Wieder Hoffnung für Oederaner "Stanze"

Der Einkaufsmarkt in der Innenstadt steht seit dem Auszug von Edeka leer. Ältere Anwohner haben darunter gelitten - und jetzt Teilerfolge erzielt.

Oederan.

Es kommt wieder Bewegung in das problematische Thema der Nahversorgung in der Oederaner Altstadt. Seit dem Umzug von Edeka vor zwei Jahren in den modernen Markt am Stadtrand steht das ehemalige Nahversorgungszentrum "Zur Stanze" leer. Darunter litten vor allem ältere Bewohner der Altstadt, hatten sich viele von ihnen doch die Wohnlage extra ausgesucht, weil es die "Stanze" in unmittelbarer Nachbarschaft gab.

Den Weg in einen der Supermärkte an der Freiberger Straße (Edeka und Aldi) oder der Gerichtsstraße (Netto) konnten sie nur noch mit dem Bus bewältigen - bis zum Sommer. "Dann wurde der Fahrplan geändert, der Bus hielt nicht mehr direkt an der Edeka", sagt Ingrid Herrmann. Sie hatte sich mit einem Brief an die "Freie Presse" gewandt - unterschrieben von ihr und weiteren 25 Bewohnern des Betreuten Wohnens "Kastanienhof" direkt neben der "Stanze".

Darin schreibt sie, dass es in den vergangenen Wochen nur deshalb keine Beschwerden mehr über die unbefriedigende Einkaufssituation der älteren Menschen in der Oederaner Innenstadt gab, weil diese resigniert hätten. "Einige Verantwortliche sind sich offensichtlich immer noch nicht bewusst, dass vielen Bewohnern des Kastanienhofes ein großer Teil ihrer Selbstständigkeit genommen wurde", schreibt sie.

Zumindest das Problem mit der Busanbindung konnte Ingrid Herrmann lösen. Nach ihren Anfragen an die zuständigen Unternehmen soll nun mit dem Fahrplanwechsel im Dezember wieder eine direkte Anbindung an den Edeka-Markt angeboten werden. Dies bestätigte auf Anfrage der "Freien Presse" auch Betriebsleiter Andreas Lindner vom für den Fahrplan zuständigen Unternehmen Regiobus.

Doch es könnte noch besser kommen. Denn auch Fritz Nothnagel, Eigentümer des Einkaufsparks "Zur Stanze", bemüht sich seit vielen Jahren um neue Mieter in den Räumen. Für die Idee eines Regiomarktes, in dem Anbieter aus der Umgebung ihre Produkte anbieten, gab es zwar ein Preisgeld, die Umsetzung scheiterte jedoch. Später sollte der Sonderpostenhändler Wreesmann einziehen, was an den Brandschutzauflagen seitens der Stadt scheiterte. "Ich bin nun aber guter Dinge, dass wir im ersten Quartal 2019 wieder einen Mieter haben", sagt Nothnagel jetzt. Die Frage, ob es sich dabei um einen Nahversorger handelt, konnte Nothnagel bejahen. "Es ist aber noch nichts in trockenen Tüchern."


Kommentar: Was heute wichtig ist

Das wird noch richtig spannend. Wie werden wir wohl in 50 Jahren unsere Lebensmittel einkaufen? Werden wir dann alle Kühlschränke haben, die selbst merken, dass die Butter knapp wird, und automatisch Nachschub im Internet bestellen? Wird es aus eben diesem Grund gar keine Supermärkte mehr geben?

Wir werden es merken. Wir werden uns anpassen. Wir werden mit der Zeit gehen müssen. Allerdings haben wir jüngeren Menschen auch die Chance dazu. Wir können uns langsam an all die Neuheiten und Möglichkeiten gewöhnen.

Diejenigen allerdings, die schon vor der technischen Revolution und vor einer Zeit des Überangebotes in Supermärkten und im Internet jenseits der 60 waren, werden heute oft alleingelassen mit ihren Problemen. Vielleicht (und das ist beängstigend) sind wir in 50 Jahren ja dermaßen an die Bequemlichkeit gewöhnt, dass wir uns freuen, wenn die Butter mit der Post kommt. Die heute lebende ältere Generation ist das aber nicht. Sie will keinen Lieferdienst oder auf Hilfe von anderen angewiesen sein.

Damit unsere Großeltern heute selbst bestimmt leben können, müssen wir jüngeren Menschen dafür die Voraussetzungen schaffen. Mit Subventionen für den kleinen Lebensmittelmarkt nebenan zum Beispiel. Das ist heute wichtig.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...