Wie eine Schockdiagnose ein junges Leben verbesserte

Stephanie Barth stand kurz vor dem Abschluss ihres Lehramtsstudiums, als bei ihr Brustkrebs festgestellt wurde. Nach einer langwierigen und oft schmerzhaften Therapie sagt sie heute: Es ging ihr nie besser. Dieses Gefühl will sie nun weitergeben.

Niederwiesa/Chemnitz.

Menschen stehen im Mittelpunkt ihrer Bilder. Schwangere Frauen, Babys, Liebespaare - die Fotos von Stephanie Barth wirken nie inszeniert, echte Gefühle werden transportiert. Meist sind es Glücksgefühle. Dass sie ein Händchen für gute Aufnahmen und ein Auge für die perfekten Momente hat, wurde der jungen Frau schon oft gesagt. Doch es brauchte erst einen heftigen Schicksalsschlag, dass sie diese Begabung auch zum Beruf machte. Erst, als bei ihr im vergangenen Sommer Brustkrebs diagnostiziert wurde, änderte Stephanie Barth ihr Leben. Weil sie es musste. Und weil sie es wollte.

Aufgewachsen ist die 28-Jährige in Niederwiesa, Abitur hat sie am Flöhaer Gymnasium gemacht. "Danach war ich drei Jahre im Ausland unterwegs, anschließend habe ich Lehramt studiert", erzählt sie. Gymnasiallehrerin für Englisch und Sport wollte sie werden. Ein Beruf, der zu ihr passte. Ob er auch Leidenschaft hätte werden können, weiß Stephanie Barth nicht. Denn sie schloss ihr Studium nie ab.

Vier Wochen vor Ende des Referendariats am Gymnasium in Limbach-Oberfrohna wurde die größte Angst der damals 27-Jährigen wahr: Sie hatte Brustkrebs. "Ein dreiviertel Jahr lang hatte ich vorher schon etwas ertastet, bin von einem Arzt zum anderen gerannt. Aber keiner konnte sagen, was es war", erzählt sie. Bis sie schließlich einen Mediziner fand, der die richtige Diagnose erstellte. "Als ich Klarheit hatte, bin ich ins Gymnasium gefahren und habe mich verabschiedet", sagt Stephanie Barth. "Ich wusste ja, dass ich nach dem Referendariat nicht an der Limbacher Schule übernommen werde. Also war es von dort ein vorzeitiger Abschied." Ob es auch ein endgültiger Abschied sein würde, wusste sie damals nicht.

Anschließend ging alles schnell. Binnen weniger Wochen wurde Stephanie Barth operiert, es folgte die Chemotherapie. "Die Ärzte haben gewarnt, dass es eine der härtesten Behandlungen sein würde, die es gibt", sagt sie. "Ich sollte mich auf alles gefasst machen." Doch Stephanie Barth ignorierte das. Statt sich zu fürchten oder mit dem Schicksal zu hadern, schmiedete sie Zukunftspläne. "Ich hatte schon immer den Traum, als Fotografin zu arbeiten", sagt sie. "So komisch das jetzt klingen mag - aber während der Therapie hatte ich endlich die Zeit, mich intensiver damit zu beschäftigen." Sie baute eine eigene Webseite auf, schickte Angebote raus, erhielt auch schnell erste Aufträge.

Als sie im Januar dieses Jahres aus dem Krankenhaus entlassen wurde, startete sie sofort durch, arbeitete vom ersten Tag an als freiberufliche Fotografin. "Auch das haben die Ärzte damals nicht für möglich gehalten. Aber ich wollte das. Ich wollte über meine Grenzen hinausgehen." Across borders - über Grenzen hinweg. So heißt die Webseite der Fotografin, die jetzt in Chemnitz lebt und arbeitet. Und so heißt das neueste Projekt, dem sie sich widmet. "Ich möchte meine Arbeit neu ausrichten und Menschen fotografieren, die über sich hinausgewachsen sind. Ich drehe auch Imagefilme."

Und da ist noch ein Projekt, dem Stephanie Barth aktuell sehr viel Zeit widmet. Sie hat ein Buch geschrieben. Ein Mutmacherbuch, wie sie es nennt. "Wunder & Schön" heißt es, darin erzählt sie mit Bildern und Texten die Geschichten von fünf starken Frauen, die den Krebs besiegt haben. Eine dieser Frauen ist sie selbst. "Als ich nach der Therapie sofort mit dem Arbeiten angefangen habe, sagten viele Freunde zu mir, dass meine Geschichte so inspirierend sei, dass ich sie aufschreiben müsse", erzählt Stephanie Barth. "Ich habe damit auch angefangen. Aber dann habe ich gedacht: Das, was mir hilft, muss nicht zwingend auch anderen Frauen helfen."

Also erinnerte sie sich an andere Patientinnen, die sie während der Therapie kennengelernt hatte und schrieb auch deren Geschichten auf. Das Resultat ist ein Buch, das die Autorin jetzt kostenlos an Frauenärzte und Selbsthilfegruppen verteilen will. "Wenn eine Frau die Diagnose Krebs erhält, soll sie sofort mein Buch in die Hand gedrückt bekommen. Das wäre mein größter Wunsch", sagt sie. Finanziert wurde die erste Auflage von 800 Stück über ein Crowdfunding. Und es sollen noch viele Exemplare mehr folgen. "Das aktuelle Zwischenziel der Sammelaktion ist zwar erreicht, aber es gibt keine Grenze nach oben", sagt Stephanie Barth. Und dabei lacht sie über das ganze Gesicht.

Das Crowdfunding für das Buch "Wunder & Schön" läuft noch bis 18. Dezember: www.startnext.com/wunderschoen

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