Wenn Steine und Pläne zueinander finden

Nachdem der Standort der mittelalterlichen Schmelzhütte in Falkenau feststeht, verraten archäologische Untersuchungen weitere Details zu dem Gebäude.

Falkenau.

Die kleinen, schwarzbraun glasierten Keramiksplitter zeigen den Archäologen zweierlei. Zum einen lässt sich daraus ableiten, dass die Schmelzhütte nahe der Schwarzen Brücke am Ufer der Flöha wohl wirklich 1587 errichtet wurde - so wie es die historischen Quellen besagen. Zum anderen belegen die Überreste der Ofenkacheln, dass am Flöha-Ufer nach modischen Trends gebaut wurde. Denn diese Art Ofenkacheln tauchen erst ab den 1560er-Jahren auf, sagt Dr. Christoph Heiermann. Er ist Pressesprecher des Landesamtes für Archäologie in Dresden, das Anfang Mai eine Sicherungsgrabung veranlasste, nachdem bei den Arbeiten zum Hochwasserschutz an der Schwarzen Brücke die Überreste der Schmelzhütte freigelegt wurden.

Der Heimatforscher Mike Glöckner hatte schon lange vermutet, dass sich die in historischen Quellen und in der Falkenauer Ortschronik bei Hetzdorf verzeichnete Schmelzhütte viel weiter flussabwärts befunden haben muss. 2012 fand er nahe dem Lehngut Schlackeklumpen am Straßenrand. Außerdem hat er sich die historischen Skizzen der Hüttenanlage genauer angeschaut. Die Lagepläne passen einfach nicht nach Hetzdorf. Es gibt dort zwar auch einen Mühlgraben, wie in den Plänen verzeichnet, doch befindet der sich in Hetzdorf auf der anderen Flussseite. "Dann hätte die Flöha an dieser Stelle bergauf fließen müssen. Oder rückwärts", sagt Glöckner. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der regionalen Bergbaugeschichte.

Von 1562 an wurde in Falkenau Silbererz gefördert. Bis zu 29 Gruben muss es vor dem Dreißigjährigen Krieg im Falkenauer Zechengrund gegeben haben. Glöckner hat viele Informationen gesammelt und bewertet. Die Schlackefunde und die Lagepläne ließen ihn schlussfolgern, dass sich die kurfürstliche Schmelzhütte nahe der Schwarzen Brücke befunden haben muss.

Die Funde haben seine Theorie bestätigt. Die Archäologen des Landesamtes haben Reste eines Schmelzofens sowie Gebäudestrukturen dokumentiert. "Der Ofen bestand aus mehreren Beschickungshorizonten, sogenannten Ofentennen, die zeigen, dass er mehrfach genutzt wurde. Zahlreiche Schlackefunde im und um den Ofen gaben Hinweise auf das verhüttete Erz", sagt Referatsleiterin Dr. Christiane Hemker. Die erste Analyse offenbarte, dass silberhaltige Bleierze verarbeitet wurden. "Weiterführende geochemische Analysen an den geborgenen Sedimentproben aus den Ofenresten sollen das bestätigen", so Hemker. Der Schmelzofen war eingefasst von zwei massiven Bruchsteinmauern, die zusammen mit weiteren, ähnlichen Resten einen Eindruck von der Dimension des Gebäudes geben. Ursprünglich haben hier wohl vier Schmelzöfen gestanden. Bei der Grabung sind Außenmauern, Zwischenwände sowie ein Pfeilerfundament erfasst worden. Die Archäologen gehen von einem größeren, hallenartigen Gebäude aus.

Den historischen Unterlagen zufolge wurde die Schmelzhütte 1587 erbaut und wahrscheinlich im Dreißigjährigen Krieg weitgehend zerstört. Ein Grundrissplan aus den Jahren 1610 oder 1611 zeigt, dass es sich um ein größeres Gebäudeensemble gehandelt hat, zu dem neben der eigentlichen Schmelzhütte noch ein Pochwerk, ein Huthaus und ein Wohnhaus gehörten. Und noch eine wichtige Erkenntnis: Die mit der Grabung freigelegten Mauern lassen sich gut in den Grundriss einpassen. Der Lageplan scheint also zu stimmen, auch wenn er lange Zeit falsch verortet war.

Auch wenn in Falkenau noch bis 1842 Silbererz gefördert wurde, so hat sich der Bergbau nie von den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges erholt. 244,3 Kilogramm Silber wurden in 300 Jahren Bergbaugeschichte in Falkenau gefördert.

Die Überreste der kurfürstlichen Schmelzhütte wurden mit Spezialtextil abgedeckt und wieder verfüllt. Die Arbeiten zum Hochwasserschutz werden nach einer kurzen Pause in den nächsten Tagen am Mühlgraben fortgesetzt.

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