Wie aus Hilfe Freundschaft geworden ist

Mauerfall 89: Die erst Fahrt in den Westen

Eppendorf.

Heute jährt sich der Tag , an dem der DDR-Politiker Günter Schabowski 1989 im Rahmen der legendären Pressekonferenz mit seinem "Versprecher" den Mauerfall eingeleitet hatte, zum 30. Mal. Damals setzte sofort eine Reisewelle ein. Die Eppendorfer Gemeinderätin Ulrike Seyfert erinnert sich noch genau an diese spannenden Zeit.

"Wir entschlossen uns, mit den Schwiegereltern in deren Wartburg sowie mit unseren beiden Kindern nach Hof zu fahren. 100 D-Mark Begrüßungsgeld waren ein gutes Lockmittel", berichtet die Eppendorferin. Der Ausflug zog sich hin, die Autobahn Richtung Bayern war voll. "Aber alle waren euphorisch. Es wurden Fahnen geschwenkt, gehupt, gejubelt. Wir kamen erst nach 20 Uhr in Hof an", erinnert sich Ulrike Seyfert und ergänzt: "Dort wurden alle ,Ossis' gleich in ein evangelisches Gemeindezentrum weiter geleitet. Die Einheimischen hatten Essen und Getränke gebracht. Im Keller waren Matratzen ausgebreitet, auf denen ich mich nach der anstrengenden Fahrt als schwangere Frau im vierten Monat zusammen mit meiner damals neunjährigen Tochter ausruhen konnte".

Ein regionaler Radiosender rief dazu auf, den gestrandeten Ostdeutschen Schlafplätze anzubieten. "Wir verbrachten die Nacht bei einer Familie in Feilitzsch bei Hof. Die Frau arbeitete als Berufsschullehrerin, der Mann war Zollbeamter. Sie waren total nett und freundlich", sagt die Gemeinderätin. Aus diesem ersten Kontakt entwickelte sich eine Freundschaft. "Auch wenn wir aus unterschiedlichen Welten kamen und unterschiedliche Hobbys hatten, gab es viel Gesprächsstoff."

Seit 30 Jahren treffen sich die Familien aus Eppendorf und Feilitzsch mindestens einmal im Jahr - wechselnd in Bayern und Sachsen. "Dieses Wochenende bekommen wir wieder Besuch. Ich glaube, dass wir eine der wenigen Familien sind, bei denen ein politischer 'Versprecher' zu einer 30-jährigen Freundschaft führte, die trotz Meinungsverschiedenheiten in manchen Dingen bis heute hält", sagt Ulrike Seyfert.

Ein Gedenkgottesdienst zur friedlichen Revolution findet am Sonntag ab 10 Uhr in der Kirche in Eppendorf statt. Danach gibt es Gelegenheit, bei einer Tasse Kaffee persönliche Erinnerungen auszutauschen. Die Ausstellung der Bundesstiftung Aufarbeitung sowie kurze Videos bilden den Rahmen dafür.

Weitere Geschichten zum Mauerfalljubiläum finden Sie auf den Seiten 12 und 13.

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