Weiter warten auf Bahnsteig-Lift

Die Deutsche Bahn klagt gegen die Auflagen für den Bahnsteigumbau in Flöha. Es geht um 21 Zentimeter, über die nun ein Gericht entscheiden muss. Wann das passiert, ist fraglich.

Flöha.

Der für das nächste Jahr geplante Baubeginn für den barrierefreien Umbau der Bahnsteige am Flöhaer Bahnhof ist in weite Ferne gerückt. Das Eisenbahnbundesamt hat den Einbau von Aufzügen und den Umbau der Bahnsteige genehmigt, allerdings mit der Auflage, dass alle Bahnsteige die einheitliche Höhe von 55 Zentimetern aufweisen müssen. Das ist die Bahnsteighöhe, auf die alle Züge im Regionalverkehr ausgerichtet sind - also die Züge der Erzgebirgsbahn und der Mitteldeutschen Regiobahn, und nur mit der Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern ist ein stufenloser Ein- und Ausstieg in die Züge möglich.

Nach den Umbauplänen der Deutschen Bahn sollten die Bahnsteige 3 und 4 auf eine Höhe von 76 Zentimetern ausgebaut werden. Das ist die Standardhöhe für den Fernverkehr - zum Beispiel also für IC-, EC oder die ICE-Züge. Der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) hatte das beanstandet und für alle Bahnsteige die Höhe von 55 Zentimetern gefordert. Alle Züge, die auf den Strecken durch den Bahnhof Flöha gegenwärtig und in absehbarer Zeit verkehren, seien für eine Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern konstruiert, begründet der VMS seinen Einwand. Auch die bereits modernisierten Haltepunkte entlang der Strecke haben eine Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern. Zügen wird allgemein eine durchschnittliche Lebensdauer von 30 Jahren zugerechnet, Bahnsteigen eine Lebens- und Nutzungsdauer von 100 Jahren.

Unterstützt wird diese VMS-Forderung auch vom Landratsamt Mittelsachsen, der Stadt Zwickau und verschiedenen Sozial- und Behindertenverbänden. Das Eisenbahnbundesamt folgte dem Einwand und verknüpfte die im September erteilte Baugenehmigung mit der Auflage, alle drei Mittelbahnsteige auf 55 Zentimeter Höhe auszubauen. Gegen diese Entscheidung hat die Deutsche-Bahn-Tochterfirma Station und Service Klage beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen eingereicht. Gerichtssprecherin Norma Schmidt-Rottmann bestätigt, dass die Klage am 19. Oktober eingegangen ist. Den Beginn des Verfahrens könne man derzeit nicht abschätzen, so die Richterin.

Interessant ist die Begründung der Deutschen Bahn für die höheren Bahnsteige 3 und 4, die als Reaktion auf den Einspruch des VMS formuliert wurde. Demnach ist 2028 eine neue IC-Linie von München über Regensburg und Dresden nach Berlin geplant. Die Strecke soll über Flöha führen. Ob die IC-Fernverkehrszüge dann aber wirklich in Flöha halten werden - dazu gibt es keine Aussage der Deutschen Bahn.

Die planrechtliche Entscheidung zum Ausbau der Bahnsteige in Flöha mit der Abwägung ist auf der Internetseite des Eisenbahnbundesamtes einsehbar. Suche unter "Themen" und "Planfeststellung" sowie "Entscheidungen", Suchbegriff Flöha eingeben.

https://www.eba.bund.de


Kommentar: Sturheit inZentimeter

Natürlich ist der Rechtsweg ein zulässiger Weg. Und grundsätzlich ist der Rechtsweg unverzichtbar. Aber im Falle des lange erhofften barrierefreien Ausbaus der Bahnsteige am Flöhaer Bahnhof ist der Rechtsweg ein Holzweg. Weil er den Baubeginn auf unbestimmte Zeit verzögert. Die Verlierer stehen bereits fest: Bahnreisende mit Handicap. Aber nicht nur die. Auch Eltern mit Kinderwagen sind müde vom Schleppen, und mancher Radfahrer sehnt zweifellos ebenfalls die Aufzüge herbei.

Flöha ist ein regional wichtiger Bahnhof. Drei Zuglinien verkehren hier. Aber Flöha wird absehbar kein Knotenpunkt des Fernreiseverkehrs. Das schafft ja bislang nicht mal Chemnitz. So viel Realismus sollte man von der Deutschen Bahn erwarten können. Deshalb klingt das Beharren auf die 76 Zentimeter Bahnsteighöhe für mich nach Sturheit. Natürlich weiß heute niemand, wie die Züge der Zukunft aussehen. Aber für die nächste Jahrzehnte benötigen alle Züge, die in Flöha halten eine Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern, um ein stufenloses Ein- und Aussteigen zu ermöglichen.

145 Millionen Euro hat der Verkehrsverbund Mittelsachsen 2016 in den Kauf der neuen Regiobahn-Züge investiert, die auf der Strecke Dresden-Hof verkehren. Dass sich der VMS diese Investition nicht von einem 21 Zentimeter zu hohen Bahnsteig kaputt machen lassen will, ist nachvollziehbar. Die Genehmigungsbehörde Eisenbahnbundesamt sieht das genauso und folgte deshalb dem Einwand. Mal sehen, wie die Richter entscheiden.

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