Wer zu spät bremst, den bestraft die Kurve

Die Soldatengrabkurven auf der B 173 waren lange das große Sorgenkind der Verkehrsexperten. Jetzt rückt eine andere Kurve in den Mittelpunkt.

Flöha.

Katrin Jope ist seit vielen Jahren Vorsitzende der Unfallkommission in Flöha. Genau genommen "seit vielen, vielen, vielen Jahren", sagt die Leiterin der Straßenverkehrsbehörde im Rathaus der Großen Kreisstadt. Solange sie sich zurückerinnern kann, waren die beiden Soldatengrabkurven auf der Bundesstraße 173 am Falkenauer Berg immer ein Unfallschwerpunkt, oft sogar Mittelsachsens Unfallschwerpunkt Nummer eins. In diesem Jahr fehlen die Soldatengrabkurven erstmals in der Liste der Unfallschwerpunkte.

Für Katrin Jope kommt das einer Sensation gleich. Die Behörden haben in der Vergangenheit viel versucht, um die tückische Doppelkurve am Falkenauer Berg zu entschärfen. Ein Tempolimit bringt an dieser Stelle nichts, weil bei Nässe oder Reifglätte sogar schon 30 Kilometer pro Stunde zu schnell sein können. Warnschilder und extra große Kurvenpfeile sollten Auto- und Motorradfahrer sensibilisieren. 2014 zog die Unfallkommission sogar Rüttelstreifen in Erwägung. Stattdessen entschied man sich aber zunächst für eine Doppellinie auf dem Asphalt. "Die bewirkt einen Bremsreflex, weil der Fahrzeugführer eine Verengung der Fahrspur wahrnimmt", erklärt Katrin Jope. 2015 wurde zudem die Fahrbahndecke erneuert. Wahrscheinlich sind es alle Maßnahmen zusammen, die dafür gesorgt haben, dass in den vergangenen drei Jahren die Häufigkeit und die Schwere der Unfälle abgenommen haben, sodass die beiden Soldatengrabkurven erstmals kein Unfallschwerpunkt mehr sind.


Dafür taucht eine andere Kurve neu als aktuell einziger Unfallschwerpunkt in Flöha auf: Es ist die Kreisel-Kurve ausgangs der Ortsumfahrung zum Übergang auf die S 233 nach Augustusburg. Vier für die Schwerpunktstatistik maßgebliche Unfälle gab es hier von 2016 bis 2018. Alle vier Unfälle passierten in Fahrtrichtung Augustusburg im ersten Drittel der Kurve. Unfallursache war jeweils unangepasste oder hohe Geschwindigkeit. Drei der vier Unfälle betrafen Motorradfahrer, die jeweils ohne Fremdeinwirkung stürzten, und zwar jeweils am Sonntagnachmittag. Ein typisches Muster für ortsfremde Fahrer, die wohl die Kurve trotz Warnschild und Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 auf 50 Kilometer pro Stunde unterschätzt haben. Es gab an dieser Stelle weitere ähnliche Unfälle mit Sachschäden, die aber für die Bewertung nicht maßgeblich sind.

Die Kurve, die annähernd einen 360-Grad-Kreisbogen beschreibt, ist ein Provisorium, um den ersten Abschnitt der Ortsumfahrung an die vorhandene Staatsstraße nach Augustusburg anzubinden. Wird die Ortsumfahrung weitergebaut, verschwindet der Kreisel. Deshalb wird es auch keine baulichen Maßnahmen geben, um den Unfallschwerpunkt zu entschärfen. Die Unfallkommission, zu der neben Katrin Jope Vertreter der Polizei und der Straßenbaulastträger sowie manchmal auch externe Verkehrsexperten gehören, einigte sich nach ihrem jährlichen Treffen Anfang Mai zunächst darauf, die Beschilderung zu ändern.

Demnach kommt zuerst die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h und danach in kurzem Abstand die Warnung vor der gefährlichen Kurve. Das Warnschild wird zudem mit dem Zusatzschild Unfallschwerpunkt ergänzt.

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