"Wenn ich unzufrieden bin, hake ich nach"

Zehn Jahre im Amt: Steffen Schneider blickt auf seine bisherige Zeit als Oederaner Bürgermeister zurück - und nach vorn

Oederan.

Heute auf den Tag ist es zehn Jahre her, dass Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler) seinen ersten Amtseid ablegte. Über Vergangenheit und Zukunft sprach er mit Ingolf Rosendahl.

Freie Presse: Nachdem wir Sie an Ihr Jubiläum erinnert haben: Was hat sich bei Ihnen eingeprägt?

Steffen Schneider: Ich erinnere mich daran, dass mir mein Vorgänger Gernot Krasselt im Bürgersaal die Siegel in die Hand drückte, als Insignien des Amtes. So manche Formulierung meiner Antrittsrede habe ich auch im Gedächtnis. Ansonsten war es eine Veranstaltung mit tausend Glückwünschen. Der Landrat, damals noch Volker Uhlig, versuchte durch wohlgemeinte Worte, mir die ersten 100 Tage Schonfrist auf das Dreifache zu verlängern.

Was waren die dicksten Brocken in diesen zehn Jahren?

Der Bau unserer neuen Sporthalle, das jüngste Hochwasser. Und wir hatten im Straßenbau einiges zu tun. Außerdem ist der Schulstandort gut vorangekommen. Damit bin ich ganz zufrieden. Nicht alltäglich waren auch die Veranstaltungen im Bürgersaal, als es um die Flüchtlinge ging, die dann doch nicht kamen. Die Bürger wollten über Anzahl, Termine und Unterbringung informiert werden. Es war so voll, dass wir zwei Veranstaltungen durchführen mussten. Und es wurden auch eine Menge teils abseitiger Fragen gestellt beziehungsweise Behauptungen aufgestellt. Unterm Strich war das eine Erfahrung, die bleibt.

Sie waren zuvor einige Jahre lang Hauptamtsleiter. Inwiefern hat sich das auf Ihre Bürgermeistertätigkeit ausgewirkt?

Das hilft definitiv. Man hat einen Überblick über die Verwaltung, und wie sie intern funktioniert. Man kennt Stärken und Schwächen der Mitarbeiter und weiß, wo man ansetzen kann, um etwas zu verbessern. Das gelingt einem Quereinsteiger nicht so einfach. Durch die Tätigkeit im Hauptamt habe ich viele Sachen selbst beackert und konnte darum Erfahrungen und vor allem Kontakte sammeln. Die sind nach wie vor das A und O.

Gab es einen Moment, in dem Sie hinwerfen wollten?

Nicht wirklich. Zur letzten Wahl habe ich vieles Revue passieren lassen. Während des Wahlkampfes war ich etwas sensibler aufgrund der Fülle von Information, die auf einen einströmt, darunter auch so mancher Blödsinn, der durch die Medien geistert. Da ärgert man sich. Das reicht aber nicht, um hinzuschmeißen.

Auf Ihrer Homepage www.steffen-schneider.de steht: Hier wird gebaut. Passt das zu dem, womit Sie derzeit am meisten zu tun haben?

Die Seite ist uralt und sollte längst komplett abgeschaltet sein. Aber es ist richtig: Wir bauen viel. Wir haben ein Bauamt, das dafür zuständig ist und diese Aufgabe auch bewältigt. Aber in bestimmten Bereichen schaue ich gern genauer hin. Wenn ich weiß, dass es funktioniert, rede ich meinen Kollegen nicht rein, es sei denn, ich bin grundsätzlich anderer Meinung. Wenn ich aber unzufrieden bin, hake ich selber nach.

Zum Beispiel bei der Dauerbaustelle Rathaus.

Das Problem dort ist der Statiker. Ich bin mit der Situation nicht glücklich. Aber wir sind da auch Getriebener unserer Vorschriften. Anfangs hatten wir einen eigenen Statiker, der alles machen sollte. Von Seiten der Denkmalbehörde wurde uns jedoch ein anderer Statiker empfohlen. Da es sich beim Rathaus nun mal um das Denkmal Nr. 1 der Stadt handelt, sind wir darauf eingestiegen. Den ganz alten Teil des Gebäudes sollte also der empfohlene Kollege übernehmen, den neueren Teil zur Freiberger Straße unser Statiker. Das war bereits eine Besonderheit. Als aber der empfohlene Fachmann dann kündigte, kam das ganze System ins Wanken. In der Folge mussten wir den Statiker europaweit ausschreiben. Das kostete viel Zeit und Geld. Trotzdem bekamen wir bei der Ausschreibung kein Angebot. Daher warten wir nun auf eine Antwort von der Sächsischen Aufbaubank, ob wir den Auftrag freihändig vergeben dürfen. Doch auch eine weitere europaweite Ausschreibung ist nicht ausgeschlossen. Heute muss ich sagen: Wir hätten mit dem Rathaus früher anfangen müssen.

