jährige.

Ungebrüht, als feine und grobe Version, 150 Gramm schwer und vor allem anders gewürzt: das ist die Weihnachtsbratwurst aus dem Hause Fischer. "In unserer Region kommen traditionell Kümmel und Majoran dazu. Doch der Knackpunkt ist eine unscheinbare, ziemlich knappe Zutat: Macis genannt", gibt der Fachmann Einblick in sein Rezept. "Dabei handelt es sich um den Muskatblüte genannten getrockneten Samenmantel der Frucht des Muskatnussbaums", erklärt Fischer. Die Muskatnuss ist von dieser orangefarbenen bis bräunlichen Hülle umgeben. Der Samenmantel werde in Handarbeit vom Fruchtfleisch der Muskatnuss entfernt und anschließend getrocknet, so der Meister.

Der hohe Aufwand mache Macis teuer, allerdings würden schon kleine Mengen große Würzwirkung erzielen. Den speziellen Geschmack des Gewürzes durften die Gäste des Adventsfestes in dem zur Weihnachtsstube umgerüsteten Gastraum kennen lernen. "Bei der Verarbeitung der Schweinedärme, die der Wurst Form geben, ist für uns das englische Yard maßgeblich. Bislang habe ich auf einer Länge von 400 Yards Weihnachtsbratwurst hergestellt", bilanzierte Ingolf Fischer am Samstagabend, dem ersten Tag des Weihnachtstrubels. 100 Yards sind reichlich 91 Meter.

Für Mandy und Ingolf Fischer ist die diesjährige Weihnachtssaison dank eines kleinen Jubiläums eine besondere: Seit zehn Jahren stellen sie in der an der Straße nach Waldkirchen gelegenen früheren Gaststätte Grüner Wald ihre Fleisch- und Wurstvariationen her. Mit Erfolg, wie auch die bundesweite Nachfrage beim Online-Versandhandel zeigt. "So zählen etwa geräucherte Schweinelendchen zu den begehrten Artikeln bei Kunden in Köln und Bonn", so Fischer. Das Interesse resultiert wohl aus der Präsenz auf dortigen Weihnachtsmärkten.

"Bei uns kommt am Weihnachtstag die hauseigene Delikatesse auf den Tisch", so der Wurstexperte. "Mittags gibt es traditionsgemäß für die gesamte Familie Linsen mit Bratwurst, am Abend Kartoffelsalat", so Ingolf Fischer. Der ist nach den Festtagen schon wieder gefordert, die dritte kulinarische Landpartie auf Schloss Augustusburg vorzubereiten. Zudem ist im bayrischen Augsburg sein wöchentlicher Trainingstermin: Hier bereitet sich der Erzgebirger seit Mitte des Jahres mit fünf weiteren Kollegen im Team der Fleischer Deutschlands auf die Branchen-Weltmeisterschaften in den USA im kommenden Jahr vor.

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