Wie ein Denkmal Zukunft hat

Die Alte Baumwolle ist beinahe ein Dauerbrenner am Denkmaltag in Flöha. Diesmal war der Einblick ein Ausblick. Und es gab eine aktuelle Nachricht.

Der Turm der Alten Baumwolle ist beinahe das Wahrzeichen Flöhas.
Das zweite Obergeschoss war einst Maschinensaal. Wände, Decke und Boden wurden gereinigt. Zwei solche Säle gibt es über dem künftigen Rewe-Markt.
Die Dachkonstruktion im früheren Maschinenhaus, wo einst die Dampfmaschine schnaufte, wurde denkmalgerecht saniert, das Dach neu aufgebaut.
Knapp 300 Schaulustige nutzen die Gelegenheit zu Führungen durch die Baumwolle-Baustelle.

Für Sie berichtet: Matthias Behrend

Man müsste meinen, dass über die Alte Baumwolle in Flöha alles gesagt ist. Mehrfach waren die Fabrikgebäude in der Vergangenheit Anlaufpunkt, zuletzt im vergangenen Jahr zum Tag der Städtebauförderung. Doch wer damals das Angebot der Führungen nutzte und gestern zum Tag des offenen Denkmals erneut, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben. Der Neubau wird seit Anfang des Jahres zu einem Einkaufszentrum umgebaut. Und um eine der gestern meist gestellten Fragen gleich vorab zu beantworten: Der neue Rewe-Markt sowie die anderen Geschäfte werden voraussichtlich erst Ende April oder Anfang Mai kommenden Jahres öffnen. Das ließ Investor Martin Neuß gestern übermitteln. Eigentlich sollte das neue Einkaufszentrum für Flöhas Mitte zum Jahresende fertig sein.

Knapp 300 Schaulustige nutzten gestern Vormittag die Gelegenheit zu einem Rundgang über die Baustelle. Der Leiter der Bauverwaltung im Flöhaer Rathaus, Andre Stefan, erläuterte, wie Investor und Denkmalschutzbehörde gute Kompromisse zwischen dem Anspruch auf Erhalt historischer Substanz und den zeitgemäßen Nutzungserfordernissen gefunden haben. Ein Lob ging ausdrücklich an die Landkreisverwaltung für die zügige Abwicklung des Genehmigungsverfahrens. Vor allem bei der Gestaltung der Außenfassade wurden Vorgaben des Denkmalschutzes beachtet: Die Klinkerfassade wurde gereinigt und ausgebessert, die Fugen in Handarbeit zurückgesetzt, um die Fassadencharakteristik stärker hervorzuheben. Die neuen Fenster haben den Originalfarbton tannengrün. Wichtig für den Denkmalschutz war der Dachaufbau im früheren Maschinenhaus. Die beinahe filigranen Stahlträger wurden saniert, ebenso die historische Kranbahn. Das Dach darüber ist komplett neu. Staunen rief das vormals dritte und jetzt zweite Obergeschoss bei den Besuchern hervor - ein beinahe Fußballfeld-großer Saal mit eindrucksvollem Rundumblick über Flöha. Zwei solche Maschinensaal-Etagen gibt es über den künftigen Einkaufsmärkten. Beide wurden gereinigt und es wurden neue Fenster eingebaut. Viele der Besucher mochten nicht glauben, dass die beiden eindrucksvollen Etagen zunächst ungenutzt bleiben. Ein weiterer Ausbau sei aufgrund der Vorbereitung später problemlos möglich, sagte Andre Stefan. Aktuell gebe es aber keine Nutzung.

Auch die Villa Gückelsberg in Flöha war am gestrigen Denkmaltag wieder Anlaufpunkt. Wenngleich das Hochzeitsspektakel der historischen Bausubstanz diesmal ein wenig die Show gestohlen hat - Sylva Michèle Sternkopf war am Nachmittag sehr zufrieden mit der Besucherresonanz. Die Angebote rund ums Heiraten stießen auf großes Interesse, mehr als zehn Paare erschienen im Brautkleid und Hochzeitsanzug. Einige der 500 Paare, die in den vergangenen zehn Jahren in der Villa Gückelsberg getraut wurden, nutzten wohl die Gelegenheit ihre Hochzeit noch mal Revue passieren zu lassen, sagte Sylva Michèle Sternkopf. Zudem gab es auch Führungen, bei denen sie die Villa als Denkmal vorgestellt hat.

In der historischen Schauweberei in Braunsdorf zählte Andrea Weigel etwa 250 Besucher. Die neuen Zeitzeugenvorträge, die am Vormittag gezeigt wurden, verleihen der Ausstellung in den historischen Maschinenräumen einen ganz neuen Aspekt, so Andrea Weigel: "Das sind teils sehr berührende Geschichten."

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