Wie Lichtenwalde Kompromisse findet

Von Politikverdrossenheit keine Spur im Gemeinderat von Niederwiesa: Ein Thema zog so viele Bürger an, dass die Stühle nicht reichten.

Lichtenwalde.

Rene Bloem war um Schadensbegrenzung bemüht. Der Gesellschafter der Immo-Pool GmbH und Besitzer des Lichtenwalder "Best Western"-Hotels möchte auf der Grünfläche hinter dem Vier-Sterne-Haus Wohnhäuser bauen lassen. Deren Größe und Menge aber lehnt der Ortschaftsrat ab. Eine als Zu- arbeit zum Entwurf des Flächennutzungsplanes der Gemeinde kreierte Konzeptskizze mit sieben Drei- und Viergeschossern war bekannt geworden. Die darauf eingezeichneten 50 Wohneinheiten auf dem als Ausgleichsfläche für den Hotelbau dienenden Grün brachten die Anwohner in Rage.

"Wir lassen es nicht zu, dass diese Wiese so verunstaltet wird", sagte Bürgermeisterin Ilona Meier (parteilos). "Das wäre ein zweites Neubaugebiet im Ortskern", sagte der Lichtenwalder Ortsvorsteher Jens Bossard (Bürgergemeinschaft Lichtenwalde/Braunsdorf). Er hatte den Gemeinderat über die Ablehnung des Ortschaftsrates informiert.

Nachdem Rene Bloem durch die "Freie Presse" von diesem Votum erfahren hatte, änderte der Geschäftsmann seine Reisepläne, kam zum Gemeinderat im Schlossgasthaus Lichtenwalde und erhielt Rederecht. "Wir sind Investoren. Unser Vorhaben soll sich rentieren", unterstrich er seinen Anspruch. "Aber wir können über das Aussehen der Häuser reden. Ich verspreche Ihnen eine Absprache mit den Anwohnern."

Um seine Kompromissbereitschaft zu unterstreichen, verteilte Bloem gleich eine neue Vorplanung. Diese sieht nur noch fünf zweigeschossige Häuser mit je vier Wohnungen vor. Bossard lehnte Bloems eilige Verteilaktion zwar ab. Am Ende einigten sich alle Seiten aber darauf, im neuen Jahr eine Gesprächsrunde mit Ortschaftsrat, Investor und Bürgern zu organisieren, um einen Kompromiss zu finden.

Eine Lösung sucht die Gemeinde auch in Sachen Lebensmittelnahversorgung. Nachdem der Gemeinderat dem Betreiber des Edeka-Marktes im Niederwiesaer Ortskern schon vor vielen Jahren Exklusivität zugesichert hatte, liegt nun ein Antrag auf Vorbescheid für den Neubau eines Netto-Marktes im Gewerbegebiet an der Dresdner Straße vor. Zudem gibt es Pläne, in Lichtenwalde einen Norma-Lebensmittelmarkt mit Backshop und Fleischer zu errichten, und zwar auf der "Hartung-Wiese" am Niederwiesaer Weg.

Die Meinungen der Räte dazu reichten von Ablehnung jeglicher neuer Märkte über Ja zu Lichtenwalde und Nein zum Gewerbegebiet bis hin zur Gleichberechtigung für alle neuen Bauwilligen. Rederecht räumte die Runde Toni Kunze, Regionalleiter Expansion bei Edeka ein. "Integrierte Standorte wie in Niederwiesa haben es immer schwer", sagte er. Ein Lebensmittelmarkt benötigt über 5000 Einwohner. Ich empfehle eine unabhängige, ergebnisoffene Untersuchung zum Beispiel mit Hilfe der Industrie- und Handelskammer." Falls in der Gemeinde dauerhaft der Wunsch nach einem weiteren Markt bestehe, sollten mögliche Standorte geprüft werden. Am Ende sprach sich eine Mehrheit der Räte für den Neubau in Lichtenwalde und gegen den im Gewerbegebiet aus. "Diese Stellungnahme teilen wir jetzt dem Landratsamt mit", sagte Ilona Meier.

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