Welterbe: Augustusburg steht vor dem Aus

Der Wegfall des Schlosses soll die Chancen der Bewerbung der Montan-region Erzgebirge verbessern. Zwei weitere Attraktionen sind betroffen.

Augustusburg/Flöha.

Das Schloss Augustusburg soll aus der Bewerbung der Montanregion Erzgebirge um den Welterbetitel gestrichen werden. Das bestätigten Kreise der "Freien Presse", die mit den Plänen des Vereins vertraut sind, der die Bewerbung koordiniert. Auch die Sachzeugen der Uhrenindustrie in Glashütte und das Schloss Schwarzenberg werden demnach von der Liste der möglichen Welterbe-Stätten geworfen. Auf diese Weise soll die Bewerbung um den Titel noch zu einem glücklichen Ende geführt werden.

Die Experten, die im vergangenen Jahr die Region im deutschen und tschechischen Erzgebirge bereisten, hatten in ihrem Gutachten über die Welterbe-Bewerbung vor allem bemängelt, dass zu viele kleine und isolierte Bergbauzeugen in die Bewerbung aufgenommen wurde, bei denen der Bezug zur Montanlandschaft nicht immer deutlich würde. Bereits bekannt ist, dass die Anzahl der Bestandteile der Bewerbung von 79 auf 20 bis 25 sinken soll. Wobei der Verein aber viele bisher isolierte Bergbauzeugen verbinden will. Darüber hinaus kommt jetzt aber wohl das Aus unter anderem für das Jagdschloss Augustusburg, das Schloss Schwarzenberg und Glashütte.

Zwar hatten die Verantwortlichen der Bewerbung argumentiert, dass das Schloss Augustusburg den Wohlstand dokumentiere, der aus dem Bergbau in Sachsen resultierte. Zudem sei die Wasserversorgung der Anlage nur mit Hilfe bergmännischer Technik möglich geworden. Doch nach dem Expertenbericht hält der Verein "Welterbe Montanregion Erzgebirge" dieses Argument für zu schwach. Im Falle der Uhrenindustrie in Glashütte, die die Transformation der Region vom Bergbau hin zu anderen Wirtschaftszweigen deutlich machen sollte, wird nun angeführt, dass die Landschaft dort nicht so stark vom Bergbau geprägt sei wie andere Teile des Erzgebirges.

Die Chefin vom Schloss Augustusburg, Patrizia Meyn, äußerte sich nicht zu den neuesten Entwicklungen. Sie sei unterwegs, ließ sie wissen. Augustusburgs Bürgermeister Dirk Neubauer (parteilos) und Schwarzenbergs Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer (CDU) lehnten Stellungnahmen ab. Glashüttes Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) sagte nur, er habe demnächst einen Termin mit dem Welterbe-Verein.

Auch der Welterbe-Verein blockte gestern ab. Er erklärte auf Anfrage nichts zu den möglichen Ausschlüssen, die intern diskutiert werden. Er werde dazu keinen Kommentar abgeben, machte Projektmanager Matthias Voigt deutlich. Zunächst wolle der Verein mit allen betroffenen Regionen reden, bevor die Öffentlichkeit informiert werde. Zudem gebe es Ende des Monats erst die finale Entscheidung über die zukünftige Struktur der Bewerbung. Das betont auch Helmuth Albrecht, Professor für Industrie-Archäologie an der TU Freiberg, der die Titelambitionen der Montanregion Erzgebirge wissenschaftlich betreut: "Es steht noch nicht fest, welche Objekte aus der Bewerbung gestrichen werden. Der Prozess läuft, letztendlich müssen die Kommunen selbst entscheiden."

Der Beschluss wird ihm zufolge am 28. November fallen. Die Zeit drängt. Der Welterbe-Verein will die überarbeitete Bewerbung nach bisherigem Zeitplan im Januar bei der Unesco einreichen, die den Welterbe-Titel vergibt. Dann könnte im besten Fall der Titel im Jahr 2018 ans Erzgebirge vergeben werden.

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