Was wird aus Flöhas Flüchtlingsheim?

In der alten Fröbel-Kita sollten längst junge Flüchtlinge leben. Das Vorhaben stockt. Ein anderes Gebäude rückt ins Blickfeld.

Flöha.

Der geplante Umbau der früheren Kindertagesstätte an der Dr.-Theodor-Neubauer-Straße in Flöha zu einer Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge verzögert sich. Die Geschäftsführerin des Regionalverbandes Freiberg der Volkssolidarität, Angela Gronwaldt, sagt, dass die baufachliche Prüfung des Vorhabens deutlich länger dauert als geplant: "Das hat uns schon überrascht." Sie rechnet nun damit, dass der zur Unterkunft umgebaute Kita-Teil im Sommer nächsten Jahres in Betrieb genommen werden kann.

Weil der Bedarf an Unterkunfts- und Betreuungsplätzen aktuell aber weiter steigt, hat der Landkreis der Volkssolidarität angeboten, die frühere Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge am Baumwollpark vorübergehend zu nutzen, bis die umgebaute Kita zur Verfügung steht. Bislang gebe es dazu aber keine konkreten Vereinbarungen, heißt es aus der Pressestelle des Landratsamtes. Zugleich betont Cornelia Kluge aus der Landkreis-Pressestelle, dass eine Nutzung des Gebäudes nur "kurz und übergangsweise und im einstelligen Bereich" möglich sei - heißt also, mit maximal neun Bewohnern. Die frühere Gemeinschaftsunterkunft steht seit Ende September leer, die letzten Asylbewerber sind längst in Wohnungen umgezogen. Angesichts sinkender Flüchtlingszahlen hat der Landkreis aktuell keine weitere Verwendung für das Gebäude.

Die Volkssolidarität hält indes am Umbau der früheren Kindertagsstätte "Friedrich Fröbel" an der Dr.-Theodor-Neubauer-Straße fest. Die Kita war nach der Fertigstellung der "Baumwollzwerge" 2014 geschlossen worden. Vor einem Jahr hatte die Volkssolidarität das 1980 errichtete Gebäude mit rund 9000 Quadratmeter Grundstück zum Preis von einem Euro von der Stadt gekauft. Geplant ist der Umbau eines Gebäudeteils. In dem anderen Teil betreibt die Volkssolidarität eine Großküche, die erhalten bleibt. Die Kosten des Umbaus beziffert Angela Gronwaldt aktuell mit rund 1,3 Millionen Euro. Umgebaut wird das Gebäudeinnere. Die Gruppenräume müssen in kleine Zimmer aufgeteilt werden, erklärt die Geschäftsführerein. Maximal 24 Plätze auf zwei Etagen soll die neue Unterkunft nach ihrer Fertigstellung bieten.

Untergebracht werden hier zunächst jene zwölf jungen Flüchtlinge, die derzeit noch im Internat der früheren Landwirtschaftsschule in Zug leben. Auch die Betreuer ziehen mit um nach Flöha. Für die weiteren Plätze gibt es bereits Bedarf. Denn während seit dem Frühjahr immer weniger Flüchtlinge in Mittelsachsen ankommen, steigt die Anzahl der allein reisenden Kinder und Jugendlichen. Ende September lebten 184 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Mittelsachsen, vor einem Jahr waren es noch 103.

Zuständig für deren Unterbringung und Betreuung sind die Jugendämter - in Mittelsachsen also der Landkreis, der zunächst auch die Kosten dafür übernehmen muss. Bei der Finanzplanung für das kommende Jahr wurde das Budget des Jugendamtes vorsorglich um 14 Millionen auf 47,3 Millionen Euro aufgestockt. Das führt die Landkreisverwaltung auch auf die Kosten für die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zurück.

Ob die Volkssolidarität die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, in der zeitweise 42 Plätze belegt waren, als Übergangslösung nutzt, steht noch nicht fest. "Das hängt davon ab, ob wir qualifiziertes Betreuungspersonal finden", sagt Angela Gronwaldt.

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