Was Soldaten gegen Käfer ausrichten

Die Bundeswehr ist in Sachsens Wäldern im Katastropheneinsatz. Die nächsten Wochen sind im Kampf gegen den Borkenkäfer entscheidend.

Grünberg.

Am Montag hat David Oertel von seinem neuen Auftrag erfahren, am Dienstag stand der Oberstabsgefreite ab 9 Uhr im Wald zwischen Flöha und Grünberg und entrindete gefällte Fichten. Zum Vorschein kamen Gänge, gegraben von Borkenkäferlarven. Sie zerstören die Wasserleitungsbahnen und sorgen dafür, dass die Bäume absterben. "Nach dem Abschälen trocknen die Larven aus oder werden gefressen", so der 30-Jährige. Der schweißtreibende Kampf gegen die Borkenkäfer ist in den nächsten Wochen Hauptaufgabe des Soldaten aus der Kaserne in Marienberg. Überrascht hat ihn der Einsatz im Wald nicht: "Als Feuerwehrmann bin ich ungewöhnliche Einsätze gewohnt." Außerdem könne die Bundeswehr auch im Inland eingesetzt werden. "Jetzt kämpfen wir halt gegen Borkenkäfer", sagte der Gelenauer. Er ist damit einer von 60 Bundeswehrsoldaten, die in den Landeswäldern die Forstarbeiter des Staatsbetriebs Sachsenforst dabei unterstützen, befallene Bäume zu erkennen und zu entrinden. Jene mit Motorkettensägenschein werden auch beim Fällen und Entästen helfen. "Wir sind da, wenn wir in Sachsen gebraucht werden und reagieren umgehend auf den Hilferuf", erklärte Oberst Klaus Finck. Der Chef der Operation war vor rund 30 Jahren selbst im Einsatz im Wald, allerdings nach Sturmschäden, berichtet er. Dass das Landeskommando Sachsen gegen den Borkenkäfer eingesetzt werde, sei ein Novum. Zu den bekanntesten Einsätzen der Bundeswehr im Freistaat gehören die Hochwasserhilfen in den Jahren 2002 und 2013.

Die Bundeswehr um Unterstützung gebeten hatte Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU), der sich am Dienstag ein Bild vor Ort machte - wie zahlreiche Vertreter bundesweiter Medien, die ins Falkenauer Revier geladen worden waren. "Ich bin dankbar, dass der Einsatz so schnell genehmigt wurde", sagte Schmidt. Man sehe inzwischen die zweite Generation Käfer, die dritte soll am Ausfliegen gehindert werden. "Dafür brauchen wir in den nächsten drei, vier Wochen jede Kraft", so der Minister. Die Hilfe der Bundeswehr sei dabei ein wichtiger, aber nicht der einzige Mosaikstein, betonte er. Man habe ein Bündel von Maßnahmen beschlossen.


Das Falkenauer Revier ist nicht mehr oder weniger betroffen als andere Hügellagen in Sachsen, erklärt Revierleiter Thomas Vogel. Bei 300 bis 500 Höhenmetern sei der Befall typisch. Der Wald bei Grünberg hat gewissermaßen noch Glück: Dort gibt es bereits Buchen im Unterholz, die die geschlagenen Lücken füllen können. Langfristig sollen die sächsischen Wälder zu Mischwäldern umgebaut werden - so wird das Risiko verringert, erläutert Thomas Rother, Leiter des Forstbetriebs. "Aber im Südostrand des Forstbezirks Chemnitz, in den Bezirken Marienberg, Neudorf, Eibenstock und Bärenfels haben wir Fichtenbestände in Größenordnungen", erklärt er. Die seien besonders anfällig, weil sie nach zwei trockenen Sommern den Käfern wenig Harz entgegensetzen können. Nach dem Schnee- und Sturmbruch hat der sich erst über die liegenden, dann die stehenden Bäume hergemacht. "Wir brauchen ein kühles, feuchtes Frühjahr", sagt Rother und hofft, dass Spaziergänger sich an Absperrungen halten, nicht auf Holzstapel steigen und Verständnis haben, wenn Wege durch Maschinen beschädigt werden: "Sie werden zu gegebener Zeit wiederhergestellt."

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