Wie Feuerwehrleute Fische retten

Durch die Hitze mangelt es in den Teichen an Sauerstoff. Karpfen und Co. drohen zu ersticken. Mit moderner Technik haben die Eppendorfer Kameraden die Wassertemperatur gesenkt.

Eppendorf.

Die Rettungsaktion für Hecht, Zander und Wels wird als Premiere in die Chronik eingehen. Am Dienstagabend sind die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Eppendorf zu einem ungewöhnlichen Hitze-Einsatz in den Teichweg gefahren. Zwar rückendie Feuerwehrleute regelmäßig zu Hilfeleistungen auch für Tiere aus: Fische jedoch wurden noch nie gerettet.

"Wir helfen den Mitgliedern des Angelvereins und nutzen dafür unseren Übungsabend", erklärte Gemeindewehrleiter Marko Schiebold. "Die hochsommerlichen Temperaturen haben die Fischgewässer erheblich erwärmt. Sauerstoffmangel hat in dem stehenden Nass die Algenbildung befördert. Die Situation für die Kiemenatmer ist problematisch."

19.30 Uhr trafen die Mannschaften ein. Das Brummen der Löschfahrzeuge quittierten zwei Reiher mit lautem Krächzen, da sie ihren Platz in der ersten Reihe für den Tanker und die Akteure in blauen Uniformen räumen mussten. Das Großaufgebot von Technik lockte ebenso Schaulustige an, die mit Handy bewaffnet ungezählte Schnappschüsse von der besonderen Aktion schossen.

Mittendrin die Angler um Fred Last, Jugendwart des Angelvereins Ortsgruppe Eppendorf. "Wir sind sehr angetan von dem Einsatz der Feuerwehr. Es ist ermutigend, unbürokratisch und tatkräftig Hilfe zu erhalten", zeigte er sich erfreut. "Wir sind sehr um unser Gewässer und die eingesetzten Fische in Sorge. Für uns ist das ein wirtschaftlicher Faktor. Mit den Teichen lebt unser Hobby. Dabei geht es um mehr als die Karpfen. Der Standort ist eine kleine Oase, dient auch als Ruhepunkt für Mensch und Tier. Wir pflegen das Teichumland. Wanderwege führen daran vorbei."

Am Freitag vor einer Woche hatten die Petrijünger am späten Nachmittag bereits einen Hilfseinsatz gestartet. "Erstmals in unserer 50-jährigen Vereinsgeschichte haben wir versucht, den oberen Angelteich mit einer Schmutzwasserpumpe zu belüften. Allerdings ohne dauerhaften Erfolg", so Fred Last. "Und jetzt drohte besonders der obere Teich umzukippen. Es fehlt der Sauerstoffeintrag und die natürlich Umwälzung. Wir haben keinerlei Zulauf", klagt Fred Last.

Ganz anders der Dienstagabendeinsatz: An beiden Teichen brachten sich die Frauen und Männer mit einem Dutzend Stahlrohren und modernster Pumpentechnik in Stellung. Feuerwehrstatistiker führen solche Dimensionen als einen Großeinsatz. "Wir saugen zunächst das Wasser aus den Teichen an und schießen es mit den Strahlrohren wieder in großem Bogen zurück. Beim Aufschlag auf der Gewässeroberfläche gelangen Luftblasen ins Wasser, damit erhalten die Fische den lebensnotwendigen Sauerstoff. Nützlicher Effekt dabei: Auch die Temperatur wird gesenkt", so Marko Schiebold.

5000 Liter pro Minute saugten die Pumpen an, am Ende des knapp einstündigen Einsatzes waren rund 300.000 Liter Wasser durch die Schläuche gelaufen. "Bei 32 Grad Lufttemperatur war das Teichwasser zwischen 28 und 30 Grad warm", verfolgte Fred Last, mit Thermometer ausgerüstet, das Geschehen. "Die Messung um 21.10 Uhr ergab, dass die Temperatur zwischen vier und fünf Grad gesunken ist", sagte der Angler hochzufrieden. Gemeinsam mit seinen Vereinsfreunden versorgte er die Feuerwehrleute mit kühlenden Getränken und selbst belegten Broten.

"Bevor wir uns wieder Fisch schmecken lassen, warten wir noch etwas. Schließlich hatten die Tiere jetzt genug Stress", quittierte Klaus Last - seit 20 Jahren Mitglied - die Lage am Gewässer, als wieder Ruhe eingekehrt war.

Der Angelverein Eppendorf zählt 43 Mitglieder aller Altersgruppen. Es gibt junge Nachwuchsangler bis hin zu den Ehrenmitgliedern. Die beiden Teiche am Teichweg in Eppendorf sind die einzigen Pachtgewässer des Vereins. Es gibt Fred Last zufolge regelmäßige Angeltermine sowie einmal monatlich einen Arbeitseinsatz für die Pflege des Gewässers. Wie oft die Teiche in den nächsten Tagen erneut belüftet werden müssen, wissen die Angler nicht. (mit mbe)

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