Stichwort Breitbandausbau: Der Freistaat übernimmt komplett die zwei Millionen Eigenmittel der Baukosten. Unklar ist aber, wer für Mehrkosten aufkommt. Zudem gibt es Mahnungen, Oederan hätte sich mit dem Aufbau eines eigenen Netzes übernommen. Wie sehen Sie das?

Das kann nur jemand befürchten, der in den Verträgen und Verhandlungen nicht drinsteckt. Ich sehe dieses Problem nicht. Am Ende ist es eine Frage der Vertragsgestaltung. Wenn Sie einen zuverlässigen und erfahrenen Partner finden, der das Netz betreibt, sind Sie da gut aufgehoben. Ich habe da keine Sorge, auch nicht wegen der möglichen Mehrkosten des Netzausbaus. Nach meinen Kenntnissen trägt der Freistaat auch die Kosten. Aber schwarz auf weiß habe ich das noch nicht.

Was sind denn die nächsten dicken Brocken?

Mit Abstand der Breitbandausbau. Das gesamte Stadtgebiet aufzugraben, das ist eine bautechnische Herausforderung, höchstens vergleichbar mit der, als das Kanalsystem geschaffen wurde. Ich hoffe, dass wir da einen potenten Partner finden. Denn allein mit den Kräften in unserem Bauamt ist das nicht zu leisten. Ansonsten hoffe ich, dass wir von Naturkatastrophen verschont werden. Wir absolvieren bis heute Maßnahmen, die dem besseren Hochwasserschutz dienen. Und es gibt noch einiges im Straßenbau zu erledigen: So schön es ist, dass wir die Hainichener Straße zwischen Räuberschenke und Ortsteingang saniert bekommen haben: Wenn man dann aber bis zur B 173 weiter fährt, ist die Straße eben noch holprig.

Nächstes Jahr sind Kreistags- und Landtagswahlen. Was erhoffen Sie, was befürchten Sie?

Ich hoffe, dass aus den Wahlen eine stabile und verlässliche Regierung entsteht. Ich befürchte aber, dass die etablierten Parteien erheblich Federn lassen und wir damit zu einer Regierungsbildung kommen, bei der ich mir nicht sicher bin, ob wir hinterher auch eine vernünftige, regierungsfähige Mannschaft in Dresden haben werden. Ich empfinde die Landespolitik im Moment als eine Art Geschenkeverteilen, in der Hoffnung, sich im nächsten Jahr einen Wahlerfolg zu sichern. Ich glaube aber nicht, dass der Bürger das nicht durchschaut. Es wird viel versprochen, ich bezweifle aber, dass man sich an alles hält und sich um all das kümmert, was man da an Kritik entgegennimmt.

Wir verzeichnen eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft durch das Top-Thema Migration. Inwiefern können Sie da auf lokaler Ebene Einfluss nehmen?

Es kommt immer darauf an, wie stark man mit dem Thema konfrontiert ist. Es betrifft uns eher weniger, weil wir keine Flüchtlinge nach Oederan bekommen haben. Dafür sind wir in anderen Bereichen aktiv, haben zum Beispiel an der Grundschule Daz-Klassen, wo problemlos Kinder mit Migrationshintergrund integriert werden. Ansonsten haben wir ein Dutzend Nationen in der Stadt, keine Neuankömmlinge, sondern bereits integrierte Mitmenschen, mit denen es meist keine Probleme gibt. Im Erlebnisbad hatten wir zum Beispiel während der Saison einen Iraker als Rettungsschwimmer beschäftigt, der seine Arbeit super erledigt hat. Trotz dieser Beispiele verschließe ich nicht die Augen vor den Problemen in größeren Städten. Wenn sich alle Neuankömmlinge an unsere Gesetze und Gepflogenheiten halten würden, wäre diese Frage auch nicht nötig gewesen.


Zur Person

Steffen Schneider ist Jahrgang 1965 und schloss sein Studium an der TU Dresden als Diplomingenieur für Feinwerktechnik ab. Berufsbegleitend studierte er an der Sächsischen Verwaltungsakademie Chemnitz. Sein Abschluss: Verwaltungsbetriebswirt. Zudem ist er Ausbilder für den öffentlichen Dienst. Von 1992 bis 2008 war Schneider Hauptamtsleiter in der Stadtverwaltung Oederan. Am 11.September 2008 legte er seinen ersten Amtseid als Bürgermeister ab und löste seinen Vorgänger Gernot Krasselt ab, der in den Kreistag wechselte. (dahl)

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