Waschbrett und Wringmaschine in Aktion

Das gestrige Erntefest in Gahlenz hat ungefähr 650 Gäste aus ganz Mittelsachsen angelockt. Die Besucher konnten dabei vieles entdecken.

Gahlenz.

Eigentlich geht das ja gar nicht - sonntags waschen. Gudrun Dörfelt aber hatte gestern extra die Wanne mit dem Waschbrett rausgestellt und die Wringmaschine dazu, um den Jüngeren unter den Besuchern des Erntefestes im Gahlenzer Dorfmuseum zu zeigen, wie einst gewaschen wurde. "Ich habe das selbst noch so gemacht einschließlich des Bleichens", so Gudrun Dörfelt, die auch die Kernseife und ein Waschmittel namens Rimo zum Preis von 1,25 MDN (Mark der Deutschen Notenbank, Währung der DDR von 1964 bis 1967) aus eigenen Altbeständen mitgebracht hatte. "Es ist tatsächlich so, dass ich einigen jüngeren Leuten erklären musste, wie das früher funktionierte. Bei den Älteren weckt es hingegen Erinnerungen", sagte die Gahlenzerin.

Während Gudrun Dörfelts Vorführung Premiere hatte, war Olaf Schubert schon beim Erntefest 2017 dabei. Der gelernte Zimmermann hat sich der Muldenhauerei als Hobby verschrieben - einem Handwerk, das mittlerweile in Sachsen und Thüringen ausgestorben ist. "Früher vertrieben die Muldenhauer ihre Erzeugnisse auf den Jahrmärkten." Heute kann man schöne Gefäße beispielsweise aus Apfel oder Nussbaum in seiner Werkstatt in Kriebstein kaufen. "Die normalen Mulden für den Alltag werden mit dem sogenannten Texel aus Pappel, Weide, Birke oder Ahorn geschlagen."

Olaf Schubert macht genau das, was Anliegen der Mitglieder des Heimatvereins und der Museumsleiterin Beate Mühl ist: Altes Handwerk erhalten und mit der Vorführung desselben Interesse bei jungen Leuten wecken. Nachwuchs wird nämlich dringend gesucht. Das weiß auch Dietrich Franke, der die Herstellung von Holzschindeln zeigte. "Ich bin nun 74 Jahre alt, da merkt man das Alter schon." Er freue sich daher über jüngere Leute, die in der jüngsten Zeit den Weg in den Verein gefunden haben.

Mathias Haase ist Mitglied der Technikgruppe im Heimatverein und trat erstmals als Platzwart in Aktion. Über 20 Traktoren und Kipper konnten die Gäste nämlich bei der dritten Gahlenzer Traktorenausstellung bestaunen, bezieht man die von Herbert Rülke Anfang der 1990er-Jahre organisierte Schau mit ein. Mathias Haase selbst stellte ein Eigenbaumodell aus, von dem allerdings nicht bekannt ist, wer es wann gebaut hat. "Nach dem Krieg gab es viele solcher Fahrzeuge. Meins stand mit Frost- und anderen Schäden in einer Scheune." Unzählige Stunden der Friemelei und glücklicher Umstände bedurfte es, dass er die Maschine wieder zum Laufen bringen konnte. Das laute Bläffen des Motors gefiel Ben und Tim allerdings gar nicht. Die noch nicht ganz dreijährigen Zwillinge, die in Leipzig zuhause sind, waren mit ihren Großeltern aus Holzhau nach Gahlenz gekommen. "Wir waren schon öfter im Dorfmuseum", sagte Hans-Jürgen Scholze, "und was es hier alles an Interessantem zu sehen gibt, wollten wir nun auch den Enkeln zeigen." Und das war ja noch ganz viel - vom Dreschen mit den Flegeln übers Röhrenbohren bis hin zu der Ausstellung mit neuen Bildern von Christian Wendt unterm Dach. Weit über 30 Akteure zuzüglich der Gahlenzer Blasmusikanten sorgten neuerlich für einen erlebnisreichen Nachmittag mit interessanten Abstechern in die Vergangenheit.

Vereinsvorsitzender Torsten Lange zeigte sich sehr zufrieden mit der Resonanz. Rund 650 Besucher aus ganz Mittelsachsen und darüber hinaus wurden gezählt.

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