Wie Anne Franks Geschichte überlebt

90 Jahre alt wäre sie heute, doch sie starb mit 15 im KZ. Ihr Tagebuch ist weltberühmt. Jugendliche aus Flöha lernen auch auf anderen Wegen, was Anne in der NS-Zeit erlebt hat.

Flöha.

Zugegeben: Das Tagebuch der Anne Frank finden sie "nicht so spannend". So sagen es einige Siebtklässler, die am gestrigen Mittwoch vor der neuen Ausstellung über ihr Leben im Flöhaer Pufendorfgymnasium steht. Dennoch ist der Medienraum am Nachmittag gut gefüllt mit Schülern, die sich die Verfilmung anschauen, statt ins Freibad zu gehen. Die Geschichte des Mädchens, das sich mit ihrer jüdischen Familie vor den Nazis in einem Hinterhaus in Amsterdam versteckte, verraten wurde und 1945 im Konzentrationslager starb, berührt Jugendliche auch 74 Jahre später noch. Nun greifen neue Medien die Erzählung auf.

Auf dem Lehrplan steht das Buch nicht, berichtet Deutschlehrerin Jana Erath. Aber die Pädagogen können es in der siebten Klasse behandeln, und einige tun es auch. "Es ist nicht nur das Tagebuch eines pubertierenden Mädchens - sie war talentiert", sagt die Lehrerin. Das hat auch Marcus (12) begeistert. Und Nicolas (12) fand es spannend, "wie sie mit der Angst gelebt haben, entdeckt zu werden." Das über Anne Frank noch gesprochen wird, finden sie richtig. "Weil die Parolen noch da sind", ergänzt Moritz (13). Annes Leben als Film? Gute Idee, sagen die Jungs. "Damit kann man besser zeigen, wie sie damals gelebt haben", so Moritz.


Für Ruben Otto (19) und Laurin Quaiser (19) liegt die siebte Klasse eine Weile zurück. Aber wie Anne das Leben draußen nur durch einen Spalt verfolgen darf, solche Szene haben sich eingebrannt. Sie gehören zur Arbeitsgruppe "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", die den Anne-Frank-Tag am Gymnasium geplant hat - mit Ausstellung, Film und einem Workshop mit Irmela Mensah-Schramm. Die Aktivistin putzt Hass-Graffiti weg oder übermalt sie positiv - damit aus der angedrohten nicht wieder körperliche Gewalt wird, wie bei Anne, wie sie sagt. "Hass zu übersprühen ist ein guter Weg, um der Spaltung der Gesellschaft entgegen zu wirken", sagt Ruben. Nach Absprache mit der Stadt hatte die AG 2018 Hass-Sticker in Flöha entfernt. "Es ist wichtig Annes Geschichte wachzuhalten und die Brücke zu den menschenverachtenden Einstellungen von heute zu schlagen", erklärt AG-Betreuer und Lehrer Martin Breiting. "Ein Tag extra für Anne Frank ist cool", sagen Natalie und Thaomy (18) danach.

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