Wenn Herr Kretschmer durchklingelt

Norman Pörschke wollte mit einem offenen Brief verhindern, dass Betriebskantinen schließen. Das gelang nicht, aber der Einsatz für seine Branche hatte nun unerwartete Folgen.

Annaberg-Buchholz/Dresden.

Es waren klare Worte, die Norman Pörschke vor einigen Tagen fand, als er einen offenen Brief verfasste. Das war vor der Entscheidung über die aktuelle Corona-Schutzverordnung, in der unter anderem steht, dass Betriebskantinen, soweit es die Abläufe in den Unternehmen zulassen, aufgrund der Coronapandemie geschlossen werden müssen. Die Gerichte dürfen nur zum Mitnehmen angeboten werden. Eine Mittagspause außerhalb des Büros oder Pausenraums ist nun nicht mehr möglich.

Für den Betreiber mehrerer Betriebskantinen in Annaberg-Buchholz und Chemnitz ist das nach wie vor unlogisch. Gerade seine Kantine in der Agentur für Arbeit in Annaberg, in die unter anderem auch Mitarbeiter des Landratsamtes kommen, die sich um die Kontaktnachverfolgung kümmern, seien die Bedingungen deutlich besser als am Arbeitsplatz. Es gibt eine aktive Versorgung mit Frischluft, die Daten der Anwesenden werden gesammelt, desinfiziert wird sowieso. Zudem wollte Norman Pörschke seinen Kunden, die gerade eine wichtige Arbeit leisten, die Mittagspause retten.

Seinen Brief veröffentlichte er auf Facebook, schickte ihn an die Landesregierung und verschiedene Politiker. Dann geschah erst einmal nicht viel. Reaktionen vonseiten der Politik blieben aus. Norman Pörschke empfindet es als enttäuschend, dass das auch auf die CDU-Landtagsabgeordneten aus der Region zutraf. Doch dann klingelte eines morgens sein Handy. Am anderen Ende meldete sich ein Mann, sein Name Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen. Damit hatte er als Letztes gerechnet.

Überrascht war er, aber nicht aufgeregt, erzählt Norman Pörschke. "Es war ein sehr konstruktives Gespräch", so der Pobershauer. Um die Anordnung, dass Betriebskantinen nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten dürfen, sei es nur in zweiter Linie gegangen. Die Entscheidung sei durch. "Pörschis Kantine" in der Agentur für Arbeit ist bereits seit Tagen mit Sperrbändern versehen. Die Tische sind gesperrt. Doch dem Erzgebirger geht es auch um was anderes. Um die Akzeptanz von Einschränkungen zu erhöhen, müssen die Bürger sie nachvollziehen können. Dazu könnten vor allem die Menschen von der Basis beitragen. "Die Politiker sollten sich nicht nur Wissenschaftler anhören", so der Kantinenbetreiber. Nur wer in einer Kantine arbeitet, weiß wirklich, wie es vor Ort ist.

Seine Ideen kamen bei Michael Kretschmer offenbar gut an. Bei einem Telefonat soll es nicht bleiben. Die Idee: eine Art runder Tisch mit Menschen, die genau dort arbeiten, wo die Einschränkungen greifen - Friseure, Kantinenbetreiber, Einzelhändler, Eltern ... Regierungssprecher Ralph Schreiber bestätigt das. Ministerpräsident Kretschmer sei es wichtig, mit den unmittelbar Betroffenen ins Gespräch zu kommen.

Nun hat Norman Pörschke einen weiteren Brief veröffentlicht. "Mir geht es vor allem darum, mit anderen betroffenen Menschen verschiedener Bereiche sowie Mitgliedern der Landesregierung in regelmäßigen Gesprächen gemeinsame Wege im Umgang und der Bekämpfung der Pandemie zu entwickeln", heißt es da. Daher sucht der Mann aus Pobershau nun Interessierte, die sich wie er konstruktiv einbringen wollen.

Den gesamten Aufruf und ein Statement von Norman Pörschke finden sie unter:

facebook.com/

PoerschisKantineAnnaberg

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