Wie lebten Rennfahrer vor 90 Jahren?

Das Leben der berühmten DKW-Fahrer aus dem Rennfahrerdorf Adelsberg steht am Freitag im Schloss Augustusburg im Fokus. Lutz Langer hat für seinen Vortrag lange in Archiven gesucht. Aber auch einem Zufall verdankt er einen Teil des historischen Materials.

Augustusburg/Adelsberg.

Ein Dorf - sechs Motorradsportler von internationalem Niveau: Die ungewöhnliche Geschichte Adelsbergs und seiner berühmten Söhne steht am Freitag im Zentrum eines Vortrags des Chronisten Lutz Langer. Auf der Augustusburg will er einen außergewöhnlich tiefen Einblick in das Leben der DKW-Fahrer gewähren, darunter Ewald Kluge, deutscher Meister und Europameister. Langer hat dafür über viele Jahre Material zusammengetragen. Angefangen hat seine Recherche nach einem Sturm.

In den 1970er-Jahren war Langer bei Barkas in Chemnitz beschäftigt und somit auf dem Gelände der Auto-Union (ehemals DKW) tätig. Für das Unternehmen hatte Ewald Kluge bis zu seinem Tod 1964 gearbeitet. Eines Nachts deckte ein gewaltiger Sturm ein Dach auf dem Werksgelände ab, unter dem sich ein Archiv befand. "Die Fotos fielen mir vor die Füße, als ich ins Büro ging", erinnert sich Langer. In der DDR sei es nicht erlaubt gewesen, die Bilder zu zeigen. Doch sein Interesse war geweckt: Auch auf Spaziergängen durch Adelsberg fand er nach und nach mehr heraus. Kurt Friedrich, Arthur Geiss, Walfried Winkler, Herbert Kirchberg, Ewald Kluge und Fritz Trägner nannten den heutigen Chemnitzer Stadtteil einst ihr Zuhause. "Jeder dieser Rennfahrer war wenigstens einmal deutscher Meister", sagt Langer.

Einblicke ins Staatsarchiv folgten nach der Wende. Fotos, Videos und Dokumente halfen Langer, einen Bogen über den Rennsport vor dem Krieg bis in die 1950er-Jahre zu spannen. Unter anderem besitzt er eine Kopie der Strafgefangenenakte von Ewald Kluge, der wie Walfried Winkler nach dem Zweiten Weltkrieg in russische Gefangenschaft geriet. "Es stehen einige Widersprüche drin", sagt Langer. Auch über die Isle-of-Man-Rennen, die Kluge gefahren ist, hat der Chronist inzwischen Klarheit, einem englischen Buch sei Dank. Was es mit der Trophäe der britischen Insel auf sich hat, die derzeit im Schloss zu sehen ist, gehört zu den Anekdoten, die am Freitag zu hören sein werden. Aber auch viel Unbekanntes aus dem Leben der "Weltklassefahrer" will er erzählen, so Langer.

Der Vortrag findet im Rahmen der Sonderausstellung "Rennsportlegenden" über Walter Kaaden und Ewald Kluge statt, die Langer gemeinsam mit Bernd Uhlmann und Christian Steiner erarbeitet hat. Seit der Eröffnung haben die Organisatoren nicht nur selbst viele Gäste geführt, sondern auch zu Vorträgen eingeladen, zuletzt im September zu einer Gesprächsrunde mit ehemaligen MZ-Fahrern. Über 100 Besucher waren dieser Einladung gefolgt.

Der Vortrag "Ein Rennfahrerdörfchen und ein ominöser Pokal - Fakten und Legenden" beginnt am Freitag, 16 Uhr in der Schlossgaststätte, Eintritt: 3Euro. Die Sonderschau ist noch bis 1. Dezember zu sehen.

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