Wie unsere Urgroßeltern lebten

39 Kinder der Kirchgemeinde Eppendorf erkundeten eine Woche lang das Alltagsleben am Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Dorfmuseum Gahlenz machte es möglich.

Gahlenz.

Ein spannendes und zugleich bildendes Ferienabenteuer ohne Smartphone, Fernsehgerät, Süßigkeiten, Limo und Cola liegt hinter 39Mädchen und Jungen der Kirchgemeinde Eppendorf. Die 7-und 13-Jährigen erlebten in der ersten Sommerferienwoche in Gahlenz einen Zeitensprung: Die jungen Eppendorfer, Gahlenzer und Großwaltersdorf wagten das von Gemeindepädagoge Dirk Wolf vorbereitete Experiment, einmal wie ihre Urgroßeltern zu leben und zu arbeiten. Sie lebten also Anfang des 20.Jahrhunderts.

Am ersten Feriensonntag schlugen sie dafür im Kirchgemeindegarten ihre Zelte auf, nutzten das Kirchenschiff als vereinenden Gemeinschaftsraum am Ende des Tagwerkes und verlagerten den Alltag in das Gelände des Dorfmuseums Gahlenz. "Wir agieren in den 1920/ 1930er-Jahren, so dürfte es einst auf dem Bauerngut zugegangen sein", sagte Mitorganisatorin Beate Mühl, die Leiterin des Dorfmuseums. "Wir haben die aufgeweckte Truppe in sieben Erlebnisgruppen unterteilt, deren Name zugleich das Tätigkeitsgebiet beschreibt: Kräuter, Milch, Wolle und Imker."


Am Ende der Projektwoche unter dem Motto "Leben wie früher" begeisterte sich die Generation der Computer und sozialen Netzwerke für die Gesellschaftsspiele Blinde Kuh, Gummi-Twist und Murmeln. Die Kinder erlebten beim Buttern, Käsemachen und Brotbacken, wie wertvoll Lebensmittel sind und wie aufwendig die Zubereitung ist. Sie wuschen im Zuber Wäsche, bauten mit Holz und Lehm, droschen Korn mit dem Dreschflegel, zogen Kerzen und webten Stoffe. Zudem versorgten sie die Tiere. Obendrein wuschen sie sich nur mit kaltem Wasser und Kernseife. Darüber hinaus lernten sie die Gemeinschaft zu schätzen. "Das gemeinsame Vorlesen vor dem Schlafengehen hat uns gefallen. Auch ,Mensch-ärgere-dich' zu spielen macht Spaß", stellten Leon und Finley, beide Mitglieder der brotbackenden Getreidegruppe, fest. Die Arbeitsgruppe Dorfkinder beispielsweise fertigte selbst Spielbretter an und bemalte diese unter fachkundiger Anleitung. Die Lehmbaugruppe fertigte Schwalbennestern.

Die Kinder konnten die Tage ohne Schokolade, Chips, Limo und Cola verschmerzen. Getrunken und gegessen wurde, was in die Zeit passte, zum Beispiel selbst gebackenes Brot. Und es gab einen Wettbewerb. "Unsere interne Währung heißt Talente" erzählten Johannes und Jannik. Sauberkeit und Ordnung im Camp wurden zum Beispiel mit Talent-Punkten gewürdigt. Auch Mitarbeit und Engagement wurden bewertet. Zum Finale konnten die Teilnehmer die gesammelten Punkte in Naschereien einlösen.

"Wir wollen den Kindern zeigen, was es bedeutet, nachhaltig zu leben", so Wolf. "Die Schüler sollten eine Vorstellung erhalten, welche Rahmenbedingungen einst herrschten, wie der Mensch einst viel mehr mit der Natur im Einklang war. Sie dürften einen Eindruck bekommen haben, wie wichtig die Gemeinschaft und der Zusammenhalt für die Dorfbevölkerung war." Das Projekt fand zum dritten Mal statt. Zum Abschluss-Hoffest zeigten die Kinder ihren Eltern und Verwandten die Ergebnisse der Projektwoche. Und da mundeten frisches Brot und Frischkäse.

In dieser Woche ist eine Hortgruppe aus der Flöhaer Grundschule "Friedrich Schiller" laut Beate Mühl im Dorfmuseum Gahlenz. Säckewerfen, Zielwerfen mit Hufeisen und Führungen durch den Kräutergarten stehen an. (mit hh)

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...